• 01.08.2021, 11:15:59
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Radsport-Olympiasiegerin Anna Kiesenhofer auf Ö3 über ihre Beziehung, neue Berater & den Preis des Erfolgs: „Ich hatte keine Freunde.“

Wien (OTS) - Der Hype um ihre Person ist groß – durch ihren
überraschenden Sieg beim 137km-Straßenrennen in Tokio wurde Anna
Kiesenhofer über Nacht zum Weltstar. „Ich bin erschöpft“, sagt die
Weinviertlerin heute in Ö3-„Frühstück bei mir“, die sich seit ihrer
Rückkehr nach Österreich am Dienstagabend vor allem bei ihrer Familie
in Niederkreuzstetten zurückgezogen hat. Und weiter: „Ich werde
bombardiert von Medienanfragen, ich schaffe es nicht einmal, dass ich
alle Anfragen lese, geschweige denn beantworte.“

Im Gespräch mit Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl zeigte sich die die
30-jährige Radrennfahrerin, die an der Technischen Hochschule in
Lausanne als Mathematikerin forscht und unterrichtet, auch sehr
persönlich und erzählte, wer sie privat zu Spitzenleistungen
motiviert: Es ist ihr Freund Olivier, 28, von Beruf Consultant: „Für
ihn ist Radsport auch sehr wichtig, wir trainieren auch oft
zusammen.“, erzählt Kiesenhofer. „Wir haben einander in einem kleinen
Rad-Klub kennengelernt, als ich vor dreieinhalb Jahren nach Lausanne
kam und er war der Erste, mit dem ich kleine Ausfahrten gemacht habe.
Er motiviert mich und ist ein Vorbild in Selbstüberwindung und
Schmerztoleranz. Ich bin seine Trainerin, ich schreibe seine
Trainingspläne. Er trainiert sehr hart und das motiviert mich auch,
wenn ich weiß, was er alles schafft – dann schaffe ich es auch.“,
erzählt die Spitzensportlerin, die mit ihrem Freund – er ist
Schweizer und stammt aus Fribourg – französisch spricht. „Wir haben
eine kleine Wohnung in Lausanne mit einem Keller, der genauso groß
ist wie die Wohnung, und der voller Räder ist.“, lacht die
Olympiasiegerin.

Auf Ö3 bilanziert Kiesenhofer auch über den Preis ihres Erfolges:
„Ich war immer eine Streberin. Aber ich würde nicht sagen, dass es
gut ist, irrsinnig ehrgeizig zu sein. Ich habe auch die negativen
Seiten gesehen, dass ich jahrelang keine Freunde hatte. Ich habe so
viel Zeit für Studium und Sport aufgewendet, dass ich alle sozialen
Kontakte verlor. Aber ich bin der Typ, der große Opfer in Kauf nimmt,
um dann den großen Erfolg zu haben.“ ‚Gold-Anna‘ nennt aber auch die
positiven Seiten, besonders jetzt nach Olympia: „Die Medaille hat
mein Selbstvertrauen extrem gesteigert. Ich bin zwar immer meinen Weg
gegangen, war aber sehr unsicher dabei.“ Außerdem könnte die
bekennende Einzelkämpferin sich jetzt sogar vorstellen, Berater an
ihre Seite zu holen: „Ich wurde von Leuten kontaktiert, die mich
wirklich interessieren. Leute, bei denen ich früher nie das
Selbstbewusstsein gehabt hätte, um Rat zu fragen – zum Beispiel hat
sich ein Universitätsprofessor, der im Bereich Physiologie arbeitet,
gemeldet. Hier wird es sicher zu einem interessanten Austausch
kommen.“ Am Ö3-Frühstückstisch erinnerte sich Kiesenhofer übrigens
auch an ihr Frühstück vor dem Gold-Rennen vergangenen Sonntag:
„Kaffee und Reis, 150g im Trockengewicht – das ist gekocht sehr viel
Reis, den esse ich aus der Plastikbox.“

Kiesenhofer hat vor jetzt noch einige Zeit in Österreich zu bleiben,
am Freitag wurde sie von Sportminister Kogler zum privaten Austausch
geladen. Dem Radsport bleibt sie die nächsten Jahre noch treu: „Ich
werde weiter Radrennen machen und wenn ich damit aufhöre, dann
kommen vielleicht Ultraläufe. Ich brauche den Sport.“

Fotos vom Ö3-„Frühstück bei mir“ (© Hitradio Ö3/Harald Kratzer):
https://cloud.orf.at/index.php/s/i8rW7ZaHcipTJT7

Das ganze Ö3-Interview gibt es online: https://oe3.orf.at/

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