• 28.06.2021, 15:54:37
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  • OTS0166

Aktuelle Studie „Frauen – Politik – Medien 2020“ untersucht Präsenz von Frauen in Wirtschaft, Politik und Medien

Gemeinsames Projekt von Arbeiterkammer (AK), Industriellenvereinigung (IV), RHI Magnesita und Acredia – Corona-Jahr brachte weniger mediale Sichtbarkeit von Frauen

Utl.: Gemeinsames Projekt von Arbeiterkammer (AK),
Industriellenvereinigung (IV), RHI Magnesita und Acredia –
Corona-Jahr brachte weniger mediale Sichtbarkeit von Frauen =

Wien (OTS) - Die Corona-Pandemie stellt Gesellschaft, Wirtschaft,
Politik und Gesundheitssystem auf den Prüfstand. Wie Frauen in dieser
historischen Phase mitgestalten können und wie sichtbar sie im
öffentlichen Diskurs sind, ist Gegenstand der aktuellen Studie
„Frauen – Politik – Medien“ von MediaAffairs in Kooperation mit
Acredia, Arbeiterkammer (AK), Industriellenvereinigung (IV) und RHI
Magnesita. Erstmals liefert die Medienstudie eine fundierte Basis
dafür, wie sich eine Krise von solch enormer Intensität auf die
Sichtbarkeit und die öffentliche Wahrnehmung von Frauen auswirkt.
Seit mittlerweile acht Jahren untersucht die Agentur MediaAffairs
regelmäßig die mediale Sichtbarkeit und Präsenz von Frauen sowie den
Stellenwert der Frauen(-politik) in der aktuellen politischen
Debatte.

Studienautorin Maria Pernegger: Frauenpolitik als
Krisenverliererin

„Entgegen vieler positiver Entwicklungen der letzten Jahre
verschwinden Frauen aktuell zunehmend aus der ersten Reihe. Diese
Entwicklung steht im krassen Widerspruch zu unzähligen
internationalen Studien, die belegen, dass diverse Teams und Frauen
in Führung Organisationen deutlich innovativer, erfolgreicher und
resilienter machen“, so Studienautorin Maria Pernegger. Im
monothematischen Umfeld der Krise gehöre die mediale Bühne zu 77
Prozent den Männern. Frauen seien als Expertinnen, Medizinerinnen,
Unternehmerinnen oder Vertreterinnen von Organisationen mit einem
Anteil von 23 Prozent nur unterdurchschnittlich sichtbar. „Vergleiche
mit dem Jahr 2018 zeigen deutliche Rückgänge bei der medialen
Sichtbarkeit von Managerinnen und Unternehmerinnen, insbesondere in
prestigeträchtigen und finanzstarken Branchen – etwa in den Bereichen
Telekommunikation, in der Finanzbranche, in der Bau- und
Immobilienbranche, im Sport oder auch in der produzierenden
Industrie. Zugewinne zeichnen sich für Frauen vor allem im
Sozialbereich, Touristik und im Dienstleistungsbereich ab“, so
Pernegger. Auch die Schlüsselrolle der Frauen als Systemerhalterinnen
werde so nicht widergespiegelt – obwohl sich der Frauenanteil in
systemerhaltenden Berufen auf beinahe zwei Drittel beläuft, beträgt
der Anteil in den analysierten Medien nur 40 Prozent. In der
Frauenpolitik zeige sich durch den gestiegenen Anteil von Frauen in
der Spitzenpolitik eine erhöhte Sichtbarkeit, speziell
frauenpolitische Inhalte fallen aber weit zurück. „Die Frauenpolitik
ist eine Krisenverliererin“, resümiert Pernegger.
Die Studie zeige zudem, dass Frauen – wenn sie in
Entscheidungspositionen präsent sind – andere Akzente setzen als
Männer. Frauen würden fast doppelt so stark auf
Digitalisierungsprozesse fokussieren, die Erschließung neuer Märkte
forcieren und eher in die Gesundheitsförderung investieren. Pernegger
sieht in der Krise ein Momentum für

Chancengerechtigkeit, das aber aktuell kaum genutzt wird. „Ähnlich
wie die Digitalisierung, die einen enormen Aufwind erfahren hat, weil
sie spürbare Wettbewerbsvorteile bringt, wird auch Diversität künftig
verstärkt über Sein und Nicht-Sein von Organisationen entscheiden“,
ist die Studienautorin überzeugt. So könnte der Fachkräftemangel –
etwa in der IT oder im naturwissenschaftlichen Bereich – durch den
weiblichen Talentepool entschärft werden.

