• 29.11.2021, 21:30:02
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  • OTS0167

Oö. Volksblatt: "Rechte und Pflichten" (von Herbert SCHICHO)

Ausgabe vom 30. November 2021

Utl.: Ausgabe vom 30. November 2021 =

Linz (OTS) - Die Corona-Krise macht manche Entwicklungen sichtbarer
bzw. beschleunigt sie diese. Etwa gab es seit Jahren eine Steigerung
beim Online-Kauf, durch den Lockdown hat dieser nun den Einzug in den
Alltag der Menschen vollends geschafft. Natürlich wird es danach
wieder zurückgehen, aber unterm Strich wird sich die Online-Quote
beim Einkauf deutlich über dem Vor-Corona-Level einpendeln.
In der Gesellschaft gab es auch schon vor Corona den Trend, sich
primär als Opfer darzustellen und sich als „verfolgte“ Minderheit zu
sehen. Gerade die FPÖ hat dies seit Jörg Haider zelebriert. Doch mit
dem Virus hat auch das eine neue Qualität bekommen.
Gesundheitsmaßnahmen, die zum Schutz der Bevölkerung verordnet
werden, werden als diktatorische Vorboten bezeichnet und
Schutzimpfung mit einer Vergewaltigung verglichen.
Und die Debatten zur Impfpflicht und den Corona-Hilfen zeigen auch
deutlich, dass keine Relation mehr zwischen Anspruch und Rechten auf
der einen und Pflichten auf der anderen Seite gesehen wird. Denn
mittlerweile ist der Ruf nach Förderungen, Hilfen oder
Unterstützungen selbstverständlich geworden ... aber eigenartiger
Weise auch der Aufschrei, wenn damit verbundene Pflichten angedacht
werden. Übersehen wird, dass meine Ansprüche gegenüber der
Allgemeinheit auch finanziert werden müssen. Also die Gratis-Tests,
Corona-Boni oder Umsatzersatzzahlungen werden natürlich bezahlt durch
Steuern und Abgaben, die entweder ich oder meine Kinder und
Enkelkinder aufbringen müssen. Meine Rechte werden also zu meinen
Steuerpflichten. Bereits jetzt heißt die Abgabenquote von über 42
Prozent, dass die Österreicher seit dem 30. Juli für den Staat
arbeiten. Vielleicht hilft es einem, dass auch durch meine Impfung,
die Gefahr eines Lockdowns sinkt und dadurch dem Steuerzahler
Milliarden Kosten erspart bleiben. Umgerechnet ein fünf Sekunden
dauernder Stich erspart mir wochenlanges Arbeiten für den Staat.
Rechte und Pflichten sind die zwei Seiten derselben Medaille und wenn
jemand auf die eigenen Rechte so vehement pocht, dann sollte er der
erste sein, der die Pflicht erfüllt.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NVB

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