• 28.05.2021, 14:30:05
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  • OTS0192

Faßmann: Bis 2030 einen Binnenmarkt der Forschung und des Wissens in Europa verwirklichen

EU-Forschungsminister diskutieren Erneuerung des Forschungsraums

Utl.: EU-Forschungsminister diskutieren Erneuerung des
Forschungsraums =

Wien (OTS) - Wissenschafts- und Forschungsminister Heinz Faßmann
nimmt heute am Rat Wettbewerbsfähigkeit in Brüssel teil und
diskutiert mit EU-Forschungskommissarin Mariya Gabriel und seinen
europäischen Amtskolleginnen und Amtskollegen u.a. die Erneuerung des
Europäischen Forschungsraums (EFR). „Europa ist dann stark, wenn es
gemeinsam auftritt und seine Kräfte bündelt – das gilt insbesondere
auch für den EFR“, betont der Minister. Wichtiges Element dabei sind
attraktive Forschendenkarrieren, zu denen Ratsschlussfolgerungen
angenommen wurden. Ebenso haben sich die EU-Forschungsministerinnen
und Forschungsminister auf die Allgemeine Ausrichtung zur Verordnung
betr. europäisches Hochleistungsrechnen (EuroHPC) geeinigt, womit
auch ein wichtiger Beitrag zur grünen und digitalen Transformation
sowie im Gesundheitsbereich geleistet wird. Seitens der Europäischen
Kommission gab es u.a. eine Präsentation der jüngst veröffentlichten
Mitteilung zum „Globalen Konzept für Forschung und Innovation“. Am
Rande des Rats traf Faßmann mit seiner italienischen Amtskollegin
Maria Cristina Messa zu einem Austausch über aktuelle
Forschungsthemen zusammen.

Zur künftigen Ausgestaltung eines ehrgeizigen Europäischen
Forschungsraums verwies der Minister auf die zentrale Rolle von
Wissenschaft, Forschung und Innovation bei der Bewältigung großer
Herausforderungen im Zuge des grünen und digitalen Wandels sowie beim
Wiederaufschwung nach der Corona-Pandemie. Man habe im EFR bereits
einiges erreicht – „aber wir können und müssen noch besser werden“.
Konkret unterstützt der Minister die Vision, bis 2030 einen
Binnenmarkt der Forschung und des Wissens in Europa zu verwirklichen.
Dieser Binnenmarkt sollte zunächst u.a. auf europäische
Forschendenkarrieren und einen gemeinsamen Arbeitsmarkt fokussieren.
Aber auch in anderen Bereichen, wie etwa der rascheren Umsetzung von
Forschungsergebnissen in Innovationen, der Schaffung einer echten
„Open Science“ Kultur in Europa oder einem weiteren Ausbau
europäischer Forschungsinfrastrukturen sollen konkrete gemeinsame
Initiativen und Reformen ausgearbeitet werden. Für die Umsetzung sind
dann die Mitgliedstaaten am Zug, nationale Aktionspläne zu
erarbeiten, denn: „Wenn wir wollen, dass der EFR erfolgreich ist,
müssen nationale und europäische Forschungspolitik enger miteinander
verknüpft werden“, ist Faßmann überzeugt.

Ein wesentliches Element des erneuerten EFR ist die Steigerung der
Attraktivität von Forschendenkarrieren. Dazu wurden vom Rat
Schlussfolgerungen angenommen, die die Schaffung attraktiver und
nachhaltiger Laufbahnen und Arbeitsbedingungen für Forscherinnen und
Forscher und die Verwirklichung der Mobilität von Hochqualifizierten
zum Ziel haben. In den Schlussfolgerungen sind etwa die Ziele
verankert, prekäre Dienstverhältnisse insbesondere bei jüngeren
Forschenden zu reduzieren, die intersektorale Mobilität zu stärken
und die Zusammenarbeit zwischen dem EFR und dem Europäischen
Hochschulraum zu forcieren. Ebenso unterstrichen wird die Bedeutung
der Sicherung und Stärkung der Freiheit in der wissenschaftlichen
Forschung und bei Forschendenkarrieren. In diesem Zusammenhang
verwies Faßmann darauf, dass die „Bonner Erklärung zur
Forschungsfreiheit“ mittlerweile von allen EU-Mitgliedsstaaten, der
Europäischen Kommission und zahlreichen weiteren Staaten wie Israel,
Norwegen und der Schweiz unterzeichnet wurde – das sei „ein klarer
Auftrag, dass diesem Thema im Rahmen der Umsetzung des neuen
Forschungsraums die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet wird“.

