- 09.06.2021, 06:00:16
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ÖAMTC-Erhebung: Nur 35 Prozent der beobachteten Radfahrenden trugen einen Schutzhelm (+ Grafik, + Fotos)
Nur jeder elfte E-Tretrollerfahrende verwendet Helm – Sicherheitsbewusstsein für Kopfschutz nach wie vor zu gering
Utl.: Nur jeder elfte E-Tretrollerfahrende verwendet Helm –
Sicherheitsbewusstsein für Kopfschutz nach wie vor zu gering =
Wien (OTS) - Im Vorjahr entwickelte sich Corona-bedingt ein
regelrechter Fahrrad-Boom, der auch im aktuellen Jahr anhält. Im
städtischen Verkehr zeigt sich dabei jedoch ein problematisches Bild:
Viele Radfahrende sind ohne Schutzhelm unterwegs. In Österreich
besteht zwar keine gesetzliche Radhelmpflicht für Erwachsene. Das
Tragen eines Helmes ist jedoch nahezu die einzige Möglichkeit des
Selbstschutzes von Rad- und E-Tretrollerfahrenden. Der ÖAMTC wollte
in dem Zusammenhang wissen, wie viele Personen freiwillig mit Helm
unterwegs sind und hat dafür bundesweit in allen Landeshauptstädten
14.600 Radler beobachtet. Das Ergebnis: Insgesamt haben 35 Prozent
der Radfahrenden einen Helm getragen. Der Anteil der helmtragenden
Männer (37 Prozent) war dabei um fünf Prozentpunkte höher als bei
Frauen (32 Prozent). Im Vergleich der Landeshauptstädte zeigten sich
teilweise große Unterschiede. Während etwa in St. Pölten und
Klagenfurt nur je 16 Prozent der Radfahrer einen Helm trugen, waren
es in Eisenstadt 47 und in Linz sogar 72 Prozent.
Die Ursachen für die zum Teil großen lokalen Diskrepanzen bei der
Helmtragequote können vielschichtig sein. "Es ist anzunehmen, dass
ein Helm am Weg zu Geschäfts- oder Büroterminen in der Stadt eher als
unpassend und hinderlich empfunden wird als beispielsweise bei
privaten Wegen oder am Weg zu ausgedehnten Radtouren, die oftmals in
Städten ihren Ausgangs- und Endpunkt haben", erklärt
ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé. Eine Einteilung der
Erhebungsstandorte in Strecken mit (überwiegend) Freizeit- oder
Alltagsverkehr sowie Routen mit (überwiegend) gemischtem Radverkehr
zeigten Tendenzen, welche oben genannte Einschätzung unterstützen.
Erhebungen an Freizeitstrecken brachten eine Helmtragequote von rund
39 Prozent, an Alltagsstrecken 31 Prozent zu Tage.
Zahl der verunglückten Radfahrer auf Österreichs Straßen
steigt
Dass das Radfahren immer beliebter wird, spiegelt sich auch in der
Unfallstatistik wider. So hat sich die Zahl der unfallbeteiligten
Radfahrenden seit 2012 um ein Drittel erhöht. Die Zahlen der tödlich
verunglückten Radfahrenden sind im selben Zeitraum jedoch um 23
Prozent zurück gegangen. Im Jahr 2020 verunglückten laut Statistik
Austria 9.348 Radfahrer (E-Bike und E-Scooter eingeschlossen) auf
Österreichs Straßen – 40 davon tödlich.
Bei Betrachtung der Fahrradunfälle nach Unfalltyp zeigt sich, dass
insbesondere Alleinunfälle (wo kein anderer Verkehrsteilnehmer
involviert war) mit rund 70 Prozent deutlich zugenommen haben und
bereits ein Drittel aller Fahrradunfälle ausmachen. Ebenso zeigt
sich, dass ein weiteres Drittel der Fahrradunfälle der letzten Jahre
bei Unfällen im Kreuzungsbereich passierte. Die Gründe waren zumeist
Unachtsamkeit, Ablenkung, Vorrangverletzung oder das Missachten von
Geboten und Verboten – sowohl verursacht von Kraftfahrern als auch
von Radfahrern selbst.
Laut Daten der ÖAMTC-Unfallforschungsdatenbank liegt der Anteil an
verunglückten Radfahrenden ohne Helm, die schwere bis tödliche
Kopfverletzungen aufwiesen, bei 57 Prozent. Bei Radfahrenden, die mit
Helm unterwegs waren, ist dieser Prozentsatz mit 26 Prozent deutlich
geringer. "Auch wenn nicht alle Unfälle ohne weiteres miteinander
vergleichbar sind, zeigt sich doch, dass das Tragen eines Helmes eine
der wenigen Möglichkeiten ist, sich als Radler bei einem Sturz oder
Unfall vor Kopfverletzungen zu schützen oder zumindest die
Unfallfolgen deutlich abzuschwächen", mahnt Nosé.
