• 10.06.2021, 17:35:56
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Franz-Grabner-Preis 2020: „Viva la Vulva“ beste TV-Doku, „Dieser Film ist ein Geschenk“ beste Kinodoku

Preise im Rahmen der Diagonale 2021 verliehen

Utl.: Preise im Rahmen der Diagonale 2021 verliehen =

Wien (OTS) - Im Rahmen der 24. Diagonale in Graz wurde heute, am
Donnerstag, dem 10. Juni 2021, der Franz-Grabner-Preis 2020 für
humanistisches Dokumentarfilmschaffen in den Kategorien TV und Kino
verliehen. Die Auszeichnung, die in Andenken an den 2015 verstorbenen
ORF-Journalisten und langjährigen Leiter der ORF-TV-Kulturdoku heuer
zum vierten Mal vergeben wurde, ging an die als „dokFilm“ gezeigte
ORF-Koproduktion „Viva la Vulva“ von Gabi Schweiger, sowie an Anja
Salomonowitz’ Kinodokumentarfilm „Dieser Film ist ein Geschenk“. Die
Verleihung des Franz-Grabner-Preises 2020, die aufgrund der Pandemie
nicht wie geplant im Vorjahr stattfand, wurde damit im Rahmen der
Diagonale 2021 nachgeholt. Pandemiebedingt wurde der Preis 2021
ausgesetzt. Einreichungen für 2022 können wieder regulär im Herbst
erfolgen.

Sharon Nuni, Ressortleiterin ORF-TV-Kulturdokus: „Filme nah an den
Menschen und der Gesellschaft mit eigener Sprache“

„Der vom ORF mitgegründete und -gestiftete Franz-Grabner-Preis steht
für humanitäre Weltanschauung und unbestechlichen, kritischen
Journalismus. Es werden Filme ausgezeichnet, die nah an den Menschen
und der Gesellschaft sind und sowohl inhaltlich als auch
gestalterisch eine eigene Sprache entwickeln. Alle nominierten
Produktionen, sowohl TV als auch Kino, lösen diesen hohen kulturellen
und gesellschaftlichen Anspruch ein, und sind aber zugleich sehr
unterschiedlich. Sie wurden alle schon im ORF ausgestrahlt – ein
Beweis für die Vielschichtigkeit des ORF-Qualitätsprogrammes, das das
Vertrauen der Zuschauer/innen seit Jahren genießt. Natürlich sind wir
besonders froh über die Auszeichnung für ,Viva la Vulva‘, eine
Koproduktion mit der Kulturabteilung des ORF. Dieser Film– zugleich
leichtfüßig und tiefgründig – trägt dazu bei, die Welt für Frauen ein
wenig gerechter zu machen“, betont die Ressortleiterin der
ORF-TV-Kulturdokumentationen, Sharon Nuni.

„Vor mittlerweile fünf Jahren wurde der Franz-Grabner-Preis
initiiert, um im Andenken an den Namensgeber den Stellenwert des
österreichischen Kino- und Fernsehdokumentarfilms zu stärken. Franz
Grabner trat zeitlebens für Qualitätsjournalismus und einen
öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein, der politisch unabhängig
arbeiten kann und künstlerischen Visionen, auch Experimenten, den
nötigen Raum einräumt. Ein Anspruch, der gerade im Hinblick auf die
anstehende ORF-Generaldirektorenwahl mit aller Deutlichkeit betont
werden soll. So verstehen wir den Franz-Grabner-Preis auch und
insbesondere als ein Plädoyer für den Stellenwert des Dokumentarfilms
innerhalb des ORF“, so die Diagonale-Intendanten Sebastian Höglinger
und Peter Schernhuber.

Das Preisgeld von jeweils 5.000 Euro wird von den
Produktionsverbänden AAFP und Film Austria sowie dem ORF gestiftet
und ist für die Entwicklung des Folgeprojekts der Preisträger/innen
bestimmt. Initiiert wurde die Auszeichnung von Familie Grabner, AAFP,
Film Austria, ORF und dem steirischen Filmfestival Diagonale mit dem
Ziel, Filmschaffende für ihren im ethischen und moralischen Sinne
verantwortungsvollen und glaubwürdigen Umgang mit dem Medium zu
prämieren und diesen damit weiter zu fördern. Mit Unterstützung vom
Bundesministerium Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport,
Fernsehfonds Austria, Film Commission Graz und Veech x Veech.

Die Begründung der Expertenjury

Die Bewertung der insgesamt sechs nominierten Filmproduktionen nahm
eine vierköpfige Fachjury vor, bestehend aus Max Czollek (Autor,
Kurator, DE), Paul Pauwels (Juryvorsitzender, BE), Marketa Štinglová
(Manager of International Content Project Center/ Česká televize –
Tschechisches Fernsehen, CZ) und Mona Willi (Filmeditorin,
Regisseurin, AT). Ihre Begründungen (in Auszügen) lauten
folgendermaßen:

„Dieser Film ist ein Geschenk“:
„Wenn ein Titel gut gewählt ist, dann dieser: Anja Salomonowitz’ Film
eröffnet eine Welt der Kunst und Lebenslust, die das Publikum mit
einem Lächeln auf den Lippen und dem bittersüßen Gefühl von
Glückseligkeit zurücklässt. Der Künstler Daniel Spoerri trifft auf
Oskar Salomonowitz, der als kindliches Alter Ego und Botschafter
seiner Gedanken fungiert: Nichts und niemand ist vergessen, solange
wir erinnern. ,Dieser Film ist ein Geschenk‘ erweist all jenen die
Ehre, die physisch nicht mehr unter uns sind, deren Leben aber
wesentlicher Teil unseres eigenen Seins geworden sind – für immer.“
Mit diesen Worten begründete die internationale Jury ihre
Entscheidung.

„Viva la Vulva“:
„Die Vulva ist seit jeher Gegenstand von Schamgefühl, unflätigen
Witzen und vulgären Anspielungen. Auf sanft-provokative Weise regt
Gabriele Schweigers Film zum Nachdenken an und nimmt seine
Zuschauer/innen auf eine humorvoll-erhellende Reise durch Geschichte
und Kulturen mit. Mythen werden augenzwinkernd widerlegt,
Frauenfeindlichkeit schonungslos entlarvt. Ein starkes Statement im
Kampf gegen weibliche Unterdrückung und Body Shaming.“ Das
konstatierte die Jury in ihrer Begründung.

In der Kategorie „Fernsehdokumentarfilm“ waren außerdem das
„kulturMontag“-Porträt „Peter Turrini – Eine komische Katastrophe“
von Danielle Proskar und die „Am Schaupatz“-Reportage „Sklaven für
die Alten“ von Ed Moschitz nominiert. Weitere nominierte
Kinodokumentarfilme waren die mit Mitteln des
ORF-Film/Fernseh-Abkommens unterstützten Projekte „Die Dohnal“ von
Sabine Derflinger und „Erde“ von Nikolaus Geyrhalter.

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