AK-Präsidentin Renate Anderl fordert Schließen der
Einkommensschere bis 2030

„Es ist beschämend“, sagt Renate Anderl, Präsidentin der
Arbeiterkammer Wien. „Frauen mussten im Corona-Jahr einiges schultern
in den systemrelevanten Berufen, durch die verschärfte
Doppelbelastung im Homeoffice, die stärkere Bedrohung durch
Arbeitslosigkeit. Trotzdem ist der Stellenwert der Frauenpolitik in
Politik und Medien zurückgegangen. Ich erwarte mir endlich Taten
statt Lippenbekenntnisse und Ablenkungsmanöver. Jede Frau hat ein
eigenständiges Leben verdient, finanziell unabhängig von einem
Partner. Gleichberechtigung beginnt beim Geld. Ich fordere, dass die
Einkommensschere 2030 Geschichte ist. Sogenannte Frauenberufe – viele
davon systemrelevant – gehören ordentlich bezahlt. Volle
Lohntransparenz im Betrieb hilft gegen Lohndiskriminierung. Familie
und Beruf muss für alle vereinbar sein. Ich erwarte mir eine
Investitionsinitiative beim Ausbau der Kinderbetreuung über 1 Prozent
der Wirtschaftsleistung. Die Arbeitszeit gehört auf eine gesunde
Vollzeit verkürzt. Die Wirtschaft braucht all die gut ausgebildeten
Frauen als Fachkräfte. Wir können es uns nicht länger leisten, ihr
Potenzial liegen zu lassen.“

IV-Vizepräsidentin Sabine Herlitschka: Sichtbarkeit von Frauen
erhöhen, digitale Chancen nutzen, Wettbewerbsfähigkeit stärken

„Medien haben eine zentrale Rolle, wenn es um die Darstellung der
Gleichberechtigung von Frauen und Männern geht. Medienanalysen der
vergangenen Jahre bestätigen, dass es einen großen Aufholbedarf bei
der Sichtbarkeit von Frauen gibt – das gilt vor allem für das
Krisenjahr 2020“, betont Sabine Herlitschka, Vizepräsidentin der
Industriellenvereinigung (IV). Aus Sicht der Industrie sei es
besonders wichtig, mehr Frauen für technische und
naturwissenschaftliche (MINT-)Berufe zu begeistern. Gerade der
Bereich Digitalisierung biete enorme berufliche Chancen. „Wir sehen
auch in der Studie, dass Frauen in Führungspositionen einen fast
doppelt so hohen Fokus auf Digitalisierungsschritte in Unternehmen
setzen, als Männer. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Aber noch immer gibt es zu wenige Frauen in Branchen wie
Informationstechnologie, Industrie 4.0/Automatisierung oder Smart
Engineering. Gerade dort bieten sich sehr attraktive Chancen auch für
Frauen. Gleichzeitig ist Diversität in Belegschaft und
Führungspositionen ein höchst positiver Verstärker für Innovation –
und damit für Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Österreich
insgesamt“, so Herlitschka.

Gudrun Meierschitz (Vorständin Acredia): Unternehmerinnen und
KMU medial unterrepräsentiert

„Wie mutig Unternehmerinnen und Unternehmer mit den aktuellen
Herausforderungen umgehen, ist auch dem öffentlichen Stimmungsbild
geschuldet. Dieses ist mehrheitlich immer noch von den ‚großen
Unternehmen‘ und ihren zumeist männlichen Repräsentanten geprägt. Sie
stehen im Fokus der Wirtschaftsberichterstattung. KMU – die dominante
Unternehmensform in Österreich – und Unternehmerinnen sind hingegen
stark unterdurchschnittlich vertreten“, so Gudrun Meierschitz,
Vorständin Acredia, Österreichs größter Kreditversicherung. Frauen
würden zwar mit 60 Prozent die Mehrheit in den sogenannten
„systemrelevanten Berufen“ stellen, „tatsächlich sind sie medial aber
nicht sichtbar. Ähnlich verhält es sich mit der Medienpräsenz von
Managerinnen und Unternehmerinnen. Diese Verzerrung zwischen
öffentlichem und veröffentlichtem Bild geht auch zu Lasten möglicher
entscheidender Weichenstellungen für die Chancengleichheit der
Zukunft.“

Simone Oremovic (RHI Magnesita): Mehr Schlüsselpositionen mit
Frauen besetzen

„Wir haben während der Krise bewusst mehr Führungspositionen mit
Frauen besetzt, weil wir wissen, dass Unternehmen mit einem diversen
Führungsteam deutlich besser performen und die Innovationskraft
steigt“, betont Simone Oremovic, Executive Vice President RHI
Magnesita. „Um agil und innovativ zu sein, brauchen wir ein breites
Spektrum an Talenten und Perspektiven. Das bedeutet in unserer nach
wie vor männlich dominierten Branche, Schlüsselpositionen mit Frauen
zu besetzen“, so Oremovic abschließend.

Die gesamte Studie finden Sie unter:
http://frauenstudie2020.mediaaffairs.at/

Ein Gruppenfoto zum honorarfreien Download finden Sie hier
(Bildrechte: Karo Pernegger): https://bit.ly/3h8KAXQ

Weitere Fotos zum honorarfreien Download finden Sie hier (Bildrechte:
Karo Pernegger): https://docs.iv.at/s/N78ZePoetH93Nyr

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