Nur neun Prozent der E-Tretrollerfahrenden mit Helm unterwegs
Im Rahmen der Erhebung der Helmtragequote von Radfahrenden wurde auch
die Helmverwendung bei E-Tretrollerfahrenden bei über 600 Nutzern
erhoben. Wesentliche Erkenntnis dabei war, dass nicht einmal einer
von zehn Scooter-Fahrenden einen Helm verwendet hatte. Dies weist
klar auf die Problematik hin, dass trotz herausfordernder
fahrdynamischer Eigenschaften (bspw. bei Notbremsungen oder
Armzeichengeben bei Abbiegemanövern) das Sicherheitsbewusstsein bei
Rollerfahrenden sehr gering ist – insbesondere bei Nutzern von
Leih-Scootern.
Miteinander im Straßenverkehr für mehr Sicherheit das Um und
Auf
Gerade im Kreuzungsbereich kommt es oftmals zu Missverständnissen und
Fehlverhalten – sowohl von Kfz- als auch von Radfahrer-Seite. Vor
allem Kollisionen mit abbiegenden Kfz können für ungeschützte
Verkehrsteilnehmer dramatisch enden. Aber auch ohne Fremdeinwirkung
kommt es oft zu Stürzen – beispielsweise beim Anfahren oder Abbremsen
– wo ein Aufprall mit dem Kopf die Folge sein kann. Um Unfälle zu
vermeiden, sollten Kraftfahrer beim Abbiegen unbedingt den 3-S-Blick
(Spiegel-Spiegel-Schulter) anwenden. Rad- und E-Tretrollerfahrende
ihrerseits sollten riskantes Vorbeischlängeln vermeiden. "Außerdem
dient das Einhalten der Verkehrsregeln im Endeffekt nicht nur der
eigenen Sicherheit. Wenn alle Verkehrsteilnehmer die Bestimmungen
kennen und sich daran halten, defensiv fahren und mit Fehlern anderer
rechnen, gibt es wesentlich weniger Konfliktpotential", so Nosé.
Helmtragequote in den Landeshauptstädten
Bundesland Summe
ja nein
Burgenland 47% 53%
Kärnten 16% 84%
Niederösterreich 16% 84%
Oberösterreich 2% 28%
Salzburg 40% 60%
Steiermark 29% 71%
Tirol 37% 63%
Vorarlberg 27% 73%
Wien 35% 65%
Österreich 35% 65%
Quelle: ÖAMTC
Unfälle sowie getötete Radfahrer nach Bundesland 2018-2020
Bundesland 2018 2019 2020
Unfälle Getötete Unfälle Getötete Unfälle Getötete
Burgenland 127 1 140 3 161 1
Kärnten 508 1 598 0 770 3
Niederösterreich 1.240 11 1.166 8 1.461 9
Oberösterreich 1.197 10 1.167 9 1.227 5
Salzburg 897 1 865 5 929 6
Steiermark 1.163 5 1.125 4 1.302 4
Tirol 1.289 4 1.230 2 1.294 7
Vorarlberg 685 5 671 2 781 5
Wien 1.032 3 1.134 0 1.262 0
Österreich 8.138 41 8.096 33 9.187 40
Quelle: Statistik Austria; Bearbeitung: ÖAMTC Unfallforschung
#roadsafety - ÖAMTC ist Partner der
UN-Verkehrssicherheitswoche 2021
Die UN-Verkehrssicherheitswoche ist Teil des 10-Jahres-Aktionsplans
"Decade of Action for Road Safety“ der Vereinten Nationen zur
Verbesserung der globalen Verkehrssicherheit. Ziel ist, von 2021 bis
2030 mindestens 50 Prozent der Todesfälle und Verletzungen im
Straßenverkehr zu verhindern. Als Partner der
UN-Verkehrssicherheitswoche unterstützt der ÖAMTC Maßnahmen zur
Vermeidung von Unfällen und Verletzten in allen
Verkehrsteilnehmergruppen. Die Anerkennung hoher Sicherheitsstandards
zum Nutzen der Verkehrsteilnehmer ist dabei ebenso eine zentrale
Aufgabe wie die Weitergabe von neuen technischen Erkenntnissen und
allgemeinen Sicherheitsinformationen, die Durchführung von
Schulungen, Trainings sowie der aktive offene Dialog mit allen
Verkehrsteilnehmergruppen auf Augenhöhe.
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stehen im ÖAMTC-Presseportal unter www.oeamtc.at/presse zur
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