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Alt-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Interview bei ServusTV

In "Der Pragmaticus" am Sonntag, 5.12., ab 22:50 Uhr

Salzburg/Wals (OTS) - Im Dezember vor 30 Jahren ist die mächtige Sowjetunion nach einem jahrelangen Prozess der Desintegration zerfallen. Das kommunistische Imperium wurde gewaltfrei in fünfzehn unabhängige Nachfolgestaaten umgewandelt. Russland blieb dennoch der größte Staat der Welt, gelegen auf zwei Kontinenten: Europa und Asien. Mit dem Zerfall der Sowjetunion, dem Ende des „Eisernen Vorhangs“ und der Ausdehnung des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO in Richtung Osten wurden nach 1991 Fakten geschaffen. Nach der Ära von Gorbatschow und Jelzin wurde der Bürgermeister von St. Petersburg und frühere Geheimdienstoffizier, Wladimir Putin, Präsident Russlands.

Er regiert das Land nun seit zwanzig Jahren, zunehmend autokratisch. Nach einer anfänglichen Annäherung Russlands an „den Westen“ verfolgt Präsident Putin eine „Politik der Stärke“ nach außen und der Repression gegenüber Kritikern des Systems nach innen. Der Ausbau und der Einsatz der Militärmacht des Staates von Syrien bis zur Ukraine soll die Einflusssphären Russlands vergrößern. Russland scheint sich von Europa ab und China zuzuwenden. Welche Rolle spielen dabei die Sanktionen der EU (und der USA), wie kann das Verhältnis zur größten Territorialmacht in der Zukunft gestaltet werden. Wie abhängig ist Europa von russischen Rohstoffen und Gaslieferungen? Droht gar ein militärischer Konflikt?

Der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel verhandelte als EU-Ratsvorsitzender wiederholt mit Wladimir Putin. Er lernte den russischen Präsidenten auch „privat“ bei einem Skiausflug im WM-Ort St. Anton kennen. Heute plädiert Schüssel für eine neue Partnerschaft mit „unserem Nachbarn“: „Man sollte jetzt darüber nachdenken wie man den absoluten Tiefpunkt der bilateralen Beziehungen überwinden kann. Denn geopolitisch sind wir heute in einer Situation, die es eigentlich nicht erlaubt, dass wir fast sprachlos und ohne direkte Kontakte – auch militärische Kontakte – miteinander umgehen.“

Der Präsident der Gesellschaft für Aussenpolitik setzt sich für eine neue Partnerschaft mit Russland ein: „Ich denke, dass sowohl Russland eine Partnerschaft mit Europa braucht und auch die Europäische Union sich um eine Partnerschaft auf Augenhöhe bemühen müsste. Die Bewältigung des Klimawandels wird allein von der EU nicht zu schaffen sein. Da braucht starke Partner und da könnte Russland viel dazu beitragen durch CO2-Speicherung, durch Aufforstung oder durch Wasserstoffproduktion. Der Green Deal, der gemeinsame Kampf gegen den Klimawandel, der gemeinsame Kampf gegen Terror und Cyberattacken, das globale Ringen um eine gemeinsame Gesundheitspolitik in der Pandemie, das sind Themen, die eine Annäherung bewirken können. Ich gebe die Hoffnung jedenfalls nicht auf.“

Zum Verhältnis Russlands mit Europa 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion werden Professor Gerhard Mangott (Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Osteuropa an der Universität Innsbruck) und Emil Brix (ehem. österreichischer Botschafter in Moskau und Direktor der Diplomatischen Akademie Wien) von Weltwoche-Chefredakteur Roger Köppel interviewt.

Der ehemalige Kreml-Berater Sergej Karaganov, er gilt als geistiger Vater der russischen „Wende nach Osten“ beschreibt die Abwendung der „neuen Eliten“ von der Europäischen Union und die Strategie von Putins Russland: „Die Beziehungen sind kaum mehr vorhanden, und die, die es noch gibt, sind schlecht; Gott sei Dank, haben wir zwar ausgezeichnete Beziehungen mit mehreren europäischen Ländern, etwa mit Österreich. Natürlich ist das für uns betrüblich, aber letztendlich nicht weiter störend.“

„Der Pragmaticus - Fakten. Verstehen. Handeln. Auf den Punkt gebracht.“
Am 5.12., ab 22:50 Uhr zum Thema "Russland – 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion"

Rückfragen & Kontakt:

Tina Brohaska
tina.brohaska@servustv.com

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