Zum Inhalt springen

Gewalt gegen Frauen – Kinder massiv (mit)betroffen

Die Österreichischen Kinderschutzzentren machen sich stark für die Perspektive der Kinder

  • Im Kontext häuslicher Gewalt aufzuwachsen bedeutet, mit allgegenwärtiger Angst und emotionaler Belastung zu leben, weit weg von dem, was mit einer „normalen“ Kindheit in Zusammenhang gebracht wird.
    Mag.a Petra Birchbauer, Vorsitzende im Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren
    1/3
  • Wenn wir von Gewaltschutz reden, müssen wir daher dringend auch von Kinderschutz sprechen und hier Mädchen und Buben gleichermaßen im Blick haben, deren Entwicklung und Zukunft durch Partnergewalt gefährdet ist
    Martina Wolf, Geschäftsführerin Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren
    2/3
  • Eltern berichten häufig, dass Gewalt nur eskaliert ist, wenn die Kinder nicht da waren, geschlafen haben, jedenfalls nicht direkt dabei waren. Ein tragischer Irrtum, der dazu führt, dass niemand mit den Kindern spricht und sie mit dem Erlebten ganz allein bleiben
    Sonja Farkas, Vorstandsmitglied im Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren
    3/3

Partnergewalt ist nicht nur für Frauen belastend, sondern hat auch massive Auswirkungen auf Kinder. Die österreichischen Kinderschutzzentren unterstützen Kinder und Jugendliche, die Gewalthandlungen gegen ihre Mütter miterleben müssen, die immer wieder auch tödlich ausgehen.

Derzeit gibt es in Österreich nur wenige Daten darüber, wie viele Kinder Gewalt zwischen ihren Bezugspersonen miterleben. Aus der Statistik der 26 Frauenhäuser geht hervor, dass im Jahr 2020 insgesamt 1507 Frauen und 1487 Kinder betreut wurden. Eine Umfrage des Gallup Instituts im Auftrag der Kinderschutzorganisation die möwe kommt zum Ergebnis, dass 27% der Befragten Gewalthandlungen zwischen ihren Eltern miterlebt haben. Das sind Zahlen, die betroffen machen.

Entgegen der nach wie vor verbreiteten Meinung, dass Gewalt gegen Mütter Kinder selbst nicht betrifft, sind Kinder/Jugendliche keine unbeteiligten Zeug*innen, sondern emotional stark involviert: Zum Teil erleben sie die Gewaltvorfälle direkt mit oder hören aus dem Nebenzimmer zu oder sie sind im Nachhinein mit den Verletzungsfolgen und den Auswirkungen der Gewalt konfrontiert. Sie haben Angst um ihre Mutter, ihre Geschwister, um sich selbst, sie erleben die Wut und Aggressionen des einen, die Hilflosigkeit, den Schmerz, die Verzweiflung der anderen und sind oftmals mit ihrer Angst und Ohnmacht allein.

Für Kinder stellt häusliche Gewalt eine weitreichende traumatisierende Erfahrung dar, die tief in ihr tägliches Leben und ihre Beziehungsgestaltung eingreift. „Im Kontext häuslicher Gewalt aufzuwachsen bedeutet, mit allgegenwärtiger Angst und emotionaler Belastung zu leben, weit weg von dem, was mit einer „normalen“ Kindheit in Zusammenhang gebracht wird. schildert Mag.a Petra Birchbauer, Vorsitzende des Bundesverbandes Österreichischer Kinderschutzzentren.

Sonja Farkas, ebenso Mitglied im Vorstand betont: „Eltern berichten häufig, dass Gewalt nur eskaliert ist, wenn die Kinder nicht da waren, geschlafen haben, jedenfalls nicht direkt dabei waren. Ein tragischer Irrtum, der dazu führt, dass niemand mit den Kindern spricht und sie mit dem Erlebten ganz allein bleiben.“

Kinder brauchen daher ein kinder- und jugendspezifisches Beratungsangebot von speziell ausgebildeten Kinderexpert*innen, wie es Kinderschutzzentren bieten, das auf die speziellen Bedürfnisse dieser Kinder fokussiert und ein Auseinandersetzen mit dem Erlebten ermöglicht.

Die Aufarbeitung des Erlebten hat auch einen wichtigen präventiven Charakter, denn aus deutschen Studien ist bekannt, dass Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend Zeug*innen von körperliche Auseinandersetzungen zwischen ihren Eltern waren, doppelt so häufig selbst Gewalt durch (Ex-)Partner erleben wie Frauen, die diese Erfahrungen nicht haben.

"Wenn wir von Gewaltschutz reden, müssen wir daher dringend auch von Kinderschutz sprechen und hier Mädchen und Buben gleichermaßen im Blick haben, deren Entwicklung und Zukunft durch Partnergewalt gefährdet ist“, betont Martina Wolf, Geschäftsführerin im Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren

Rückfragen & Kontakt:

Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren
Martina Wolf
(Geschäftsführung)
Martina.wolf@oe-kinderschutzzentren.at
+43 664 887 36 462

Die Österreichischen Kinderschutzzentren vor Ort:
http://www.oe-kinderschutzzentren.at/zentren/zentren-vor-ort/

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KSZ0001