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Krebs-Initiative All.Can untersuchte Arbeit in Tumorboards* und entwickelt Tools für weitere Optimierung

Wien (OTS) -

  • Tumorboards leisten wesentlichen Beitrag für Krebsversorgung
  • Tool für systematische Selbstbewertung wird Effektivität steigern und Situation der Patient:innen weiter verbessern
  • Erstes Projekt der internationalen Initiative All.Can in Österreich

Effizienz ist einer der Schlüsselfaktoren für die wirkungsvolle Versorgung von Krebspatient:innen. Im Rahmen der internationalen Initiative All.Can setzen sich Stakeholder des Gesundheitssektors und darüber hinaus für genau diese Effizienz ein, um die Situation der Patient:innen weltweit konkret zu verbessern. Nun tritt All.Can auch in Österreich an die Öffentlichkeit und präsentierte als ersten Schritt eine Studie zur Wirksamkeit und Optimierung von Tumorboards. Diese wissenschaftliche Studie wurde von Expert:innen des Karl Landsteiner Instituts für Krankenhausorganisation erarbeitet und heute öffentlich vorgestellt. Das Hauptergebnis: Tumorboards sind wesentliche Faktoren in der Krebsversorgung, können aber durch systematische Selbstbewertung noch deutlich effektiver arbeiten. Dafür hat All.Can ein Selbstbewertungs-Tool entwickelt, das derzeit in einer Pilotphase erprobt wird.

* Unter Tumorboards werden wöchentliche fächerübergreifende Fallkonferenzen mit Vertreter:innen der Kerndisziplinen verstanden, in denen Patient:innen mit Tumorerkrankungen besprochen und Behandlungsempfehlungen entlang der gesamten klinischen Patient Journey abgegeben werden (von der Erstdiagnose bis zur Verlaufskontrolle). Im Fokus der Empfehlungen steht die Einbeziehung der Patient:innenperspektive. Die Abläufe und Optimierungsmöglichkeiten für diese Tumorboards waren Gegenstand der wissenschaftlichen Erhebung von All.Can, deren Ergebnisse nun präsentiert wurden.

Lebensrealität der Patient:innen im Zentrum der Tumorboards

Das erste öffentliche Auftreten von All.Can in Österreich fällt mit einer neuen Aufmerksamkeit für Krebsversorgung zusammen: Nachdem die COVID-Pandemie lange die Gesundheits-Berichte dominiert hat, kehrt die Situation von Krebspatient:innen wieder ins Rampenlicht zurück.

Prof. Dr. Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH Wien und Obfrau der Initiative ‚Leben mit Krebs‘, erklärt dazu: „Die Pandemie und Krebserkrankungen hängen sachlich zusammen, da das Vorliegen der einen Erkrankung sich zwangsläufig auf den Verlauf, die Prognose und den Therapieverlauf der anderen auswirkt – und umgekehrt. Es geht also um ein Vorgehen, bei dem immer das Wohl der Patient:innen im Mittelpunkt steht. Tumorboards kommt dabei eine ganz zentrale Funktion zu.“

Auf eine umfassende Beachtung der Patient:innenperspektive drängt auch Helga Thurnher, Obfrau der ‚Selbsthilfe Darmkrebs‘ sowie der ‚Allianz onkologischer PatientInnenorganisationen‘: „Eine tiefgehende Kenntnis der Lebensrealitäten der Patient:innen ist die Voraussetzung für das Erzielen tatsächlicher Verbesserungen. Die Bedürfnisse und der Beitrag der Patient:innen müssen systematisch beachtet und in die Behandlungsplanung einbezogen werden. Das gilt selbstverständlich auch für die Arbeit in den Tumorboards.“

Studie: Jährlich tausende Fallbesprechungen an der MedUni Wien und am AKH Wien

Autor der All.Can-Studie zum Thema Tumorboards ist Prof. Dr. Guido Offermanns (Universität Klagenfurt sowie Karl Landsteiner Institut für Krankenhausorganisation). Auf Basis eines wissenschaftlichen Konzepts wurde zunächst die bestehende Literatur zum Thema Tumorboards ausgewertet. Mit dieser Grundlage konnte dann die Studie in den Tumorboards an der MedUni Wien und am AKH Wien (im Comprehensive Cancer Center – CCC) durchgeführt werden. Es handelt sich dabei um die erste jemals in Österreich durchgeführte Untersuchung zu diesem wichtigen Thema.

Im CCC werden jährlich in ca. 900 Sitzungen 6.500 PatientInnen in 11.000 Gesamtvorstellungen besprochen. Mit 30 Mitgliedern der Tumorboards im CCC am AKH Wien wurden 60-minütige Interviews zu ihrer Arbeit und den Abläufen in den Boards geführt. Interviewpartner:innen waren Tumorboard-Assistent:innen, Tumorboard-Manager:innen und Tumorboard-Teilnehmer:innen aus unterschiedlichen Disziplinen (Radiologie, Pathologie, Organfach bzw. Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Klinische Psychologie und Pflege). Finanziert wurde die Studie durch Bristol Myers Squibb und Merck Sharp & Dohme.

