• 09.01.2022, 09:09:18
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Land NÖ fördert das Projekt NS-„Volksgemeinschaft“ und Lager im Zentralraum Niederösterreich

LH Mikl-Leitner: Wir müssen auch die Schattenseiten unserer Vergangenheit aufarbeiten

Utl.: LH Mikl-Leitner: Wir müssen auch die Schattenseiten unserer
Vergangenheit aufarbeiten =

St. Pölten (OTS/NLK) - Die Präsenz von Kriegsgefangenen und
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und deren Lager und
Behausungen gehörten ab 1940 bis zum Kriegsende zur alltäglichen
Wahrnehmung der lokalen Bevölkerung. Heute sind die meisten
ehemaligen NS-Lager aber aus dem kollektiven Gedächtnis und der
lokalen Erinnerungskultur verschwunden. Viele Lagerstandorte sind
nicht oder kaum mehr erkennbar, da sie abgetragen, überbaut oder
umgestaltet wurden. Das Forschungsprojekt „NS-´Volksgemeinschaft´ und
Lager im Zentralraum Niederösterreich“ beschäftigt sich daher mit der
Geschichte der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter und deren Lager und Behausungen in Niederösterreich.
Das Land Niederösterreich unterstützt dieses Projekt mit rund 400.000
Euro. „Es ist für das Land Niederösterreich von enormer Wichtigkeit
auch die Schattenseiten unserer Vergangenheit aufarbeiten zu lassen.
Dadurch sollen Themen, wie eben auch die NS-´Volksgemeinschaft´ oder
auch die Zwangslager, die vielleicht sogar in der eigenen
Heimatgemeinde waren, wieder in das Bewusstsein der Menschen gerückt
werden“, betont Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Ziel des Projekts ist es, bisher unbekannte und weitgehend
unerforschte Lager in Niederösterreich zu untersuchen. Im Zentrum der
Untersuchung stehen dabei auch die vielfältigen Interaktionen
zwischen den Lagern und ihren Umgebungen und Interaktionen zwischen
Inhaftierten und den im Umland lebenden Menschen.

Koordiniert wird das Projekt vom Institut für jüdische Geschichte
Österreichs in St. Pölten. Zu den Projektpartnern zählen unter
anderem die Donau-Universität Krems, das Wiener-Wiesenthal-Institut
für Holocaust-Studien oder auch das Haus der Geschichte im Museum
Niederösterreich. „Zum historischen und kulturellen Erbe des
niederösterreichischen Zentralraums um St. Pölten, Krems, Melk und
Tulln zählen nicht nur Klöster und Schlösser, sondern auch mindestens
60 Lager und lagerähnliche Einrichtungen, in denen in der NS-Zeit von
der ´Volksgemeinschaft´ Ausgegrenzte und Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter aus ganz Europa untergebracht waren“, so die Leiterin
des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs und Projektleiterin
Dr. Martha Keil.

Wesentliche Teile des Forschungsprojekts werden intensiv von Citizen
Science-Aktivitäten begleitet. Fast ein Drittel der gesamten
geplanten Aktivitäten fallen dafür an. Dazu gehört die aktive
Einbindung der Bevölkerung (sogenannten „Citizen Scientists“) in das
Projekt. So sollen die Bürger unter anderem in Interviewtechniken
eingeführt werden um im Bekanntenkreis Zeitzeugen zu befragen oder
auch nach visuellen Spuren unterschiedlicher Lager suchen, indem sie
sich im privaten Umfeld umhören oder auch Gemeindearchive
durchsuchen.

Als weitere Wissenschaftsvermittlungsaktivitäten sind
Veranstaltungen, Stadtführungen und Publikationen geplant. „Ziel ist
es auch, materielle Überreste, bildliche und schriftliche Quellen
sowie im Familiengedächtnis tradierte Erzählungen nachhaltig zu
sichern. Für die Angehörigen und Nachkommen der ehemaligen
Internierten wird das Projekt eine Anlaufstelle für ihre Fragen
sein“, erläutert Dr. Martha Keil.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betont die Wichtigkeit von
Citizen Science-Aktivitäten in Forschungsprojekten: „Wir haben in
unserer Forschungs-, Technologie- und Innovationsstrategie klar
verankert, dass wir verstärkt auf Citizen Science-Aspekte in
Forschungsprojekten setzen wollen. Dieses Projekt ist dafür ein
best-practice-Beispiel, da die Menschen in Niederösterreich sich
direkt beteiligen können.“

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NLK

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