- 04.08.2021, 22:03:53
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Salzburg: Jesuit Mertes mit "Theologischem Preis" geehrt
"Salzburger Hochschulwochen" würdigen Einsatz von Mertes zur Aufklärung sexuellen und geistlichen Missbrauchs und seine theologische Reflexion der Ursachen - Laudator Sternberg: Kirche schuldet Mertes Dank - Verleihung stellte zugleich Auftakt zur Hochschulwoche dar
Utl.: "Salzburger Hochschulwochen" würdigen Einsatz von Mertes zur
Aufklärung sexuellen und geistlichen Missbrauchs und seine
theologische Reflexion der Ursachen - Laudator Sternberg:
Kirche schuldet Mertes Dank - Verleihung stellte zugleich
Auftakt zur Hochschulwoche dar =
Salzburg (KAP) - Der "Theologische Preis" der "Salzburger
Hochschulwochen" ist am Mittwochabend in Salzburg an den deutschen
Jesuiten P. Klaus Mertes verliehen worden. Der renommierte, mit 5.000
Euro dotierte Preis würdigt das theologische Lebenswerk des Jesuiten,
der dadurch bekannt wurde, dass er 2010 als damaliger Schulleiter des
Berliner Canisius-Kollegs einen Missbrauchsskandal öffentlich gemacht
hatte. Dies löste in Folge eine große Debatte über sexuellen
Missbrauch in der katholischen Kirche aus und führte zur Aufdeckung
weiterer Fälle auch in nicht-kirchlichen Einrichtungen.
Die Verleihung stellte zugleich den Auftakt zur diesjährigen
"Salzburger Hochschulwoche" statt, die bis 8. August unter dem Titel
"Was hält uns (noch) zusammen? Über Verbindlichkeit und
Fragmentierung" steht. Sie wurde via Live-Stream übertragen.
Verliehen wurde der Preis in der historischen Bibliotheksaula der
Universität Salzburg in Anwesenheit u.a. von Erzbischof Franz
Lackner, Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, dem Rektor der
Universität Salzburg, Hendrik Lehnert, dem Vorsitzenden der
Salzburger Äbtekonferenz, Abt Theodor Hausmann, dem Erzabt der Abtei
St. Peter, Korbinian Birnbacher, dem Münchener Erzbischof, Kardinal
Reinhard Marx, sowie dem Laudator, ZdK-Präsident Thomas Sternberg.
Bei seiner Begrüßung zitierte der Obmann der Hochschulwochen, Prof.
Martin Dürnberger, aus der Jury-Begründung: diese würdige mit dem
Preis nicht nur Mertes' Durchbrechen von Schweigespiralen beim Thema
Missbrauch, sondern auch "seine beharrliche Reflexion auf die
systemischen Ursachen und deren Bearbeitung" sowie "den klaren Ton,
den er dabei anschlägt". All dies trage "das ignatianische Profil
einer Unterscheidung der Geister, die in einem hochsensiblen Feld
eingespielt wird und die diskursive Standards in der Theologie und
darüber hinaus setzt", so die Begründung der Jury.
Sternberg: Kirche schuldet Mertes Dank
Thomas Sternberg würdigte Mertes in seiner Laudatio für dessen
unerlässlichen Beitrag zur Aufarbeitung des schon vor 2010 immer
wieder thematisierten, doch nie in seinem ganzen Ausmaß sichtbar
gewordenen kirchlichen Missbrauchsskandals. Mertes habe immer wieder
Mut bewiesen und dazu beigetragen, dass "Geheimhaltungen und fehlende
Strategien" überwunden wurden, so Sternberg. Im Hintergrund stehe bei
Mertes dabei nicht nur eine ignatianische Spiritualität und
praxissatte Frömmigkeit, sondern auch ein an der Befreiungstheologie
geschulter Blick für die Armen und Opfer.
"Transparenz statt Geheimhaltung, Opfer- statt
Institutionenorientierung, Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit
statt innerkirchlicher Abriegelung, Selbstkritik aller Beteiligten
statt selbstgerechter Übertragung auf eine Tätergruppe" - dies seien
die Aufgaben, die sich heute kirchlicherseits Dank des Einsatzes von
Mertes stellen würden. Mertes sei damit für viele Menschen zu einem
"Vorbild aus dem Geist des Evangeliums" geworden. Die katholische
Kirche in Deutschland und darüber hinaus habe daher letztlich "allen
Anlass, ihm für seinen Mut zu danken", so Sternberg.
Mertes: Dialog Opfer-Täter braucht unabhängige Instanz
In seinen Dankesworten unterstrich Mertes die Notwendigkeit, eine
sowohl von der Täter- als auch von der Opferseite unabhängige Instanz
zu schaffen. Nur so könne es irgendwann gelingen, "das Eckige der
Konfrontation mit dem Runden der Kooperation irgendwie in Verbindung
zu bringen" und zwischen beiden Seite eine tragfähige
Kommunikationsbasis zu schaffen. Für die Kirche bleibe die Aufgabe
gestellt, "auf sich selbst zu blicken, aber nicht narzisstisch
verklärend, sondern eben auf die hässliche Seite der Kirche".
Auf diesem Weg gebe es kirchlicherseits jedoch weiterhin zahlreiche
Stolpersteine, wies Mertes hin: etwa das Fehlen einer kirchlichen
Sprache, die Brücken zu den Opfern baut, statt Traumata auszulösen;
oder die fortbestehende Versuchung eines klerikalen Machtmissbrauchs,
durch den jegliche Bemühungen "kontaminiert und vergiftet" würden:
"Kinder und Jugendliche wurden von Inhabern der Aura geistlicher
Macht in Fallen geführt, ihr Gottesvertrauen wurde missbraucht, in
dem die Täter es auf ihre Person lenkten und dann nutzten. Dieses
perverse Spiel hört in der Phase der Aufarbeitung nun nicht einfach
auf."
Klaus Mertes wurde am 18. August 1954 in Bonn geboren. Er studierte
Slawistik und Klassische Philologie. Mit 23 Jahren trat er in Münster
in den Jesuitenorden ein und schloss Studien der Theologie und
Philosophie an. 1986 wurde er zum Priester geweiht. Von 2000 bis 2011
war er Rektor des Berliner Canisius-Kollegs. Von 2011 bis 2020 war
Mertes Direktor des Kolleg St. Blasien im Schwarzwald. Seither
befindet er sich in einer Sabbatzeit. Im Anschluss will er in die
Seelsorge gehen.
Langfassung der Meldung unter www.kathpress.at.
Honorarfreie Pressefotos der Verleihung des "Theologischen Preises"
an P. Klaus Mertes können unter www.kathpress.at/fotos abgerufen
werden.
((ende)) HKL/leer
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