Ebenso auf der Agenda heute: Das Gemeinsame Unternehmen für
europäisches Hochleistungsrechnen (EuroHPC), das 2018 gegründet
wurde. Mit der neuen Verordnung für die kommenden sieben Jahre wird
eine wichtige Basis gelegt, um Europa in den Bereichen
Hochleistungsrechnen und Quanteninformatik an die Weltspitze zu
bringen. Die Mitgliedsstaaten haben sich nun auf die Allgemeine
Ausrichtung zu dieser institutionalisierten Partnerschaft geeinigt,
mit der in Europa ein wettbewerbsfähiges Supercomputing-Netzwerk
geschaffen und Anwendungen in zahlreichen Lebensbereichen ermöglicht
werden sollen: Von der Suche nach neuen Medikamenten und
Fortschritten in der personalisierten Medizin über innovative
Anwendungen im Kampf gegen den Klimawandel bis hin zur Entwicklung
von sichereren und umweltfreundlicheren Fahrzeugen und Flugzeugen.
Österreich war bisher beteiligt und plant dies auch künftig, u.a.
durch die Implementierung eines nationalen HPC Kompetenzzentrums und
die weitere Beteiligung am italienischen Konsortium CINECA zur
Beteiligung an der Pre-Exascale Anlage LEONARDO.

Seitens der Europäischen Kommission gab es beim Rat eine Präsentation
der Mitteilung über Europas globales Konzept für die Zusammenarbeit
im Bereich Forschung und Innovation. Europas Strategie zur
internationalen Zusammenarbeit in einer sich verändernden Welt folgt
dabei den Grundsätzen „strategisch, offen und auf Gegenseitigkeit
beruhend“. Die neue Strategie strebt ein auf Regeln und Werten
basierendes – und prinzipiell offenes – Forschungs- und
Innovationsumfeld an, in dem Gegenseitigkeit und gleiche
Ausgangsbedingungen für die internationale Zusammenarbeit im Bereich
Forschung und Innovation sichergestellt werden sollen. Minister
Faßmann begrüßte „das klare Bekenntnis zur internationalen
Kooperation und die Betonung der gegenseitigen Offenheit und
Beachtung zentraler Werte und Grundsätze wie der Freiheit der
Wissenschaft, Ethik und Open Science“. Langfristig gehe es darum,
„die geeignete Balance zwischen Offenheit und Schutz der europäischen
Interessen zu finden“. Das sei in der dynamischen geopolitischen
Situation eine Herausforderung, umso wichtiger sei es, neben den
bilateralen Aktivitäten „vor allem auch die multilateralen
Aktivitäten über geeignete Foren und Initiativen zu stärken, um
Europa dort mehr Gewicht zu verleihen“.

Weiters informierte der portugiesische Vorsitz über den aktuellen
Stand der Verhandlungen zur institutionalisierten Partnerschaft im
Bereich Metrologie und den neun institutionalisierten Partnerschaften
in den Bereichen Gesundheit, Klima und Digitalisierung, die in einem
einzigen Basisrechtsakt (Single Basic Act/SBA) zusammengefasst sind.
Seitens der Europäischen Kommission erfolgte eine Information zu
„Mission Innovation 2.0“, jenem Verbund von 24 Ländern (darunter
Österreich) und der EU, der das Ziel verfolgt, Innovationen im
Bereich innovativer Energietechnologien substanziell zu
beschleunigen. Beim 6. Mission Innovation Ministerial am 31.05. soll
eine Gemeinsame Erklärung beschlossen werden, um mit einem
missionsorientierten Ansatz die ambitionierten Klimaziele zu
erreichen.

Abschließend informierte die slowenische Delegation über die
geplanten Schwerpunkte unter slowenischem EU-Ratsvorsitz im zweiten
Halbjahr 2021: Die Finalisierung der Dossiers zu den
institutionalisierten Partnerschaften, die Weiterentwicklung des EFR,
internationale Kooperationen und Assoziierungen von Drittstaaten mit
Horizon Europe sowie Geschlechtergleichstellung im Bereich Forschung
und Innovation. Das nächste Treffen der EU-Forschungsministerinnen
und Forschungsminister ist im Rahmen des informellen Rats am 19. Juli
in Slowenien geplant.

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