• 17.06.2021, 13:32:29
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  • OTS0183

Bischofskonferenz skizziert Fahrplan für synodalen Prozess

Weitere Erklärungen der Bischöfe nach ihrer Sommervollversammlung in Mariazell zu den Themen Ad-limina-Besuch, 100 Jahre Caritas, Abtreibungsvorstoß auf EU-Ebene und "Jahr der Familie" - Lackner warnt in Pressekonferenz erneut vor Suizidbeihilfe, lobt Dialog Bischöfe-Frauen - Verhältnis zur Regierung "nicht beschädigt"

Utl.: Weitere Erklärungen der Bischöfe nach ihrer
Sommervollversammlung in Mariazell zu den Themen
Ad-limina-Besuch, 100 Jahre Caritas, Abtreibungsvorstoß auf
EU-Ebene und "Jahr der Familie" - Lackner warnt in
Pressekonferenz erneut vor Suizidbeihilfe, lobt Dialog
Bischöfe-Frauen - Verhältnis zur Regierung "nicht beschädigt" =

Wien/Mariazell (KAP) - Österreichs Bischöfe haben den Fahrplan für
den von Papst Franziskus ausgerufenen synodalen Prozess skizziert,
der im Oktober 2023 in die Weltbischofssynode "Eine synodale Kirche:
Gemeinschaft, Partizipation, Mission" in Rom münden soll. In einer
Erklärung im Anschluss an ihre Sommervollversammlung in Mariazell hat
die Bischofskonferenz ausdrücklich den synodalen Prozess des Papstes
begrüßt und ihre Unterstützung dafür bekundet. Sie lädt zugleich alle
Gläubigen ein, "sich gemeinsam auf diesen Weg zu begeben" und
erinnert an das Ziel der Einmütigkeit. Synodalität stehe dafür, "sich
offen und ehrlich auszutauschen, einander zuzuhören, und sich im
gemeinsamen Gebet zu vertiefen, um zu erkennen, was Gott uns heute
sagen will".

Um die Kirche "insgesamt synodaler" zu machen, soll über die
Bischofssynode 2023 zunächst auf diözesaner, dann auf kontinentaler
Ebene beraten werden. Als Verantwortlichen für den synodalen Prozess
in Österreich wählte die Bischofskonferenz bei ihrer Zusammenkunft
ihren Vorsitzenden, den Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der in
dieser Aufgabe vom Kärntner Diözesanbischof Josef Marketz unterstützt
wird. Marketz wurde von seinen Amtskollegen außerdem mit der
Verantwortung für den Themenbereich "Pastoral, Katechese und
Evangelisierung" betraut.

Erzbischof Lackner stellte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in
Wien weitere Beschlusspapiere der Bischofskonferenz vor und kündigte
den um mehrere Monate verschobenen Ad-limina-Besuch des Episkopats in
Rom an: Von 29. November bis 4. Dezember werden die Mitglieder der
Bischofskonferenz mit Papst Franziskus sowie Vertretern der
vatikanischen Kurienbehörden zusammentreffen und über die Situation
der Kirche in Österreich beraten.

Eine Erklärung widmeten die Bischöfe der Caritas, die heuer in
Österreich ihr 100-jährige Bestehen feiert. Für deren Dienst am
Nächsten, geleistet von tausenden hauptamtlichen und rund 50.000
ehrenamtlichen Mitarbeitern, sprachen die Bischöfe ein "Vergelt's
Gott" aus: "Österreich ohne die Caritas wäre unvorstellbar." Zugleich
betont der Episkopat die parteipolitische Unabhängigkeit der
Hilfsorganisation. Ihr Platz sei schlicht "an der Seite der Armen und
all jener, die Hilfe brauchen; ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer
Religion oder ihres Geschlechts". Der Einsatz für die Schwächsten,
für die Armen, Alten, Kranken und Flüchtenden "ist und bleibt für uns
alle christlicher Grundauftrag", so die Bischöfe. "Wenn die Caritas
das Wort ergreift, dann ergreift die Kirche in Österreich das Wort."

