Oö. Volksblatt: "Rechte und Pflichten" (von Herbert SCHICHO)

Ausgabe vom 30. November 2021

Linz (OTS) - Die Corona-Krise macht manche Entwicklungen sichtbarer bzw. beschleunigt sie diese. Etwa gab es seit Jahren eine Steigerung beim Online-Kauf, durch den Lockdown hat dieser nun den Einzug in den Alltag der Menschen vollends geschafft. Natürlich wird es danach wieder zurückgehen, aber unterm Strich wird sich die Online-Quote beim Einkauf deutlich über dem Vor-Corona-Level einpendeln.
In der Gesellschaft gab es auch schon vor Corona den Trend, sich primär als Opfer darzustellen und sich als „verfolgte“ Minderheit zu sehen. Gerade die FPÖ hat dies seit Jörg Haider zelebriert. Doch mit dem Virus hat auch das eine neue Qualität bekommen. Gesundheitsmaßnahmen, die zum Schutz der Bevölkerung verordnet werden, werden als diktatorische Vorboten bezeichnet und Schutzimpfung mit einer Vergewaltigung verglichen.
Und die Debatten zur Impfpflicht und den Corona-Hilfen zeigen auch deutlich, dass keine Relation mehr zwischen Anspruch und Rechten auf der einen und Pflichten auf der anderen Seite gesehen wird. Denn mittlerweile ist der Ruf nach Förderungen, Hilfen oder Unterstützungen selbstverständlich geworden ... aber eigenartiger Weise auch der Aufschrei, wenn damit verbundene Pflichten angedacht werden. Übersehen wird, dass meine Ansprüche gegenüber der Allgemeinheit auch finanziert werden müssen. Also die Gratis-Tests, Corona-Boni oder Umsatzersatzzahlungen werden natürlich bezahlt durch Steuern und Abgaben, die entweder ich oder meine Kinder und Enkelkinder aufbringen müssen. Meine Rechte werden also zu meinen Steuerpflichten. Bereits jetzt heißt die Abgabenquote von über 42 Prozent, dass die Österreicher seit dem 30. Juli für den Staat arbeiten. Vielleicht hilft es einem, dass auch durch meine Impfung, die Gefahr eines Lockdowns sinkt und dadurch dem Steuerzahler Milliarden Kosten erspart bleiben. Umgerechnet ein fünf Sekunden dauernder Stich erspart mir wochenlanges Arbeiten für den Staat. Rechte und Pflichten sind die zwei Seiten derselben Medaille und wenn jemand auf die eigenen Rechte so vehement pocht, dann sollte er der erste sein, der die Pflicht erfüllt.

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