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Ausgezeichnet: Caritas und Raiffeisen NÖ-Wien vergeben Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis 2021

Gerald John (Der Standard), Ernst Weber (Ö1), Tiba Marchetti (ORF2), Jana Mack und Julia Breitkopf (Podcast-Serie) mit Hauptpreisen ausgezeichnet.

Wien (OTS) - Am Donnerstagabend wurde Österreichs höchst dotierter Journalist*innenpreis, der Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis, zum 18. Mal vergeben. Der Preis, der im Sinne des Lebenswerkes von Prälat Leopold Ungar von der Caritas der Erzdiözese Wien und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien vergeben wird, wurde coronabedingt in kleinem Rahmen in der Brunnenpassage und via Livestream verliehen – musikalisch begleitet von Musikerduo Vila Madalena. Die Auswahl der prämierten Arbeiten oblag auch heuer einer unabhängigen Jury – bestehend aus Roland Machatschke (Juryvorsitzender), Susanne Scholl, Andrea Puschl-Schliefnig, Ingrid Brodnig, Florian Klenk und Irene Brickner.

Klaus Schwertner, Gf. Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, beglückwünschte die Preisträger*innen: „Die Journalist*innen, deren Arbeiten heute ausgezeichnet werden, geben Menschen in Not ein Gesicht. Und das ist entscheidend – gerade jetzt, wenn unsere volle Aufmerksamkeit zu allererst auf täglich aktualisierte Gesundheitsdashboards gerichtet ist. Denn die Pandemie ist keine Krise, die sich mit Zahlen alleine erfassen lässt. In diesem Sinne muss Qualitätsjournalismus auch die Probleme jener in den Blick nehmen, die über keine Lobby verfügen. Armutsbetroffene schalten keine Inserate. Umso wichtiger ist es, wenn ihre Stimme dennoch gehört wird.“

Auch heuer wieder wird das Preisgeld von der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien bereitgestellt. „Gerade in herausfordernden Zeiten unterstützt Raiffeisen NÖ-Wien als verlässlicher Partner die wesentlichen Gesellschaftsbereiche“, hob Vorstandsdirektor von Raiffeisen NÖ-Wien Michael Rab hervor und erläuterte: „Mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Preis verleihen wir dem österreichischen Qualitätsjournalismus die gebührende Wertschätzung und motivieren die Journalist*innen dazu, insbesondere in Zeiten des medialen Wandels auch weiterhin Entscheidungsgrundlagen – und damit einen echten Mehrwert – für die Menschen zu generieren.“

ORF-Journalist Stefan Kappacher widmete sich in seiner Festrede dem Thema Inseratenkorruption: "Inseratenkorruption ist ein böses Wort. Das hat in Österreich lange niemand aussprechen wollen, obwohl jeder gewusst hat, dass es das gibt." Zu sehr seien Politik und Medien in Österreich seit vielen Jahren in einem eingebrannten Muster gefangen – "Politik füttert Medien, fütternde Hand wird nicht gebissen". Nicht erst die laufenden Ermittlungen gegen Spitzen der Republik würden deutlich machen, dass Medienförderungs-Politik in Österreich zu lange mit Klientelpolitik gleichgesetzt worden ist. "Die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft können und müssen eine Zäsur sein", so Kappacher. "Wann, wenn nicht jetzt sollte Medienförderungs-Politik endlich als das verstanden werden, was es unter geänderten Voraussetzungen auch sein könnte: Demokratiepolitik."

Die Hauptpreisträger*innen 2021

In der Kategorie Print wurde dieses Jahr Gerald John für seine Reportage „Stich ins Herz einer Arbeiterstadt“, die in der Tageszeitung Der Standard erschienen ist, ausgezeichnet. Das Urteil der Jury im Wortlaut: „Ihm gelingt es, in seinen Reportagen soziale Probleme und gesellschaftliche Brennpunkte aufzuzeigen – er hört Menschen zu, gibt dem Publikum Einblick in fremde Lebensrealitäten und formuliert seine Beobachtungen in einer eloquenten Weise, sodass man diese Texte gerne liest. Wichtig ist dabei, dass es John gelingt, nicht nur den Mikrokosmos der Betroffenen zu beleuchten, sondern auch das größere Ganze zu betrachten, strukturelle Probleme anzusprechen oder politische Grundsatzfragen zu erläutern. Seine Reportage, in der es um das von Schließung bedrohte LKW-Werk in Steyr geht, ist ein erstklassiges Beispiel hierfür: Man spürt, in welch schwieriger Situation sich die Belegschaft des damaligen MAN-Werk befindet, auch wird der „Stolz der Arbeiterschaft“ sichtbar, die sich seit Jahren ins Zeug wirft, um ihr LKW-Werk international konkurrenztauglich zu halten. Ebenso wird aber auch die größere Frage aufgeworfen, ob unser Wirtschaftssystem verbessert werden könnte – sodass zum Beispiel Faktoren wie Umweltschutz oder gerechte Löhne bei Standortfragen innerhalb der EU eine stärkere Rolle spielen. Es ist wichtig, solche einfühlsamen und tiefgründigen Reportagen zu liefern aus Industrieorten, die um ihre Zukunft kämpfen: Für sein soziales Gespür, seine Schreibkunst, auch seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu vermitteln, wird Gerald John mit dem Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis in der Kategorie Print ausgezeichnet.“

