Equal Pay Day 2021 - Was hindert uns daran, Arbeit endlich fair zu entlohnen?

Unabhängige GewerkschafterInnen fordern von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft einen neuen Blick auf die Bewertung von Arbeit

Wien (OTS) -

Kein Grund zur Freude

„Wenn man sich die Zahlen zum Equal Pay Day 2021 ansieht, könnte man sich fast zu früh freuen“, meint Marion Polaschek, Vorsitzende der Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB, „immerhin verkürzt sich die Zeit, in der Frauen gratis erwerbsarbeiten im Vergleich zu den Vorjahren. Allerdings ist die Freude getrübt – denn das geschieht nur sehr langsam und jeder Tag unfairer Bewertung von Arbeit ist ohnehin einer zu viel.“
Der Equal Pay Day wird anhand von durchschnittlichen Jahres-Bruttobezügen der Arbeitnehmer*innen mit ganzjährigen Bezügen und Vollzeitbeschäftigung berechnet [1]. Das heißt, die üblichen Erklärmodelle, warum Frauenlöhne geringer ausfallen, wie Teilzeit oder fallweise Beschäftigung, ziehen bei diesem Vergleich nicht. Es ist offenbar allein schon die Tatsache, dass es sich um Frauenarbeit handelt. Grund genug, einfach weniger dafür zu bekommen.

Frauenarbeit ist immer noch weniger wert

„Und wie jedes Jahr hören wir von Verantwortlichen vielerlei Lösungsansätze: von mehr Mädchen und Frauen in Männerberufe zu holen über die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen bis hin zum Ausbau von Betreuungsangeboten – was ja alles im Einzelnen zu begrüßen ist, allerdings das Grundproblem bestenfalls streift“, so Marion Polaschek weiter, „das Grundproblem, dass Arbeiten wie Pflege, Reinigung, soziale und pädagogische Berufe, Dienstleistungen und Organisationstätigkeiten etc. weil frauendominiert einfach grundsätzlich in der Hierarchie unten und damit als weniger wert angesehen werden, wird dadurch nicht gelöst.“

Neue Lösungen sind gefragt

Die Ansätze zu gerechterer Bewertung von Arbeit über Branchengrenzen hinweg gibt es aber bereits: So etwa der Comparable-Worth-Index (CWI), der anhand von Anforderungen und Belastungen die Bewertung von verschiedenen Berufen vergleichbar macht.
„Über die Anwendung einer solchen Maßzahl wird von uns Unabhängigen GewerkschafterInnen nicht erst jetzt geredet – unsere KollegInnen in den Pflege- und Sozialberufen fordern das schon seit längerem [2]. Und Corona hat uns deutlich gezeigt, wie überfällig die Neubewertung von Arbeit auch in anderen betroffenen Berufsgruppen – den sogenannten systemrelevanten, aber unterbezahlten –ist“, erklärt Marion Polaschek und meint abschließend: „Gewerkschafter*innen müssen endlich die hierarchischen Barrieren zwischen den Geschlechtern und bestimmten Berufsgruppen offen ansprechen und offensiv aufbrechen. Wer oder was hindert uns daran, zum Beispiel neue Argumente in die Gehaltsverhandlungen einzubringen und endlich gerechtere Kollektivlöhne unter dem Aspekt der Neubewertung von Arbeit zu fordern?“

[1] https://bit.ly/3jzbRVs
[2] https://bit.ly/3vGQZjI

Rückfragen & Kontakt:

Marion Polaschek
Vorsitzende der Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB
marion.polaschek@ug-oegb.at

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