Mobilitätsziele 2030: Klimaschutz und Güterverkehr müssen zusammenfinden

Ökologisierung der Straße wichtigster Klima-Hebel im Güterverkehr

Viele unserer Mitglieder setzen selbst und freiwillig Maßnahmen zur Ökologisierung ihrer Unternehmen und auch wir als Verband engagieren uns nachdrücklich für mehr Klimaschutz. Wir brauchen aber nicht zuletzt Investitionssicherheit durch verbindliche Rahmenbedingungen
Alexander Friesz, Präsident Zentralverband Spedition & Logistik

Wien (OTS) - Will Österreich nationale und EU-Klimaziele im Bereich Mobilität erreichen, braucht es ein engagiertes und integriertes Gesamtkonzept für den Güterverkehr. Entscheidend werden Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung sowie ehestmögliche Klarheit sein, welche alternativen Antriebstechnologien gefördert werden sollen. Das sind einige der Ergebnisse einer hochrangig besetzten, virtuellen Podiumsdiskussion zum Thema „Masterplan Güterverkehr – Ökologisierung der Straße“ anlässlich der Generalversammlung 2021 des Zentralverbandes Spedition & Logistik.

Claudia Nemeth, Leiterin der Abteilung Güterverkehr im Bundesministerium für Klimaschutz, wiederholte bei ihrem Vortrag zum Masterplan Güterverkehr 2040 die Ziele des übergeordneten Mobilitätsmasterplans 2030: möglichst viel Verkehr vermeiden, nicht vermeidbaren Straßenverkehr auf alternative Träger wie Schiene und Schiff verlagern, nicht verlagerbaren Verkehr durch alternative Antriebsformen ökologisieren. Man wolle die Güterverkehrsleistung auf der Straße konstant halten, auf der Schiene überproportional steigern und auch mehr auf die Wasserstraße verlagern. Betreffend Antriebstechnologien scheine aus heutiger Sicht bei einer Tagesfahrleistung von bis zu 300 Kilometern Batterieelektrik sinnvoll, für schwerere Fahrzeuge und höhere Reichweiten zusätzlich auch Wasserstoff. Für den Transitbereich prüfe man auch die Potenziale von „Electric-Road“-Systemen, also die Nutzung von LKW-Oberleitungen auf Autobahnen.

Nemeth, die stellvertretend für Bundesministerin Leonore Gewessler an der Diskussion teilnahm: „Mit 70 % Anteil am Modal Split ist der Straßengüterverkehr eine massive Stellschraube, deshalb müssen wir alle zusammenwirken, um die Ziele zu erreichen.“

Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit schließen und Straße ökologisieren

Auf die größte Hürde zur Zielerreichung wies Zentralverband-Präsident Alexander Friesz hin: „Auch wenn alle das Möglichste tun, wird die Straße längerfristig die Mehrheit des weiter zunehmenden Gütertransports tragen müssen. Diese Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit müssen wir akzeptieren und alles daransetzen, um den Straßengüterverkehr klimafreundlicher zu machen.“ Der Güterverkehr in und durch Österreich wird laut Prognosen bis 2040 um rund 45 % zunehmen. Dieses Wachstum kann laut Prof. Sebastian Kummer, WU Wien, die Schiene auch bei einem maximalen Ausbau von Infrastruktur und Angebot nicht auffangen. Selbst bei einem von Bahn und Politik angestrebten Anstieg des Bahn-Anteils am Modal Split von 28 % 2019 auf 40 % bis 2040 würde der Straßengüterverkehr um mehr als ein Fünftel zunehmen. Die CO2-Emissionen würden entsprechend stark steigen und die EU-Klimaziele völlig konterkariert werden. Die Straße als weiterhin größter Träger des Gütertransports muss folglich im Mittelpunkt der Dekarbonisierung stehen. Will sich Österreich den EU-Zielen zur Reduktion der CO2-Emissionen im Straßenverkehr annähern, besteht also akuter Handlungsbedarf. Es braucht umgehend ein integriertes, an den Klimazielen orientiertes Gesamtkonzept für die Gütermobilität auf Straße und Schiene, Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung sowie umfassende Fördermaßnahmen für alternative Antriebsformen. Länder wie Deutschland oder die Schweiz seien Österreich hier bereits meilenweit voraus.

Wasserstoff muss stärker in den politischen Fokus rücken

Die größten Potenziale für eine Ökologisierung des Straßengüterverkehrs bieten laut Wissenschaft und Branche sofort verfügbare, klimafreundlichere Technologien wie LNG-betriebene Fahrzeuge, bessere Aerodynamik sowie flexiblere Längenmaße und Gewichte. Jürgen Rechberger, Vice President für Wasserstoff und Brennstoffzellen bei AVL List, plädierte für eine stärkere und konsequente Berücksichtigung von Wasserstoff, der mittelfristig zum wichtigsten Energieträger auf der Langstrecke werden könnte: „Wir verteilen schon heute nachhaltig erzeugten Strom, den wir in Zukunft nicht haben werden. Wir werden grünes Gas importieren müssen, das wird auch möglich sein, weil global viel Wasserstoff verfügbar sein wird.“

Zentralverband-Präsident Alexander Friesz rief zu einem verstärkten Zusammenwirken von Wirtschaft und Politik auf: „Viele unserer Mitglieder setzen selbst und freiwillig Maßnahmen zur Ökologisierung ihrer Unternehmen und auch wir als Verband engagieren uns nachdrücklich für mehr Klimaschutz. Wir brauchen aber nicht zuletzt Investitionssicherheit durch verbindliche Rahmenbedingungen“. Dazu zähle auch Klarheit, welche alternativen Antriebstechnologien gefördert werden sollen: „Kein Unternehmen kann es sich leisten, auf regulatorisch gelähmte Pferde zu setzen.“

Auf ein gemeinsames Vorgehen pochte auch Hans-Jürgen Salmhofer, Leiter der Abteilung Mobilitätswende im Bundesministerium für Klimaschutz: „Es wird 2022 neue EU-Flottenziele für den LKW-Verkehr geben. Hier sollte es einen Schulterschluss von LKW-Herstellern, Transportbranche und Politik für ambitionierte Ziele geben.“

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11.000 Unternehmen des österreichischen Logistik-Wertschöpfungskerns beschäftigen unmittelbar 160.000 Personen. Spediteure, Transport-Umschlag-Lager-Logistik-Anbieter und Logistik-Technologie-Anbieter schaffen einen direkten Umsatz in Höhe von 33,6 Mrd. Euro.

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