- 28.05.2021, 06:00:16
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ÖAMTC-Erhebung: Jeder 13. Pkw-Insasse schnallt sich immer noch nicht an (+ Foto, + Grafik)
Von 146 tödlich verunglückten Pkw-Insassen 2020 waren 27 Prozent nicht gesichert
Utl.: Von 146 tödlich verunglückten Pkw-Insassen 2020 waren 27
Prozent nicht gesichert =
Wien (OTS) - Zum Anlass der UN-Verkehrssicherheitswoche führte der
Mobilitätsclub im Frühjahr 2021 eine Erhebung zur Gurtanlegequote
unter erwachsenen Pkw-Insassen in allen Landeshauptstädten
Österreichs durch. Das Ergebnis: Von über 27.000 beobachteten
Insassen waren noch immer 8 Prozent nicht bereit, sich anzuschnallen.
Das zeigt sich auch in den Unfallzahlen: Im Jahr 2020 kamen insgesamt
146 Auto-Insassen bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben. Davon
waren 27 Prozent nicht angeschnallt (Quelle: Statistik Austria). In
den letzten fünf Jahren erlitten knapp ein Drittel der in einem Pkw
verunfallten Personen, die nicht gesichert waren, schwere oder gar
tödliche Verletzungen. Bei angeschnallten Personen waren das nur rund
9 Prozent. "Dabei ist weitestgehend bekannt, dass das Risiko bei
einem Unfall schwer oder gar tödlich verletzt zu werden, ohne Gurt
wesentlich höher ist", mahnt ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé. Die
Gurtanlegequote hat sich im Vergleich zur letzten ÖAMTC-Erhebung aus
2017 – damals waren rund 11 Prozent der Pkw-Insassen nicht
angeschnallt – leicht verbessert.
"Nur mit angelegtem Gurt, der richtigen Sitzposition und der
korrekten Einstellung der Kopfstütze kann die Sicherheitsausrüstung
in einem Fahrzeug, wie der Airbag, ihre volle Wirkung entfalten und
Leben retten", gibt der ÖAMTC-Experte zu bedenken. Auffällig ist
zudem nach wie vor, dass die Moral zum Anlegen eines Gurtes auf den
Fondsitzen geringer ausgeprägt ist: Auf den vorderen Sitzen schnallen
sich rund 93 Prozent ordnungsgemäß an, während es auf den Rücksitzen
87 Prozent der Pkw-Insassen sind. "Wer jedoch hinten sitzt und sich
nicht anschnallt, gefährdet nicht nur sich selbst sondern auch den
davor Sitzenden", mahnt Nosé. Diese Tatsache untermauern auch
mehrmals durchgeführte ÖAMTC-Crashtests.
Kleine Unterschiede zwischen allen Bundesländern
Im Bundesländer-Vergleich bei der Erhebung zur Gurtanlegequote ist
Salzburg positiv hervorzuheben. Dort waren kaum noch Personen im Pkw
zu sehen, die nicht angeschnallt waren (rund 2 Prozent). Ebenso war
die Quote der nicht angeschnallten Insassen in Kärnten (6 Prozent)
relativ niedrig. In Wien bedarf es noch eines stärkeren Umdenkens in
Bezug auf den Sicherheitsgurt. Knapp 13 Prozent der beobachteten
Pkw-Insassen waren nicht angeschnallt. Auch im Burgenland lag die
Quote über 10 Prozent. Die restlichen Bundesländer lagen alle im
Bereich des österreichweiten Wertes.
