Sozialpartnerinnen gemeinsam für bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Sozialpartnerinnen - AK, ÖGB, LK und WKÖ gemeinsam mit der IV - fordern konkrete Maßnahmen für Kinderbetreuung und Kinderbildung

Wien (OTS) - Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat sich in den vergangenen Jahren zu einem gesellschaftlichen Schlüsselthema entwickelt. Dennoch ist das Ziel einer familienfreundlichen Berufswelt noch nicht erreicht. Dabei geht es bei Kinderbetreuung und Kinderbildung nicht um die Lösung eines einzelnen Problems, vielmehr sind mehrere wesentliche Bereiche betroffen und miteinander verknüpft: Arbeitsmarktpolitik, Bildungspolitik und Kinderbetreuungsmaßnahmen.

Frühkindliche Betreuung und Bildung erfüllt zwei wesentliche Funktionen: Sie unterstützt die elterliche Teilnahme am Arbeitsmarkt und fördert die Kindesentwicklung. Gleichzeitig erreicht sie mehrere Ziele: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Fachkräfte am Arbeitsmarkt und faire Chancen für jedes Kind.

Die Sozialpartnerinnen und IV haben sich in einem gemeinsamen Papier auf konkrete Maßnahmen verständigt.

WKÖ-Schultz: Ausbau flächendeckender, flexibler Kinderbetreuung vorantreiben - Rechtsanspruch auf Kinderbetreuungsplatz notwendig

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist die Voraussetzung dafür, dass sich Frauen und Männer für Kinder entscheiden und qualifiziert erwerbstätig sind. Überwiegend ist es leider immer noch so, dass es zumeist Frauen sind, die den schwierigen Spagat zwischen Job und Familie meistern müssen. Es braucht dringend einen raschen, flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung in Österreich, ganztägig und qualitätsvoll. Damit verbunden einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz - ab dem 1. Geburtstag bis zum 14. Lebensjahr, flächendeckend und leistbar,“ betont Martha Schultz, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft (FiW).

„Ebenso müssen die Betreuungszeiten an die Arbeitsrealitäten angepasst werden und den Erfordernissen der modernen Arbeitswelt entsprechen. Dazu müssen die täglichen und jährlichen Öffnungszeiten so gestaltet sein, dass sie eine Vollzeitarbeit für beide Eltern ermöglichen. Da braucht es noch große Schritte nach vorne,“ konkretisiert Schultz.

ÖGB-Schumann: Brauchen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz und bundeseinheitliches Rahmengesetz

„Der Rechtsanspruch auf einen leistbaren Kinderbildungsplatz ab dem 1. Geburtstag gibt ArbeitnehmerInnen Sicherheit und Sorgenfreiheit, weil sie so ihre Kinder bestens versorgt wissen. Derzeit haben leider Eltern von Kleinkindern noch immer berufliche Nachteile. Deren Betreuung darf nicht nur ein individuell zu lösendes Problem sein“, so Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende.

„Um dies alles gut umsetzen zu können, braucht es ein Bundesrahmengesetz mit dem bundeseinheitlich hohe Mindeststandards gesetzt werden. Uneinheitliche Regelungen gehen letztendlich auf Kosten der Kinder, ihrer Eltern und vor allem auch der Beschäftigten in der Elementarpädagogik. Das kann niemand wollen“, so Schumann weiter.

IV-Herlitschka: Fokus auf Ausbau von Betreuungsplätzen, Ausbildungsoffensive PädagogInnen und Zukunftsthema MINT

Laut IV-Vizepräsidentin Sabine Herlitschka ist eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen von größter Bedeutung. „Gerade Kinderbetreuungs-Einrichtungen sind die ersten ganz wichtigen Bildungs-Einrichtungen. In der frühkindlichen Bildung nehmen Pädagoginnen und Pädagogen eine Schlüsselrolle ein. Fundierte, zeitgemäße pädagogische Ausbildung und der weitere Ausbau von Betreuungsplätze sind heute von zentraler Bedeutung. Daher muss die gestartete Ausbildungsoffensive tatkräftig und mit konkreten Zielwerten vorangetrieben werden, sowohl mit fixen wie auch mobilen Betreuungsangeboten“, betont Herlitschka. Einen wichtigen Ansatzpunkt in der Ausbildung sieht sie beim Zukunftsthema MINT: „Jedes Kind ist geborene „NaturwissenschafterIn“, gerade diese Neugierde im frühen Kindesalter müssen wir durch spielerische Beschäftigung mit Technik und Naturwissenschaften fördern. Gleichzeitig müssen wir auch den Pädagoginnen und Pädagogen diese MINT- Kompetenzen stärker vermitteln“, so die IV-Vizepräsidentin.

AK-Anderl: Mehr Geld für zeitgemäße Ausbildung und Ausstattung – ‚digital skills‘ frühzeitig implementieren

AK-Präsidentin Renate Anderl: „Die kleinen Menschen im Kindergarten haben jetzt und in der Zukunft große Herausforderungen zu bewältigen. Eine davon ist: Wie mit der Digitalisierung umgehen? Es darf nicht dem Zufall überlassen bleiben, ob Kinder die nötigen ,digital skills‘ erlernen, um z.B. in der Schule mithalten zu können und sich andererseits von der Datenflut abgrenzen zu können.

Nicht zuletzt deswegen brauchen die Kolleginnen und Kollegen in den Kindergärten mehr Zeit für jedes einzelne Kind, also mehr Personal sowie eine zeitgemäße Ausbildung und eine zeitgemäße Ausstattung in den Einrichtungen. Das heißt es braucht viel mehr Geld als bisher: ein Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung muss in die Elementarpädagogik fließen.“

LK-Pein: Ländlichen Raum durch bessere Kinderbetreuung stärken – Gemeinsame Finanzierung notwendig

„Ziel unserer Forderungen ist es auch, den ländlichen Raum zu stärken. Frauen und junge Familien sollen hier ihren Lebensmittelpunkt finden und nicht gezwungen sein abzuwandern. Neben attraktiven Arbeitsplätzen, insbesondere für gut gebildete Frauen, sind Betreuungsangebote, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich machen, ein wichtiger Faktor. Und das umfasst auch nichtinstitutionelle Angebote, etwa mehr Betreuungsangebote durch Tageseltern als wichtige Ergänzung. Daher ist der weitere Ausbau bedarfsorientierter, flächendeckender, flexibler sowie leistbarer Kinderbetreuung und hochwertiger Elementarbildung so wichtig.

Ein so ambitioniertes Programm umzusetzen, ist natürlich eine Herausforderung. Es braucht entsprechende finanzielle Mittel und eine Anstrengung des Bundes, gemeinsam mit den Ländern und Gemeinden. Dabei möchte ich festhalten, wie wichtig es ist die Länder und Gemeinden zu unterstützen, etwa durch eine rasche Aufstockung der 15a-Vereinbarung über die Elementarpädagogik,“ betont Maria Pein, Vizepräsidentin der LK Steiermark.

(PWK 312/SR)

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