• 27.05.2021, 12:33:46
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OMV: „Es müsste klar Schiff gemacht werden“

Wolfgang C. Berndt, bis Herbst 2020 Aufsichtsratschef der OMV, übt im trend-Interview heftige Kritik an den „Agitationen“, die zum Abgang von Rainer Seele führten.

Utl.: Wolfgang C. Berndt, bis Herbst 2020 Aufsichtsratschef der OMV,
übt im trend-Interview heftige Kritik an den „Agitationen“,
die zum Abgang von Rainer Seele führten. =

Wien (OTS) - Am 2. Juni werden bei der Hauptversammlung der OMV die
Weichen für die Nachfolge von Generaldirektor Rainer Seele gestellt.
In der neuen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins trend vom 28. Mai 2021
nimmt Wolfgang C. Berndt, bis Oktober 2020 Aufsichtsratspräsident der
OMV, zu den heftigen Auseinandersetzungen innerhalb des Konzerns, die
zum Rückzug von Seele führten Stellung. Berndt spricht von einem
„Putsch mit dem Ziele: Seele muss weg!“

Als Anlass sieht der frühere Topmanager des globalen
Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble den Strategiewechsel Seeles
Richtung Chemie-Unternehmen. Er spart dabei nicht mit Kritik am
Betriebsrat des Upstream-Bereichs der OMV, am stv. Generaldirektor
Johann Pleininger und an der Staatsholding ÖBAG. Er wirft einer
früheren Betriebsrätin vor, mit den Identifikationsdaten – und mit
Wissen – der damaligen Konzernbetriebsratsvorsitzenden Zugang zu
vertraulichen Informationen gehabt und an die Öffentlichkeit gespielt
zu haben: „Zeitweilig arbeitete sie sogar unter dem Pseudonym
Spürnase bei „Dossier” mit.“ Diese Online-Plattform veröffentlichte
mehrere kritische Artikel über Seele. Außerdem seien parlamentarische
Anfragen der Opposition veranlasst worden.

Wieso sich auch SPÖ und Neos auf die OMV einschossen, erklärt Berndt,
dass man der Opposition das Bild vermittelt hat, eine Delegation mit
Bundeskanzler Kurz und Seele habe in Abu Dhabi vor zwei Jahren einen
überhöhten Kaufpreis für die vereinbart – und die Differenz sei dann
irgendwo hingeflossen. „Das ist die Arbeitshypothese: völlig abwegig
zwar, aber für die Opposition natürlich eine ideale Geschichte, um
gegen die ÖVP mobil zu machen.“ Dass die Borealis-Mehrheit zu teuer
erworben wurde, stellt Berndt entschieden in Abrede.

ÖBAG-Aufsichtsratschef Helmut Kern sieht der Ex-OMV-Präsident als
einen „der Hauptverantwortlichen für die Eskalation der Situation“.
Seine wichtigste Informationsquelle sei der OMV-Betriebsrat gewesen.
„Seine verzerrte Sicht hat der Seele-muss-weg-Initiative geholfen.“
Und zur Person Kern sagt Berndt: „Ich glaube, dass Österreich mit
einem Mann wie Kern in so einer wichtigen Funktion für öffentlichen
Besitz nicht gut bedient ist.“

Dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der OMV, Johann
Pleininger, einer der Kandidaten für die Seele-Nachfolge, hält Berndt
vor, die Strategie von Seele mit dem Fokus auf Petrochemie
schlechtgeredet zu haben. „Obwohl er sie selbst mitbeschlossen hat,
das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.“ Auf die Frage, ob
Pleininger OMV-Chef werden könnte, wenn die Strategie beibehalten
wird, antwortet Berndt: „Wenn es Richtung Chemie weitergeht, kann das
aus meiner Sicht nicht funktionieren. Auch weil die
Belegschaftsvertreter denken würden: Jetzt haben wir einen, der
unsere Sache vertritt, also können wir weiter agitieren und
quertreiben. Es müsste klar Schiff gemacht werden.“

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