Verzicht auf Sicherheitsgurt auch im Ortsgebiet purer
Leichtsinn
Selbst bei einem Aufprall mit Tempo 30 sind die freiwerdenden Kräfte
so groß, dass man sich nicht mehr mit Armen und Beinen abstützen
kann, wie auch aus den Ergebnissen von Crashtests hervorgeht. Daher
sollte der Gurt immer – auch bei kurzen Fahrten im Ortsgebiet –
angelegt werden. "Viele Autofahrer argumentieren aber, dass sie
ohnehin nur im Ortsgebiet oder auf ihnen gut bekannten Strecken ohne
Gurt unterwegs seien", erklärt Nosé. Doch knapp zwei Drittel aller
Unfälle passieren laut Statistik Austria im Ortsgebiet. "Sich dort
nicht anzuschnallen ist purer Leichtsinn. Und gerade auf bekannten
Strecken neigt man eher dazu, unvorsichtiger zu fahren, weil man
meint, jeden Zentimeter zu kennen." Dass es allerdings immer zu einer
unvorhersehbaren Gefahrensituation kommen kann, wird leider nach wie
vor zu oft ausgeblendet.
Erst Organstrafverfügungen brachten signifikanten Rückgang der
Unfalltoten
Die Gurtpflicht wurde in Österreich am 15. Juli 1976 eingeführt. Den
größeren Meilenstein in der Erhöhung der Verkehrssicherheit brachte
allerdings der 1. Juli 1984. Ab diesem Zeitpunkt wurden Verstöße mit
einer Organstrafverfügung sanktioniert. Die Auswirkung auf die
Unfallzahlen war signifikant: Vorher kamen Jahr für Jahr rund 1.900
Menschen im Straßenverkehr ums Leben – 1985 sank diese Zahl deutlich
auf rund 1.500. Der Strafsatz für das Organmandat betrug anfangs 100
Schilling, umgerechnet ca. 7 Euro. Heute muss man mit mindestens 35
Euro rechnen, wenn man ohne angelegten Sicherheitsgurt erwischt wird.
Beim Transport eines Kindes ohne die entsprechende
Rückhalteeinrichtung droht eine Anzeige, der theoretische Strafrahmen
reicht sogar bis zu 5.000 Euro. Zusätzlich wird eine Vormerkung ins
Führerscheinregister eingetragen.
Gurtanlegequote nach Bundesland und Geschlecht
Gurtanlegequote 2021
Bundesland Frauen Männer Gesamt Burgenland 95% 86% 89% Kärnten 97% 93% 95% Niederösterreich 97% 91% 93% Oberösterreich 93% 90% 91% Salzburg 99% 98% 98% Steiermark 96% 92% 94% Tirol 95% 92% 93% Vorarlberg 95% 89% 92% Wien 91% 86% 87% Österreich 96% 91% 92%
Quelle: ÖAMTC
Getötete Pkw-Insassen (2020) insgesamt sowie ohne Gurt
Getötete Pkw Insassen
Bundesland 2020 Davon ohne Gurt Burgenland 15 40% Kärnten 23 22% Niederösterreich 39 26% Oberösterreich 24 46% Salzburg 8 38% Steiermark 26 12% Tirol 7 14% Vorarlberg 2 0% Wien 2 50% Österreich 146 27%
Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung: ÖAMTC-Unfallforschung
#roadsafety - ÖAMTC ist Partner der
UN-Verkehrssicherheitswoche 2021
Die UN-Verkehrssicherheitswoche ist Teil des 10-Jahres-Aktionsplans
"Decade of Action for Road Safety“ der Vereinten Nationen zur
Verbesserung der globalen Verkehrssicherheit. Ziel ist, von 2021 bis
2030 mindestens 50 Prozent der Todesfälle und Verletzungen im
Straßenverkehr zu verhindern. Als Partner der
UN-Verkehrssicherheitswoche unterstützt der ÖAMTC Maßnahmen zur
Vermeidung von Unfällen und Verletzten in allen
Verkehrsteilnehmergruppen. Die Anerkennung hoher Sicherheitsstandards
zum Nutzen der Verkehrsteilnehmer ist dabei ebenso eine zentrale
Aufgabe wie die Weitergabe von neuen technischen Erkenntnissen und
allgemeinen Sicherheitsinformationen, die Durchführung von
Schulungen, Trainings sowie der aktive offene Dialog mit allen
Verkehrsteilnehmergruppen auf Augenhöhe.
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