- 01.07.2021, 09:13:51
- /
- OTS0049
ÖAMTC: 60 Jahre Verkehrsunfallstatistik – seither über 85.000 Verkehrstote (+Grafik, +Foto)
Höchstzahlen in 70er Jahren, seither positive Entwicklung trotz Zunahme Kfz-Bestand, weitere Maßnahmen zur Reduktion der Zahl an Verunglückten notwendig
Utl.: Höchstzahlen in 70er Jahren, seither positive Entwicklung
trotz Zunahme Kfz-Bestand, weitere Maßnahmen zur Reduktion der
Zahl an Verunglückten notwendig =
Wien (OTS) - Seit dem Jahr 1961 werden in Österreich Verkehrsunfälle
und dabei Verletzte sowie getötete Personen in der
Verkehrsunfallstatistik systematisch und einheitlich erfasst. Seither
kamen bei 2,6 Millionen Verkehrsunfällen 3,5 Millionen Menschen zu
Schaden – 85.426 davon verunglückten tödlich. 2021 sind bisher 141
Personen bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen (Stand: 27.
Juni.; Quelle: BMI). "Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein
Rückgang um zwei Prozent. Damit setzt sich die positive Entwicklung
fort. Zu beachten ist allerdings, dass im Vorjahr aufgrund der
Corona-Einschränkungen historische Tiefstände bei Verletzten und
Getöteten verzeichnet wurden", erklärt ÖAMTC-Verkehrstechniker David
Nosé.
Die schwärzesten Jahre der Verkehrssicherheit gab es in den 70er
Jahren: Von einem negativen Spitzenwert von 2.948 Getöteten im Jahr
1972 konnte die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr seither auf 344
im Jahr 2020 gesenkt werden – das ist ein Minus von 88 Prozent
(Quelle: Statistik Austria). Und das trotz Verfünffachung des
Kfz-Bestands von 1,4 Millionen Kfz im Jahr 1961 auf 7,1 Millionen
Ende 2020.
"Ein Wermutstropfen ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl
der Unfälle und Verletzten nicht im gleichen Maß gesunken ist",
stellt Nosé fest. 30.670 Unfälle im Jahr 2020 entsprechen einem Minus
von 42 Prozent, 37.730 Verletzte einem Minus von 48 Prozent seit
1972. "Zukünftige Verkehrssicherheitsarbeit darf daher nicht nur auf
die Reduzierung der Zahl der Verkehrstoten abzielen, sondern muss
sich auch darauf konzentrieren, die Zahl an Schwer- und
Schwerstverletzten deutlich zu senken", betont der Experte des
Mobilitätsclubs. Einzelne Inhalte der neuen
Verkehrssicherheitsstrategie des Bundesministeriums für Klimaschutz,
Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) zielen
auf diesen Umstand ab.
Vielzahl an Maßnahmen für positive Entwicklung verantwortlich
Die deutliche Verbesserung der Verkehrssicherheit in den vergangenen
Jahrzehnten gelang vor allem durch die stetige Weiterentwicklung der
passiven Sicherheit von Pkw, durch die moderne Notfallmedizin und
Verbesserungen bei der Infrastruktur (z. B. Markierungen,
Absicherungen). "Darüber hinaus haben auch Maßnahmen wie
vorgeschriebene Kindersicherung, Gurtanlegepflicht,
Blutalkoholgrenzwert, die Führerschein-Mehrphasenausbildung und
diverse Kontrollmaßnahmen einen wesentlichen Beitrag geleistet",
listet der ÖAMTC-Experte einige Eckpunkte auf.
Großes Potenzial für weitere Verbesserungen bieten autonomes Fahren,
Car2X-Kommunikation und elektronische Fahrassistenzsysteme, wie
Fahrdynamikregelung, Notbremssystem, Abstandsregelung,
Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner. "Um die Zahl der Getöteten und
der Schwerverletzten weiter zu reduzieren, muss der Fokus verstärkt
auf ungeschützte Verkehrsteilnehmer gelegt werden. Neben der
Verbesserung der Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrende
muss das Augenmerk besonders auf E-Bike- und E-Tretrollerfahrenden
liegen", betont Nosé.