Studienautor Prof. Dr. Guido Offermanns zu den Ergebnissen dieser qualitativen Befragungen: „Quer durch die ganze Vielfalt der Befragten wurde als gemeinsamer Nenner das hohe Verantwortungs-bewusstsein deutlich. Das Wohl der Patient:innen hat den obersten Stellenwert, wobei es je nach Situation um Themen wie Lebensqualität, Komplikationen oder Überlebensrate geht. Sichtbar wurde allerdings auch, wie herausfordernd im Alltag der Spagat zwischen dem Denkbaren und dem aufgrund der Ressourcen tatsächlich Machbaren sein kann.“

Dieser Befund wird untermauert durch Aussagen der Befragten, etwa:

„Man versucht jeden Fall von allen Seiten zu beleuchten, man schaut sich die Bilder an, ganz pragmatisch, ja das ist sinnvoll oder das nicht, und dann wird im Team empfohlen.“

„In 95 % der Fälle gibt es einen Konsens. Es gab schon Fälle, wo es unterschiedliche Meinungen gab, dann haben wir das so dokumentiert. Diese Alternativen werden dann mit dem Patienten besprochen und gemeinsam eine Entscheidung getroffen.“

„Bei der Tumorboard-Empfehlung wird der Patientenwunsch berücksichtigt und nach dem Board mit dem Patienten besprochen sowie Vor- und Nachteile der Therapien.“

„Wir sind ein Team und aus diesem Teamwork entsteht die bestmögliche Therapie und die effizienteste Therapie für den Patienten. Das sind ja maßgeschneiderte Therapien zum Teil. Aber das ist glaube ich das Wichtigste für ein Tumorboard. Das ist natürlich auch ein Kennzeichen für einen gewissen Level der Gesundheitskultur. Weil wenn natürlich gewisse Ressourcen gar nicht vorhanden sind, dann kann ich auch zum Beispiel nicht individuell entscheiden, weil ich gar nicht die Möglichkeiten habe.“

Anleitung für 5 Handlungsfelder

Die Studie leitet aus den Befragungen 5 konkrete Handlungsfelder für die Evaluierung und weitere Optimierung von Tumorboards und ihrer Arbeit ab:

  • Handlungsfeld 1: Strukturen und Organisation, also Themen wie Administration und Regeln des Boards, Zuständigkeiten
  • Handlungsfeld 2: Einbeziehung der Patient:innenperspektive, Informationen über die Vorstellung im Tumorboard, Fragen der Lebensqualität und Erfolgsmessung im Tumorboard
  • Handlungsfeld 3: Kommunikation und Kulturaspekte, hier geht es z.B. um Nutzung von Kommunikationstechniken wie Checklisten, Aufbau der Sitzung nach Komplexität des Falles, um Ressourcen sinnvoll zu nutzen bzw. zu schonen, sowie Zeitmanagement
  • Handlungsfeld 4: Rolle der Moderation/Anwesenheiten, wo etwa die Anwesenheit der Kerndisziplinen, die Struktur der Diskussionsbeiträge und das Teammanagement optimiert werden
  • Handlungsfeld 5: Schlüsselprozesse, also z.B. transparente Dokumentation, Qualität des Entscheidungsprozesses im Board oder Beachtung der Faktoren effektiver Teamarbeit

Instrument für die Selbstbewertung und weitere Verbesserung im Tumorboard

Damit Tumorboards ihre Arbeit auf allen 5 Handlungsfeldern prüfen und verbessern können, hat All.Can ein Selbstbewertungs-Tool entwickelt. Derzeit läuft eine Pilotierungsphase dieses Tools am AKH Wien an. Es bietet vier Schritte an, die im Sinne kontinuierlicher Verbesserung immer wieder durchlaufen werden können:

  • Der 1. Schritt setzt bei den anzustrebenden Strukturen und Prozessen an, d.h. es werden für jedes Handlungsfeld relevante Ziele und erste Maßnahmen definiert. Ebenso werden Synergien und Abhängigkeiten zwischen den Handlungsfeldern identifiziert.
  • Im 2. Schritt folgt die Planung von Maßnahmen, und es werden die ausgedeuteten Ziele in klar definierte Maßnahmen, Projekte, Prozesse und Aktivitäten übersetzt. Dazu gehört etwa die Planung der Maßnahmen und Projekte sowie der weiteren Vorgehensweise und die Zuordnung der personellen Verantwortlichkeiten.
  • Der 3. Schritt leitet in die operative Umsetzung über, indem die zuvor definierten Maßnahmen und Projekte gestartet, in den ausgewählten Tumorboards eingeführt und die Veränderungsprozesse tatsächlich in Gang gesetzt werden. Die Effektivität des Vorgehens und der Umsetzung werden laufend überprüft, wenn nötig werden Korrekturschritte gesetzt.
  • Mit dem 4. Schritt erfolgt eine Überprüfung der erzielten Ergebnisse, d. h. ob die angestrebten Ziele tatsächlich erreicht worden sind und welche Verbesserungspotenziale in den Boards noch umgesetzt werden können.

All.Can 2022 mit mehreren Projekten in Österreich aktiv

Cornelia Moser, Governmental Affairs & Policy Manager bei Bristol Myers Squibb und Vertreterin der Finanzierungspartner von All.Can Österreich, erklärt dazu: „Mit dieser Studie und dem Selbstbewertungs-Tool bietet All.Can den Tumorboards ein wissenschaftlich abgesichertes Instrument, um ihre wertvolle Arbeit systematisch weiterzuentwickeln – im Interesse der Patient:innen und ihrer Lebensqualität. Ich freue mich, dass All.Can in Österreich mit einem so praxisrelevanten und nutzenstiftenden Projekt erstmals vor den Vorhang tritt und damit den Startschuss für einen nachhaltigen Beitrag zu unserem Gesundheitssystem liefern kann.“

Weitere Projekte, an denen All.Can in Österreich bereits arbeitet, sind etwa eine Befragung unter Krebspatient:innen und die Durchführung eines Open Space zur Lage der Krebsversorgung in Österreich. Weitere Maßnahmen und öffentliche Auftritte im Jahr 2022 werden anhand der Ergebnisse dieser beiden Projekte bearbeitet.

Weitere Informationen unter www.all-can.at

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Robert Bauer, accelent communications
robert.bauer@accelent.at
0043 664 737 265 93

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