• 23.07.2021, 21:35:01
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  • OTS0105

Oö. Volksblatt: "Nullzinsjunkies" (von Manfred MAURER)

Ausgabe vom 24. Juli 2021

Utl.: Ausgabe vom 24. Juli 2021 =

Linz (OTS) - Die segensreiche Wirkung von Schmerzmitteln ist
untrennbar verbunden mit dem Fluch ihres Suchtpotenzials. Europa (und
die USA) kennen das Problem. In der Finanzkrise 2008 verordneten EZB
und FED den Niedrigzins (kombiniert mit exzessiven Anleihekäufen) zur
Schmerzlinderung. Die Krise wurde überwunden — und abgelöst von einer
Suchtkrise. Während gut haushaltende Staaten wie Österreich eine
allmähliche Leitzinssteigerung vertragen hätten, musste die EZB
unseriös wirtschaftende Länder wie Griechenland und Italien mit
Nullzins und Anleihekäufen (= Gelddrucken) über Wasser halten.
Und dann kam die Pandemie, die wegen überall steigender Schulden zur
weiteren Einnahme des fatalen Schmerzmittels führte. Die EZB hat uns
gerade mitgeteilt, dass sich daran so bald nichts ändern wird. Die
Nullzinspolitik hat jedoch auch eine positive Nebenwirkung: jetzt
kommt die lehrbuchmäßig schon länger zu erwartende Inflation, welche
die Schuldenberge (leider auch die Ersparnisse der Bürger) schmelzen
lässt. Das ermöglicht den Regierungen einen schleichenden
Schuldenabbau ohne schmerzhafte Einschnitte. Und weil Geld im
EZB-Garten auf den Bäumen wächst, werden sie weiter aufs bequeme
Schuldenmachen setzen.
Bleibt zu hoffen, dass diese Sucht nicht mit einem Goldenen Schuss
endet.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NVB

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