Abtreibung keine "Gesundheitsdienstleistung"

Abtreibung ist keine "Gesundheitsdienstleistung": Mit dieser
Feststellung distanzieren sich Österreichs Bischöfe von einer Eingabe
an das Europäische Parlament. Im sogenannten Matic-Bericht über
Frauengesundheit, der am 23. Juni im Europäischen Parlament zur
Diskussion und Abstimmung vorliegt, fänden sich neben wichtigen
Fragen auch fragwürdige Positionierungen "im hochsensiblen Bereich
der Abtreibung". Die Sichtweise des Berichts auf Schwangerschaft,
Abtreibung und die Rechte aller dabei involvierten Personen lehnen
die Bischöfe "entschieden ab", wie es in der entsprechenden Erklärung
heißt. "Einseitig" und "ethisch unhaltbar" sei der Resolutionsentwurf
deshalb, weil er der komplexen Situation einer Schwangerschaft
keinerlei in keiner Weise Rechnung trage. "Europa braucht ein klares
Ja zum Leben, ein Ja zur werdenden Mutter und ein Ja zum ungeborenen
Kind, damit es Zukunft hat."

Im vom Papst ausgerufenen "Jahr der Familie" wollen die Bischöfe die
kirchliche Ehe-Vorbereitung neu gestalten. Die individuelle Situation
jedes Paares gelte es in der Vorbereitung einer kirchlichen
Eheschließung in den Pfarren und Gemeinschaften stärker zu
berücksichtigen. Auf ihrem persönlichen Weg hin zur Trauung sollen
die Brautpaare eine für sie relevante Unterstützung erfahren und
dabei auch "die Freude des Glaubens erleben können".

Österreichs Bischöfe appellieren weiters an den Gesetzgeber,
restriktive Maßnahmen zu setzen, die verhindern, dass aus der
rechtlichen Möglichkeit zum assistierten Suizid ein "inneres Sollen"
wird. Das betonte Erzbischof Lackner als Vorsitzender der
Bischofskonferenz bei der Pressekonferenz am Donnerstag und hielt
fest, dass die Bischöfe die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes
innerlich nicht mittragen könnten, auch wenn man sie hinnehmen müsse.
Lackner forderte u.a. den Ausbau der Suizidprävention, eine
flächendeckende und leistbare Palliativ- und Hospizversorgung sowie
psychosoziale Begleitung in Krisensituationen. Die Einflussnahme
Dritter müsse gesetzlich verhindert werden und Suizidassistenz dürfe
weder als Leistung von Ärzten noch sonst eines Gesundheits- oder
Pflegeberufs klassifiziert werden.

Verhältnis zur Regierung "nicht beschädigt"

Thema der Pressekonferenz war auch das Verhältnis der Kirche zur
Bundesregierung: Dieses sieht Lackner durch heuer bekannt gewordene
Chat-Protokolle "nicht beschädigt". Darin hatten sich der damalige
Finanzministeriums-Generalsekretär Thomas Schmid und Bundeskanzler
Sebastian Kurz über vermeintliche "Steuerprivilegien" der
katholischen Kirche in einer Weise ausgetauscht, die viele verstörte.
Die dazu medial kolportierten Zahlen von 15 Mrd. Euro an
Steuerbegünstigungen seien "grundfalsch" und wurden zuletzt vom
Finanzministerium auch als nicht nachvollziehbar bezeichnet, wies der
Erzbischof hin. Die katholische Kirche fühle sich jedenfalls "nicht
beleidigt", für die Wortwahl in den Chats wolle er "keine Noten
verteilen", sagte er.

Positiv blickte Lackner auf den Austausch mit 14 Frauen in
kirchlichen Leitungsfunktionen im Rahmen der Sommervollversammlung
der Bischofskonferenz in Mariazell zurück. Die Bischöfe hätten bei
dieser Begegnung mit Frauen aus Ordensgemeinschaften und aus allen
Diözesen vor allem zugehört. Diese Gespräche sollen weitergeführt
werden und auch in den Ad-limina-Besuch in Rom einfließen, so der
Erzbischof.

Auch Diözese St. Pölten war Thema

Auf Journalistenfragen zu den Konflikten in der Diözese St. Pölten
zeigte sich Lackner zurückhaltend. Die im Zuge der Strukturreform
laut gewordene Kritik an Bischof Alois Schwarz wegen dessen
Nichteinbindung betroffener Dienststellen und Personen sei zwar
Gesprächsthema bei der Bischofskonferenz gewesen, diese sei aber
"keine Oberbehörde" eines Diözesanbischofs und vertrauliche Gespräche
mit Schwarz sollten auch im Forum internum verbleiben.

Zur ebenfalls innerkirchlich von Kritik begleiteten Neuaufstellung
der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) teilte Lackner
mit, für diese seien neue Statuten beschlossen worden, die mit der
Protokollierung der Bischofskonferenz-Vollversammlung auch
veröffentlicht werden.

((ende)) RME/PWU
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