- 30.11.2021, 10:22:04
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Neue Doku „Der talentierte Herr Rydl – Wie man das Finanzamt narrt“ am 1. Dezember um 21.10 Uhr in ORF 1
Wien (OTS) - Er galt als Finanzstaatsfeind Nr. 1, die Medien nannten
ihn das „Superhirn“ – Werner Rydl stand im Mittelpunkt eines der
größten Finanzskandale Österreichs und soll sich in den neunziger
Jahren mit komplexen Karussellgeschäften um 116,3 Millionen Euro –
damals 1,6 Milliarden Schilling – bereichert haben. Er selbst
behauptet sogar, dass es knapp fünf Milliarden Euro waren, um die er
die Republik erleichtert hat, und dass er das Geld zurückgeben will.
Doch das ist noch nicht einmal das Sonderbarste an den Machenschaften
des talentierten Herrn Rydl. Sondern nur eine Facette eines 20 Jahre
andauernden Katz-und-Maus-Spiels mit den Behörden.
1989 kündigt er der Finanzbehörde an, fortan keine Abgaben mehr
abzuführen. Rydl nennt das „Steuerembargo“: Zwar kassiert er in
seinen Export-Geschäften 20 Prozent Umsatzsteuer, überweist diese
jedoch nicht an die Finanz. Rydl zufolge sei das kein Vergehen, einer
seiner Lieblingssätze: „Ich bin kein Betrüger.“ Insgesamt sind mehr
als 100 österreichische Unternehmen in Rydls Exportgeschäfte
involviert. Er selbst setzt sich 1992 nach Brasilien ab und führt von
dort die Geschäfte weiter. Weil es kein Auslieferungsabkommen wegen
Steuerdelikten gibt, wähnt er sich dort in Sicherheit. Doch in der
Heimat werden andere zu Leidtragenden des „Systems Rydl“. Die Finanz
verweigert seinen Geschäftspartnern die Rückzahlung der
vorfinanzierten Umsatzsteuer, weil sie annimmt, dass sie mit Rydl
unter einer Decke stecken. Für viele bedeutet das den finanziellen
Ruin. Und Haft – wegen Rydls Machenschaften gehen seine Mutter, sein
Bruder und viele andere ins Gefängnis.
2005 hat sein Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden ein vorläufiges
Ende. Rydl wird in Brasilien festgenommen und geht dort in Haft. Bis
er nach Österreich zurückkehrt, vergehen jedoch weitere vier Jahre;
denn Rydl schöpft sämtliche Rechtsmittel aus, um nicht ausgeliefert
zu werden – so soll er versucht haben, sich adoptieren zu lassen.
2010 wird er schließlich zu einer Rückzahlung von 22 Millionen Euro
verurteilt. Rydl kontert mit einer Schadenersatzverrechnung an den
österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer von neun Millionen
Euro Tagsatz für seine Unterbringung im brasilianischen
Hochsicherheitsgefängnis. Bei 1.621 Hafttagen übersteigt diese
Forderung die Gesamtsumme all seiner einbehaltenen Steuern und
Abgaben aus seinem Steuerembargo um ein Vielfaches.
Die Geschichte von Werner Rydl ist absurd und faszinierend.
HolyScreen Media begibt sich im Auftrag des ORF in der Dokumentation
„Der talentierte Herr Rydl – Wie man das Finanzamt narrt“ am
Mittwoch, dem 1. Dezember 2021, um 21.10 Uhr in ORF 1 auf
Spurensuche. Wer ist dieser Mann, der den österreichischen Fiskus
täuschte und dann nach Brasilien verschwand? Wie konnte er seinen
Geschäften so lange ungestört nachgehen? Und worum ging es ihm dabei
wirklich – um Profit, um Gerechtigkeit?
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