- 12.01.2022, 11:23:38
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- OTS0076
Aktuelle Kirchenstatistik zeigt Auswirkungen der Corona-Pandemie
72.055 Personen verließen im vergangenen Jahr die Katholische Kirche - Gesamtzahl der Katholiken in Österreich liegt bei 4,83 Millionen - Stabile Seelsorgestrukturen, aber deutliche Rückgänge bei Taufe, Erstkommunion, Firmung und Eheschließung
Utl.: 72.055 Personen verließen im vergangenen Jahr die Katholische
Kirche - Gesamtzahl der Katholiken in Österreich liegt bei
4,83 Millionen - Stabile Seelsorgestrukturen, aber deutliche
Rückgänge bei Taufe, Erstkommunion, Firmung und Eheschließung =
Wien (KAP) - Die Katholikenzahl in Österreich ist im letzten Jahr
erneut leicht zurückgegangen, dabei aber weitgehend stabil geblieben.
Das ergeben die am Mittwoch von den österreichischen Diözesen
veröffentlichten Statistiken. Demnach gibt es mit Stichtag 31.
Dezember 2021 in Österreich 4,83 Millionen Katholiken. 2020 waren es
laut amtlicher Statistik der Österreichischen Bischofskonferenz 4,91
Millionen Katholiken. Das entspricht einem Rückgang von rund 1,6
Prozent. Ein Grund dafür sind gestiegene Kirchenaustritte im
vergangenen Jahr. Die ebenfalls veröffentlichte Detailstatistik für
2020 macht die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das kirchliche
Leben deutlich. So gab es im ersten Corona-Jahr starke Rückgänge bei
Taufe, Erstkommunion, Firmung und Eheschließung.
Insgesamt traten 2021 72.055 Personen aus der Katholischen Kirche
aus. 2020 waren es 58.727 Personen, was damals ein deutlicher
Rückgang gegenüber 2019 war (67.794 Austritte). Offensichtlich
dürften nicht wenige Personen den Austritt nachgeholt haben, nachdem
2020, im ersten Jahr der Pandemie, die Kommunikation mit den
staatlichen Behörden oft nur eingeschränkt möglich war. Die
Kirchenaustritte lagen damit 2021 etwas über jenen von 2019 (67.794).
Die Katholische Kirche hat am Mittwoch auch die pastoralen Kennzahlen
für das Jahr 2020 veröffentlicht. Aus diesen ist abzulesen, wie sehr
die Pandemie auch das kirchliche Leben beeinträchtigt hat. So gab es
erwartungsgemäß bei den Sakramenten (Taufe, Erstkommunion, Firmung
und Ehe) starke Rückgänge. Viele Feiern mussten coronabedingt
verschobene werden. Die Zahl der in Österreich wirkenden Priester und
Ordensleute ist leicht gesunken, dafür jene der ständigen Diakone
wieder leicht gestiegen. Auch die Zahl der hauptamtlichen
Laienseelsorgerinnen und -seelsorger in den heimischen Diözesen ist
leicht gestiegen.
Kirchenbeitrag sichert Seelsorge
Die katholischen Diözesen in Österreich können für 2020 zudem leichte
Steigerungen beim Kirchenbeitragsaufkommen und insgesamt fast
ausgeglichene Bilanzen verzeichnen. Das geht aus der österreichweiten
kirchlichen Gebarungsübersicht hervor, die ebenfalls am Mittwoch
veröffentlicht wurde. Der Großteil der Einnahmen der Diözesen stammt
aus dem Kirchenbeitrag. 2020 waren es knapp 484 Millionen Euro (75
Prozent der Gesamteinnahmen), 2019 lagen die Kirchenbeiträge bei rund
481 Millionen Euro. Zwei Drittel der Budgets sichern die kirchliche
Basisstruktur und die Seelsorge. So wurden laut Rechenschaftsbericht
für die Pfarren und die pastoralen Aufgaben insgesamt über 421
Millionen Euro aufgewendet, was einem Anteil von rund 65 Prozent an
den Gesamtausgaben entspricht.
Der Großteil der Ausgaben entfällt mit über 404 Millionen Euro auf
die Personalkosten (rund 63 Prozent) für die 8.150 Beschäftigten
(Priester und Laien) im diözesanen Dienst. Dabei ist der
Personalaufwand für die Laienmitarbeiter höher als für den Klerus.
Wiederaufnahmen in Kirche gestiegen
Einige weitere Details aus den Statistiken: Mit Stichtag vom 31.
Dezember 2021 wurden 4.301 Personen in die Kirche wieder oder neu
aufgenommen. Das ist mehr als 2020 mit 4.068. 545 Personen - und
damit mehr als 2020 (461) - machten zudem 2021 von ihrem Recht auf
Widerruf Gebrauch. Damit sind Menschen gemeint, die zunächst ihren
Austritt erklärt hatten, nach einem Kontakt mit kirchlichen
Verantwortlichen und innerhalb einer Dreimonatsfrist aber wieder
Abstand von diesem Schritt nahmen.
Maßgebliche Faktoren für den leichten Rückgang der Katholikenzahl
sind jedenfalls nicht nur das Verhältnis von Austritten zu
Kircheneintritten, sondern vor allem auch von Taufen zu Sterbefällen
und von Zuzügen zu Wegzügen.