Der Hauptpreis in der Kategorie Fernsehen geht dieses Jahr an Tiba Marchetti für ihren Beitrag „Der letzte Wunsch“ in der Sendereihe „Am Schauplatz“ auf ORF2. Der Film zeigt das Leben mehrerer Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden und denen engagierte Helfer*innen ihren letzten Wunsch erfüllen. Dar Urteil der Jury im Wortlaut: „Das Thema Tod und Sterben wird von gesunden Menschen gewöhnlich gut verdrängt. Auch von Journalist*innen. Tiba Marchetti hat sich diesem Thema gestellt. Sie hat Menschen gefunden, die in dieser Lebenssituation vor die Kamera gehen. Das ist eine journalistische Herausforderung. Mit Menschen an ihrem Lebensende Interviews zu führen, noch viel mehr. Tiba Marchetti hat beides in hervorragender Weise gemeistert. Als der „Schauplatz“ geschnitten wurde, waren manche Interviewpartner schon tot. Aber sie haben in Tiba Marchettis Film gezeigt, dass das Leben bis zum letzten Atemzug lebenswert sein kann.“

Der Hauptpreis in der Kategorie Online/Multimedia wurde heuer an die Journalistinnen Jana Mack und Julia Breitkopf verliehen, die ihre eigene Podcast-Serie „Inselmilieu“ entwickelt haben. Ihr Ziel: Die Überwindung von Echokammern und Filterblasen in der digitalen Welt. Ausgezeichnet werden die beiden für die Folge „Leben und leben lassen? Verschwörungsgläubige unter uns“. Diese hat die Jury besonders begeistert – „gewährt sie doch Einblick in das Denken jener Menschen, die gemeinhin als Verschwörungsgläubige bezeichnet werden. Plötzlich ist auch die eigene Schwester, der Vater oder die beste Freundin betroffen - in vielen Familien haben sich Gräben aufgetan. In der ausgezeichneten Folge lernen die Hörer*innen jene kennen, die stark darunter leiden, dass ihre Familienangehörigen in diese Blase abgerutscht sind. Und es gibt auch Einblicke in die Lebenswelt von Verschwörungserzählern. Die Reportage, zu der es auch eine eigene Fotostrecke gibt, zeichnet eine spannende Gestaltung aus: Klassische Radioelemente (Interviews und Atmos) mischen sich mit persönlichen Zugängen, die Reporterinnen geben akustisch Einblick in ihre Arbeits- und auch Sichtweise. Erhellend bis zur letzten Minute.“

In der Kategorie Radio wurde die Arbeit von Ernst Weber mit dem Titel „Bei Hausbesuchen keine Unzukömmlichkeiten. Die Akte Walfried Janka“ für Ö1 ausgezeichnet. „Mit dem Hörbild ist ihm ein besonders beklemmender Wurf gelungen – ein Porträt über einen Mann, der Unerhörtes erlebt hat. Weber berichtet darüber in protokollarischem Erzählstil. Er begleitet Walfried Janka zu wichtigen Schauplätzen seines Lebens, lässt ihn ausführlich zu Wort kommen. Der Mensch Janka bleibt immer Mittelpunkt der Geschichte – auch mit seinen Verfehlungen. Die schwerste: Mord. Aber Walfried Janka ist auch Opfer: Die wegen Kindstötung verurteilte Pflegemutter quält den Buben jahrelang, physisch wie psychisch. Das Jugendamt schaut weg. Sonderschule, Psychiatrie, Gefängnis sind seine Stationen. Doch er gründet eine Familie, arbeitet seine Geschichte auf – und reicht schließlich eine Amtshaftungsklage gegen das Land Steiermark ein, womit ein Krimi beginnt. Eine packende Geschichte, formal hervorragend und mit viel Feingefühl erzählt.“

Die Anerkennungspreisträger*innen 2021

Anerkennungspreise wurden heuer in der Kategorie Print an Lena von Holt („Die Überlebende“, erschienen in „Tagebuch – Zeitschrift für Auseinandersetzung“), Lukas Matzinger („Wenn das Kinderzimmer zum Käfig wird“, erschienen im „Falter“) und Naz Kücüktekin („Wir Kinder vom Gemeindebau“, erschienen in „das biber“) vergeben. In der Kategorie TV wurden Andrea Eder („Und bist du nicht willig…“, für die Sendereihe Dokfilm Kultur auf ORF2), Vanessa Böttcher („Zwischen den Fronten – Kinderrechte im Asylverfahren“, für ORF Thema) und Reiner Reitsamer und Marlene Kaufmann („Der ganz normale Rassismus“, auf ORF III im Brennpunkt) mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet. Die Anerkennungen im Bereich Online/Multimedia gingen an Philip Bauer („Danke, Lisa“, erschienen bei derstandard.at), Alena Wacenovsky („Abgeschoben – und jetzt“, für „die_chefredaktion“) und Clara Akinyosoye („Die späte Last einer Täterfamilie“, erschienen auf ORF.at). Johanna Hirzberger („Darf’s ein bisserl weniger sein? Systemerhalterinnen: Viel Arbeit, wenig Lohn“, für „Ö1 Hörbilder“) und Olivia Wimmer („Die Mülltonne als Snackbar“, für „Ö1 Moment – Leben heute“) wurden in der Kategorie Hörfunk mit einem Anerkennungspreis prämiert.

Rückfragen & Kontakt:

Lisa Rieger, MA
stv. Pressesprecherin Caritas Erzdiözese Wien
0664/8294411
lisa.rieger@caritas-wien.at

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