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Zahl der steirischen Lehranfänger und Lehrbetriebe nimmt wieder zu

Graz (OTS) - In gut zwei Wochen startet die Berufs-EM EuroSkills, wo sich Österreichs Jungfachkräfte-Elite mit den Besten der Besten Young Professionals Europas messen wird. Basis für viele rot-weiß-rote Erfolge ist die Lehre, die auch in Zeiten von Corona am Arbeitsmarkt höchst gefragt, aber als Qualifikation oft schwer zu finden ist – Stichwort Fachkräftemangel. Doch da zeigen die intensiven Bemühungen vieler Betriebe und nicht zuletzt die Initiativen der WKO Steiermark nun Früchte: Sowohl die Zahl der Lehranfänger (von 4.412 auf 4.671) als auch die Zahl der Lehrbetriebe (von 4.866 auf 4.904) konnte gegenüber dem Vorjahr – mit Stand jeweils 31. August – gesteigert werden. „Damit absolvieren aktuell insgesamt 14.197 Jugendliche in der Steiermark eine Lehrausbildung. Eine gute Nachricht und ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Fachkräftemangel“, betont WKO Steiermark Präsident Josef Herk, Initiator der EuroSkills in Graz.

Mit September beginnt nicht nur wieder der Ernst der Schule, sondern für viele Jugendliche auch die Lehrausbildung. Und da zeichnet sich heuer im Steirerland ein erfreulicher Trend ab: „Die Zahl der Lehrlinge steigt wieder. Exakt 4.671 Mädchen und Burschen haben mit Stichtag 31. August eine Lehre begonnen, das sind um 259 Jugendliche bzw. um 5,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor“, berichtet WKO Steiermark Präsident Josef Herk. Dadurch verzeichnet man - nach dem coronabedingten Einbruch des Vorjahrs – nun auch bei der Gesamtzahl der Lehrlinge wieder eine Stabilisierung bzw. sogar ein ganz leichtes Plus (Zunahme von 14.188 auf 14.197). „Besonders erfreulich ist zudem die Entwicklung der Ausbildungsbetriebe, deren Zahl ist in der Steiermark im Vergleichszeitraum nämlich von 4.866 auf 4.904 gestiegen“, so Herk. Dieses Plus könnte aber noch weitaus größer sein, würden die Betriebe ausreichend Bewerber finden. „Laut AMS sind mit Stand Ende August 2.015 offene Lehrstellen gemeldet, ihnen stehen 1.489 Lehrstellensuchende gegenüber. Das entspricht allein in der Steiermark einem Lehrstellenüberhang von 526 Ausbildungsplätzen, eine deutliche Zunahme gegenüber den Vorjahren“, erklärt Gottfried Krainer, Leiter der Lehrlingsstelle in der WKO Steiermark. Zum Vergleich: Im August 2020 gab es 330 Lehrstellen mehr als Bewerber, 2019 zum selben Zeitpunkt 177, wohingegen es vor zehn Jahren noch eine Lehrstellenlücke gab (-291). „Egal in welche Branche und in welcher Region ich zurzeit Unternehmerinnen und Unternehmer treffe, der Arbeits- und Fachkräftemangel ist quer durchs Land ein großes Thema“, betont Herk. Das bestätigt auch das aktuelle Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark, demnach sehen rund 82 Prozent der weiß-grünen Wirtschaftstreibenden die Suche und das Finden von ausreichend qualifiziertem Personal als eine ihrer unternehmerischen Hauptsorgen. „Hier droht ein echter Flaschenhals für jeden künftigen Aufschwung, darum ist die Ausbildung im eigenen Betrieb auch so wichtig“, mahnt Herk. Für die WKO habe dieses Thema absolute Priorität.

„Verlieren jedes Jahr eine Stadt wie Weiz am steirischen Arbeitsmarkt“

Ein Hauptgrund für diesen Mangel ist die demographische Entwicklung. „Durch sie drängen heute nur mehr halb so viele Jugendliche auf den Arbeitsmarkt, wie in den 70er Jahren“, weiß Krainer. Denn 1979 lag die Zahl der 15-Jährigen noch bei 22.413, aktuell zählt man in der Steiermark nur mehr 11.250 Jugendliche in diesem Altersjahrgang. „Wenn jetzt also die geburtenstarken Jahrgänge in Pension gehen, verlieren wir am Arbeitsmarkt das Potential einer Stadt wie Weiz – und zwar jedes Jahr und das allein in der Steiermark“, warnt Herk. Darum sei es auch von zentraler Bedeutung alle geschickten Hände und hellen Köpfe bestmöglich ihren Interessen und Talenten entsprechend auszubilden und in die Wirtschaft zu integrieren. „Wir dürfen hier keine Jugendlichen mehr als Bildungsabbrecher verlieren. Darum haben wir als WKO auch ein Talentcenter ins Leben gerufen. Ein Modell, dass nicht nur international prämiert wurde, sondern mittlerweile auch von uns in andere Regionen exportiert wird“, betont Herk. Fünf Punkte sind ihm darüber hinaus für die Zukunft der Lehrlingsausbildung unter den gegebenen demographischen Rahmenbedingungen wichtig:

  • Es braucht neue Zielgruppen für die Lehre und attraktive Rahmenbedingungen, speziell was das Modell Lehre für Erwachsene, aber auch für Maturanten betrifft.
  • Es braucht ein neues Bewusstsein für technische Berufe. Die positive Entwicklung der letzten Jahre müsse hier weiter beschleunigt werden, vor allem junge Mädchen sollten noch mehr für technische Karrierewege begeistert werden. „Mit Metalltechnik und Elektrotechnik befinden sich immerhin schon zwei solche Berufe unter den zehn häufigsten Lehrberufen von Mädchen, das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen“, berichtet Krainer.
  • Es braucht Berufsorientierung auch in Zeiten von Corona, diese darf nicht unter der Pandemie leiden. Viele Schnuppertage und Informationsveranstaltungen sind dieser im vergangenen Jahr leider zum Opfer gefallen.
  • Es braucht eine Rückkehr zur Leistungsmentalität im kommenden Schuljahr. Die Statistik für das Jahr 2020 zeigt, dass das Minus bei Lehranfängern besonders groß unter der Gruppe von Wechslern aus weiterführenden Schulen war. Diese machten – gemessen nach Vorbildung der Lehranfänger – 63,6 Prozent des Rückgangs aus.
  • Es braucht eine offene Debatte über die Notwendigkeiten des Arbeitsmarkts. „Diese dürfen nicht ständig mit Herausforderungen und Problemen der Integration in einen Topf geworfen werden“, spricht sich Herk für qualifizierte Zuwanderung aus.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Steiermark
Mag. Mario Lugger
Referatsleiter Kommunikation
(0316)601-652
mario.lugger@wkstmk.at

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