Weniger Priester, mehr Ständige Diakone
Die Zahl der in Österreich wirkenden Priester ist laut der aktuellen
Kirchenstatistik 2020 leicht gesunken: von 3.689 (2019) auf 3.548
(2020). Insgesamt zeigt sich in den vergangenen Jahren bei den
Priestern aber eine relativ stabile Situation. Leicht gestiegen ist
die Zahl der Ständigen Diakone. Die Statistik für 2020 weist 752 aus.
(2019: 744)
Aus den vorliegenden Daten für 2020 ergibt sich auch, dass die Zahl
der Ordensmänner in Österreich (Ordensbrüder und Ordenspriester)
abnimmt (2020: 1.708, 2019: 1.753) Für die Ordensfrauen in Österreich
weist die amtliche Statistik 2020 3.088 Schwestern aus. Die Zahl der
Ordensfrauen in Österreich nimmt seit Jahren leicht, aber stetig ab
(2019: 3.359).
Österreichweit sind zudem1.473 Frauen und Männer im pastoralen Dienst
der Kirche tätig. Diese Zahlen beziehen sich bereits auf das Jahr
2021. Im Vergleich zum Jahr 2020 (1.455) ist wieder eine leichte
Steigerung zu verzeichnen.
Von Stabilität geprägt ist das österreichweit nach wie vor sehr
dichte Netz von Pfarrgemeinden: Die Statistik für 2020 weist
insgesamt 4.292 Pfarren und sonstige kirchliche Seelsorgestellen aus
(2019: 4.291).
Rückgang bei Sakramenten
Die Zahl der Taufen lag 2020 bei 32.521. Das ist ein massiver
Rückgang gegenüber 2019, wo noch 44.977 Taufen gezählt wurden. Viele
Taufen mussten coronabedingt verschoben werden. Wie viele davon aber
tatsächlich noch nachgeholt werden, lässt sich derzeit nicht
abschätzen. Auch die Zahl der Erwachsenentaufen (ab 14 Jahren) ist
zurückgegangen, aber nicht so stark wie die Gesamtzahl der Taufen.
(2020: 417; 2019 540)
Einen massiven Rückgang gibt es auch bei den kirchlichen Trauungen.
Die Statistik für 2020 verzeichnet 3.595. 2019 waren es noch 9.842.
Hier dürfte Corona - noch mehr als bei den Taufen - einen
wesentlichen Einfluss gehabt haben.
Die Zahl der kirchlichen Begräbnisse hat 2020 hingegen gegenüber dem
Vorjahr deutlich zugenommen. Die Statistik verzeichnet 54.621
Begräbnisse, 2019 waren es 51.334.
Einen starken Rückgang gab es erwartungsgemäß bei den
Erstkommunionen. 2020 gab es - coronabedingt - nur 37.253. In vielen
Pfarren wurden die Feiern verschoben. 2019 gab es noch 48.405. Noch
deutlicher als bei den Erstkommunionen fiel der Rückgang bei den
Firmungen aus: 2019 gab es noch 42.861 Firmungen, 2020 waren es nur
26.625.
Wenig aussagekräftig sind die Zahlen zum Gottesdienstbesuch. Von den
sogenannten "Zählsonntagen" konnte nur jener im Februar 2020 erfasst
werden (mit knapp 400.000 Messbesucher), Lockdowns und ganz generell
die Pandemie-Maßnahmen taten ein Übriges, sodass dieses Jahr nicht
mit den Jahren davor vergleichbar ist.
Kirchenbeitrag und weitere Einnahmen
Wichtigste Einnahmequelle der Diözesen ist der Kirchenbeitrag mit
483,7 Millionen Euro und einem Anteil von 75,2 Prozent an den Erlösen
und Erträgen. Die staatlichen Leistungen zur Abgeltung von NS-Schäden
machen rund 55,3 Millionen Euro und somit 8,6 Prozent an den
Einnahmen aus. Die restlichen 104 Millionen Euro und damit 16,2
Prozent der Einnahmen stammen aus der Vermögensverwaltung, aus
Vermietungen, Leistungen, Subventionen und sonstigen Erträgen.
Insgesamt verzeichnen die Diözesen 2020 Gesamteinnahmen in der Höhe
von über 643 Millionen Euro (2019: 637 Millionen). Dem stehen
Aufwendungen von rund 644 Millionen Euro (2019: 641 Millionen)
gegenüber. Aufgrund eines positiven Finanzergebnisses weist die
Gebarungsübersicht der Diözesen insgesamt ein positives Ergebnis der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in der Höhe von rund 16
Millionen Euro (2019: 16 Millionen) und ein Gesamtbudget von 660
Millionen Euro aus (2019: 657 Millionen) aus. Über das größte Budget
verfügte auch 2020 die Erzdiözese Wien mit Einnahmen von 138,8
Millionen Euro (2019: 138 Millionen).
Die amtliche Kirchenstatistik 2020 ist veröffentlicht unter:
www.katholisch.at/statistik
Die Zahlen und Fakten zu den Kirchenfinanzen finden sich unter:
https://kirchenfinanzierung.katholisch.at/kirchenfinanzen
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