Assistierter Suizid: Schutz vulnerabler Gruppen und Verhinderung von Missbrauch unabdingbar

Gemeinsame Stellungnahme von Dachverband Hospiz Österreich und Österreichischer Palliativgesellschaft zum aktuellen Diskussionsprozess über eine Neugestaltung des § 78 StGB

Wien (OTS) - Zur Diskussion um die Neugestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Thema assistierter Suizid haben der Dachverband Hospiz Österreich und die Österreichische Palliativgesellschaft eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht, die einige aus Sicht der beiden Organisationen „zentralen Eckpunkte“ definiert.

„Hospiz und Palliative Care stehen für das Prinzip eines würdevollen und lebenswerten Lebens bis zum Lebensende durch aktive und umfassende Betreuung und Begleitung“, betont die Präsidentin des Dachverbands Hospiz Österreich Waltraud Klasnic. „Hoher Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht jedes Menschen leitet unsere Haltung in der aktuellen Debatte um den assistierten Suizid.“

„Im Zusammenhang mit einer möglichen künftigen Regelung ist es aus unserer Sicht unverzichtbar, dass einige grundlegende Prinzipien sichergestellt sind“, so der Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG), OA Dr. Dietmar Weixler. „Dazu gehören geeignete Rahmenbedingungen für einen Tod in Würde und Sicherheit, der Schutz vulnerabler Gruppen, die Verhinderung von Missbrauch sowie die Freiheit von Zwang bei der Entscheidung über das eigene Lebensende.“

Die langjährige Forderung, die Hospiz- und Palliativversorgung mit adäquaten Ressourcen auszustatten, gewinne mit Blick auf die künftige Möglichkeit des assistierten Suizids zusätzlich an Dringlichkeit und Brisanz, betonen der Dachverband Hospiz Österreich und die Österreichische Palliativgesellschaft in ihrer Stellungnahme: „Die aktuell zu konstatierende Mangelversorgung auf diesem Gebiet kann das Risiko bergen, dass Menschen sich der Option des assistierten Suizids zuwenden, weil keine angemessene Hospiz- und Palliativversorgung zur Verfügung steht.“ Daher müsse es „jetzt mehr denn je sichergestellt werden, dass Jede und Jeder, die oder der dies benötigt, Zugang zu Hospiz- und Palliativversorgung hat – leistbar, flächendeckend, unabhängig vom Wohnsitz, rund um die Uhr“, heißt es in der Stellungnahme der beiden Organisationen.

„Die Einführung einer Möglichkeit des assistierten Suizids, bevor eine Vollversorgung im Bereich Hospiz und Palliative Care sichergestellt ist, birgt aus unserer Sicht das große Risiko, dass Menschen sich nur aufgrund inadäquater Betreuungs- und Behandlungsangebote für den assistierten Suizid entscheiden, nicht aus freien Stücken“, sagt OPG-Präsident Dr. Weixler. „Das gilt es zu verhindern. Hospiz- und Palliativversorgung bleiben im Interesse eines menschenwürdigen Lebensendes unverzichtbar“, so die Präsidentin des Dachverbands Hospiz Österreich Waltraud Klasnic.

Das aktuelle Positionspapier im vollen Wortlaut ist unter www.hospiz.at oder www.palliativ.at verfügbar.

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Dachverband Hospiz Österreich: Mag. Anna Pissarek, anna.pissarek@hospiz.at
Österreichische Palliativgesellschaft: Gabriele Topolanek, office@palliativ.at

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