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Wiener Schulen: Geschichte, Quellen und Forschung im Wien Geschichte Wiki des Wiener Stadt- und Landesarchivs

Wien (OTS) - Das Wiener Stadt- und Landesarchiv präsentiert regelmäßig Themenschwerpunkte zu Aspekten der Wiener Stadtgeschichte. Diese werden im Wien Geschichte Wiki, der historischen Wissensplattform der Stadt Wien, mit digitalisierten Originalquellen aufbereitet. Der aktuelle Schwerpunkt behandelt die Geschichte des Wiener Schulwesens, aber auch die Quellen, die zur Rekonstruktion von Schulgeschichten bedeutsam sind. Auf einer interaktiven Karte können die Standorte von historischen und aktuellen Schulen in Wien gesucht werden.

Einführung der Unterrichtspflicht

Mit der „Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen“ vom 6. Dezember 1774 nahm die Geschichte der Wiener Pflichtschulen ihren Anfang. Bis dahin konnte von Unterrichtspflicht – Schulpflicht besteht in Österreich bis heute nicht – keine Rede sein. Für Knaben aus dem Bürgertum existierten ab dem 13. Jahrhundert einige Schulen, die Grundkenntnisse vermittelten, ein Teil der Oberschicht ließ seine Söhne durch Hauslehrer unterrichten, manche Mädchen erhielten in einzelnen Nonnenklöstern Unterricht. Noch um 1770 besuchten nur rund ein Viertel der Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren regelmäßig eine Schule. Doch nun wurde eine sechsjährige Trivialschule, die Vorläuferin der Volksschule, eingeführt, mit dem Reichsvolksschulgesetz 1869 erhielt sie den heutigen Namen.

Zentrale Quellen für Schulgeschichten

Zu administrativen Zwecken fanden Schulmatriken, Schulkataloge und Klassenbücher Eingang in den Schulalltag. Besonders ab den 1890er Jahren wurden zahlreiche Schulen errichtet, deren detaillierte Baupläne im Wiener Stadt- und Landesarchiv verwahrt werden. In den erhaltenen Schulchroniken spiegelt sich die Treue zu „Gott, Kaiser und Vaterland“ als weiterhin leitendes inhaltliches Prinzip.

Praxisbezug unter Otto Glöckel

Erst dank des Engagements von Otto Glöckel und anderen Reformern erhielt der Pflichtschulunterricht im „Roten Wien“ einen stärkeren Praxisbezug. Mit der Einführung der „Hauptschule“ 1927, die die ältere „Bürgerschule“ ersetzte, und Schulversuchen sollte die Durchlässigkeit des Bildungssystems verbessert werden, was nur sehr bedingt gelang, weil in vielen Arbeiterfamilien Heranwachsende möglichst rasch zum Haushaltseinkommen beitragen sollten.

Schule im Nationalsozialismus

Während der NS-Diktatur wurden rund 16.000 Schülerinnen und Schüler aus rassistischen, politischen und nationalistischen Gründen vom Unterricht ausgeschlossen, „ausgesondert“ und verfolgt.

Reformbestrebungen der Nachkriegszeit

Nach der Wiederherstellung des Schulwesens im demokratischen Staat kam es 1962 zu einem Reformkompromiss von SPÖ und ÖVP, in dessen Folge die Unterrichtspflicht auf neun Jahre ausgedehnt wurde. Durch die Bildungsrevolution ab den 1960er Jahren nahm der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die nach Abschluss der Volksschule in eine höhere Schule wechselten, laufend zu und überstieg in den 1980er Jahren erstmals die 50-Prozent-Marke. Im Zuge der Bemühungen um größere soziale Durchlässigkeit lösten ab 2012 nach und nach „Neue Mittelschulen“ Hauptschulen ab. Ein ausgeprägter Bildungsgradient je nach Bildungsniveau der Eltern blieb allerdings bestehen.

Selbständige Erforschung der eigenen Schulgeschichte

Zweieinhalb Jahrhunderte Wiener Schulgeschichte lassen sich in den erwähnten Quellen auch exemplarisch an einzelnen Schulgeschichten, von denen bereits zahlreiche im Rahmen des Schulschwerpunkts im Wien Geschichte Wiki erarbeitet wurden, nachzeichnen. Der Themenschwerpunkt lädt jedoch besonders auch zum selbständigen Erforschen der eigenen Schulgeschichte ein.

Themenschwerpunkt im Wien Geschichte Wiki

Der Themenschwerpunkt behandelt die Geschichte des Wiener Schulwesens, aber auch die Quellen, die zur Rekonstruktion von Schulgeschichten bedeutsam sind. Auf einer interaktiven Karte können die Standorte von historischen und aktuellen Schulen in Wien gesucht werden.

Link zum Themenschwerpunkt:

www.geschichtewiki.wien.gv.at/Wiener_Schulen

Originaldokumente im Wiener Stadt- und Landesarchiv

Im Wiener Stadt- und Landesarchiv sind vom 15. November 2021 bis zum 25. Februar 2022 in vier Vitrinen eine Auswahl an Originaldokumenten ausgestellt. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 9 bis 15:30 Uhr, Donnerstag von 9 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Link zum Wiener Stadt- und Landesarchiv:
www.archiv.wien.at

Veranstaltungen zum Themenschwerpunkt

16. November 2021: Vortrag „Die Wiener Pflichtschulen von den Anfängen bis in die Gegenwart“ (Univ.-Doz. Dr. Andreas Weigl)

16. Dezember 2021: Workshop „Wiener Schulen – Quellen finden, erforschen, darstellen“ (Dr. Stefan Spevak, MAS)

Link zu weiteren Informationen:

www.wien.gv.at/kultur/archiv/veranstaltungen/themenschwerpunkt-schulen.html

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Hannes Tauber, MA
Magistratsabteilung 8
Wiener Stadt- und Landesarchiv
Gasometer D, Guglgasse 14, 1110 Wien
Postanschrift: 1082 Wien, Rathaus
Tel.: (+43 1) 4000 84839
hannes.tauber@wien.gv.at

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