- 25.10.2021, 08:58:25
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Equal Pay Day 2021 - Was hindert uns daran, Arbeit endlich fair zu entlohnen?
Unabhängige GewerkschafterInnen fordern von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft einen neuen Blick auf die Bewertung von Arbeit
Utl.: Unabhängige GewerkschafterInnen fordern von den
Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft einen neuen Blick
auf die Bewertung von Arbeit =
Wien (OTS) - Kein Grund zur Freude
„Wenn man sich die Zahlen zum Equal Pay Day 2021 ansieht, könnte man
sich fast zu früh freuen“, meint Marion Polaschek, Vorsitzende der
Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB, „immerhin verkürzt sich die
Zeit, in der Frauen gratis erwerbsarbeiten im Vergleich zu den
Vorjahren. Allerdings ist die Freude getrübt – denn das geschieht nur
sehr langsam und jeder Tag unfairer Bewertung von Arbeit ist ohnehin
einer zu viel.“
Der Equal Pay Day wird anhand von durchschnittlichen
Jahres-Bruttobezügen der Arbeitnehmer*innen mit ganzjährigen Bezügen
und Vollzeitbeschäftigung berechnet [1]. Das heißt, die üblichen
Erklärmodelle, warum Frauenlöhne geringer ausfallen, wie Teilzeit
oder fallweise Beschäftigung, ziehen bei diesem Vergleich nicht. Es
ist offenbar allein schon die Tatsache, dass es sich um Frauenarbeit
handelt. Grund genug, einfach weniger dafür zu bekommen.
Frauenarbeit ist immer noch weniger wert
„Und wie jedes Jahr hören wir von Verantwortlichen vielerlei
Lösungsansätze: von mehr Mädchen und Frauen in Männerberufe zu holen
über die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen bis hin zum
Ausbau von Betreuungsangeboten – was ja alles im Einzelnen zu
begrüßen ist, allerdings das Grundproblem bestenfalls streift“, so
Marion Polaschek weiter, „das Grundproblem, dass Arbeiten wie Pflege,
Reinigung, soziale und pädagogische Berufe, Dienstleistungen und
Organisationstätigkeiten etc. weil frauendominiert einfach
grundsätzlich in der Hierarchie unten und damit als weniger wert
angesehen werden, wird dadurch nicht gelöst.“
Neue Lösungen sind gefragt
Die Ansätze zu gerechterer Bewertung von Arbeit über Branchengrenzen
hinweg gibt es aber bereits: So etwa der Comparable-Worth-Index
(CWI), der anhand von Anforderungen und Belastungen die Bewertung von
verschiedenen Berufen vergleichbar macht.
„Über die Anwendung einer solchen Maßzahl wird von uns Unabhängigen
GewerkschafterInnen nicht erst jetzt geredet – unsere KollegInnen in
den Pflege- und Sozialberufen fordern das schon seit längerem [2].
Und Corona hat uns deutlich gezeigt, wie überfällig die Neubewertung
von Arbeit auch in anderen betroffenen Berufsgruppen – den
sogenannten systemrelevanten, aber unterbezahlten –ist“, erklärt
Marion Polaschek und meint abschließend: „Gewerkschafter*innen müssen
endlich die hierarchischen Barrieren zwischen den Geschlechtern und
bestimmten Berufsgruppen offen ansprechen und offensiv aufbrechen.
Wer oder was hindert uns daran, zum Beispiel neue Argumente in die
Gehaltsverhandlungen einzubringen und endlich gerechtere
Kollektivlöhne unter dem Aspekt der Neubewertung von Arbeit zu
fordern?“
[1] https://bit.ly/3jzbRVs
[2] https://bit.ly/3vGQZjI
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