Meilensteine der Fahrzeugsicherheit
Fahrzeugseitig wurde in den vergangenen Jahrzehnten viel verbessert:
Scheibenbremsen, Knautschzone, Drei-Punkt-Gurt, Airbags, ABS, ESP und
restriktivere Vorgaben bei Crashtests. Die passive Sicherheit der
Fahrzeuge hat sich dadurch enorm weiterentwickelt. So wurden z. B.
Gurtsysteme durch Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer deutlich
sicherer, Knautschzonen und Fahrzeugvorbau optimiert und dadurch die
Gefahr, dass Motor und Getriebe in den Fahrgastraum eindringen,
reduziert. "In den vergangenen Jahren wurde der Fokus verstärkt auf
ungeschützte Verkehrsteilnehmer gelegt, beispielsweise auf den
Fußgängerschutz von Fahrzeugfronten", erklärt der Techniker des
Mobilitätsclubs.
Meilensteine der Verkehrssicherheitsarbeit
1973 – Tempo 100 km/h auf Bundesstraßen
1974 – Tempo 130 km/h auf Autobahnen
1983 – Beginn ÖAMTC-Notarzthubschraubereinsatz
1984 – Gurtanlegepflicht (mit Strafandrohung)
1985 – Helmpflicht für Motorradfahrende / Mopedfahrende
1988 – Beginn Alkomateinsatz
1990 – Beginn Lasereinsatz zur Geschwindigkeitsmessung
1990 – Pkw-Führerschein auf Probe
1994 – Kindersitzpflicht
1998 – Blutalkoholgrenzwert 0,5 Promille
2002 – Einführung der Führerschein-Mehrphasenausbildung
2004 – Einführung des Vormerksystems
2008 – strengere Sanktionen bei Alkohol und Geschwindigkeit
2012 – Start der digitalen Unfallaufnahme (UDM)
Neue Verkehrssicherheitsstrategie 2030 mit guten Ansätzen
Die am Montag präsentierte Verkehrssicherheitsstrategie des BMK für
die anstehende Dekade stellt einen Paradigmenwechsel dar. In den
Fokus rückt der Safe System-Ansatz, laut dem Unfälle aufgrund
menschlicher Fehler unvermeidbar sind. Daher steht zukünftig die
Verletzungsprävention im Vordergrund. "Dazu muss vor allem die
Infrastruktur fehlerverzeihend werden, z. B. durch Absicherung von
ortsfesten Objekten im Straßenseitenraum, Kreisverkehren anstelle
komplexer Kreuzungen und auch mehr Investitionen in die
Straßenerhaltung", betont Nosé.
Der ÖAMTC begrüßt zudem das Bekenntnis einer besseren Datenqualität
bei der Unfallaufnahme, die angedachte Verknüpfung von Unfall-,
Verkehrs- und Straßendaten sowie den erleichterten Zugang zu
Gerichtsakten, um eine hochwertigere Unfalltiefenforschung
durchführen zu können. Wichtig sei laut ÖAMTC der Zugang für alle
Stakeholder und die Wissenschaft. Kritisch sieht der Mobilitätsclub
den Umstand, dass in der neuen Strategie ökologische Aspekte Eingang
gefunden haben. "Eine Verkehrssicherheitsstrategie sollte immer den
Fokus auf die Verkehrssicherheit legen und nicht mit politischen
Wunschvorstellungen vermischt werden", so Nosé.
Entwicklung Verkehrssicherheit und Kfz-Bestand der letzten 60
Jahre
Jahr UPS* Verletzte Getötete KFZ-Bestand
1961 42.653 56.491 1.640 1.426.043
1971 52.763 72.082 2.782 2.336.520
1972 52.696 72.020 2.948 2.486.529
1981 46.690 62.315 1.898 3.494.065
1991 46.013 60.189 1.551 4.341.042
2001 43.073 56.265 958 5.684.244
2011 35.129 45.025 523 6.195.207
2020 30.670 37.730 344 7.098.814
2021** - - 141 -
60 Jahre 2.600.574 3.410.892 85.426
* UPS = Unfälle mit Personenschaden
** Halbjahres-Statistik: vorläufige Zahlen von 01.01.2021-27.06.2021
Quelle: Statistik Austria; Bearbeitung: ÖAMTC Unfallforschung
Aviso an die Redaktionen:
Bildmaterial und eine Grafik zu dieser Aussendung sind online unter
www.oeamtc.at/presse abrufbar.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OCP






