Staatssekretärin Mayer gibt Literaturpreise der Republik Österreich 2021 bekannt

Die diesjährigen Literaturpreise der Republik Österreichs gehen an László Krasznahorkai, Lisa Spalt, Barbara Hundegger und Stefan Gmünder.

Wien (OTS) - Rechtzeitig zum morgigen Welttag des Buches gibt das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) die Literaturpreisträger*innen des Jahres 2021 bekannt: Der ungarische Schriftsteller László Krasznahorkai wird mit dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur ausgezeichnet. Der Outstanding Artist Award für Literatur geht an Lisa Spalt. Der Österreichische Kunstpreis für Literatur wird Barbara Hundegger zuerkannt. Der biennal vergebene Österreichische Staatspreis für Literaturkritik geht 2021 an Stefan Gmünder.

„In unserer durch Medien geprägten Welt sind wir bestens informiert und Wissen ist scheinbar mühelos immer und überall auf Knopfdruck abrufbar. Aber wenn wir die Welt kennenlernen wollen, müssen wir uns entweder selber aufmachen oder zur Literatur greifen. Denn in Erzählungen, Romanen und Gedichten wird Welt in Sprache verwandelt. Dort können wir erfahren, wie es anderen ergangen ist oder ergeht, was sie erlebt und empfunden haben“, so Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. „Ich freue mich, einige dieser herausragenden Künstlerinnen und Künstler, die diese Werke schaffen, heuer für ihre großartige literarische Arbeit mit einem Preis der Republik Österreich auszuzeichnen. Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich zu dieser Auszeichnung und danke den Jurorinnen und Juroren für ihre wohlbedachte Auswahl an wunderbaren Schriftstellerinnen und Schriftstellern.“


Österreichischer Staatspreis für europäische Literatur 2021: László Krasznahorkai, der große europäische Romancier aus der ungarischen Kleinstadt Gyula, erhält den Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur des Jahres 2021.

„Einzigartig im Stil, berückend in der Kraft der Bilder, hemmungslos im Finden realer und surrealer Szenen, mit kühler Ironie und scharfem Witz, sind die Romane und Erzählungen von László Krasznahorkai wohl durchdacht, vollendet geschrieben und klar komponiert. Seine Prosa, in der sich die Abgründe unserer Gegenwart auftun, ist von irritierender, berückender Schönheit: Jedes seiner Bücher ein literarisches Wunder“, erklärt Staatssekretärin Mayer und hebt in diesem Zusammenhang auch die besondere Bedeutung der Übersetzer*innen für die europäische Literatur hervor: „Dass wir László Krasznahorkai auf Deutsch lesen können, verdanken wir seinen wunderbaren Übersetzern Heike Flemming, Christina Viragh und Hans Skirecki.“

„László Krasznahorkai ist ein Meister der literarischen Intensität. In komplex verflochtenen Sätzen beschreibt er in seinen Erzählungen und Romanen heruntergekommene Wirklichkeiten, enttäuschte Hoffnungen sowie die Gewalt gesellschaftlicher Zusammenhänge. Er entwirft verstörende Panoramen der ungarischen Kleinstadt, begibt sich auf Expeditionen in weit entfernte Weltgegenden und kehrt doch immer wieder zu den Verhältnissen seines Heimatlandes zurück. Krasznahorkai ist ein wahrhaft europäischer und ein philosophischer Autor: Gewaltige Visionen einer anderen Welt durchziehen seine Bücher, Heilsversprechen bauen sich auf und stürzen in sich zusammen. In den Ritzen der Melancholie aber nistet der Humor. Ganz so, als würde es sich dabei um den eigentlichen Agenten eines freieren Lebens handeln“, so die Jury bestehend aus Xaver Bayer, Karin Cerny, Dr. Paulus Hochgatterer, Univ.-Prof. Dr. Klaus Kastberger und Mag.a Claudia Romeder.

Der Österreichische Staatspreis für europäische Literatur wird für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat. Dotation: 25.000 Euro.


Outstanding Artist Award für Literatur 2021: Der Outstanding Artist Award für Literatur geht heuer an Lisa Spalt.

„Wie Mikroskope richten Lisa Spalts literarische Werke den Blick auf das Funktionieren von Regeln und Narrationen – und immer wieder und vor allem auf die Sprache. Grimms Märchen können dabei ebenso Ausgangspunkt für ihre Wahrnehmungen und literarischen Analysen werden wie herumliegende Plastikpartikel. In ihren komplexen Texten wird aus der individuellen wie auch politischen Frage „Wie agieren in dieser Welt?“ eine immer neu herausfordernde Poetik des Widerstands“, so die Jury bestehend aus Gustav Ernst, Dr.in Brigitte Schwens-Harrant und Dr.in Anna Babka.

Der Outstanding Artist Award für Literatur wird jährlich an eine Autorin bzw. einen Autor der jüngeren oder mittleren Generation vergeben, die bzw. der bereits wichtige literarische Veröffentlichungen vorweisen kann. Der Award ist mit 10.000 Euro dotiert.

Österreichische Kunstpreis für Literatur 2021: Der Österreichische Kunstpreis für Literatur wird Barbara Hundegger zuerkannt.

„Die in Innsbruck lebende Autorin Barbara Hundegger setzt in ihrer sprachmächtigen Arbeit die Poesie als Instrument ein, um einen offenen, klaren Blick auf die Realität zu werfen und diese gleichzeitig, oft mit feinem Humor, zu hinterfragen. Sie ist bestens vertraut mit den lyrischen Traditionen, die sie aufgreift, umdenkt und weitertreibt. Herrschaftsverhältnisse stehen dabei genauso im Mittelpunkt ihres literarischen Spiels wie die Phrasenhaftigkeit der Sprache des Alltags. Aber das Spiel mit und um Sprache ist keinem Selbstzweck geschuldet, sondern stellt ein probates Mittel der Analyse und Erkenntnis dar, auch vor einem (gesellschafts)politischen und feministisch geprägten Hintergrund“, so die Jury bestehend aus Mag. Robert Huez, Dr.in Daniela Strigl und Dr. Anton Thuswaldner.

Der Österreichische Kunstpreis für Literatur wird für das literarische Gesamtwerk einer österreichischen Autorin bzw. eines österreichischen Autors vergeben und ist mit 15.000 Euro dotiert.

Österreichische Staatspreis für Literaturkritik 2021: Der biennal vergebene Österreichische Staatspreis für Literaturkritik geht an Stefan Gmünder. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

„Stefan Gmünder zeigt sich in seiner Auseinandersetzung mit Literatur stets als ein unbestechlicher Leser. Als einer, der der Literatur immer auf Augenhöhe begegnet. Dass er Poesie und Politik, Literatur und Leben nicht als getrennte Bereiche ansieht: davon zeugt seine gesamte literaturkritische Arbeit. Radikale Präzision im Denken wie im Schreiben zeichnen seine Texte aus. Wenn Stefan Gmünder Literatur auf ihre sprachliche und existenzielle Tauglichkeit prüft, bedeutet das auf der Seite der Lesenden ein hohes Maß an Erkenntnisgewinn, niemals Eitelkeitsschau. Mit Stefan Gmünder wird der Österreichische Staatspreis für Literaturkritik an jemanden vergeben, dessen intellektuelle Stärke nicht zuletzt daran ablesbar ist, dass er sich in der Beschränktheit seiner Zeit nie gemütlich eingerichtet hat. Wodurch seine Arbeit als zutiefst diskursfördernd im demokratiepolitisch stärkenden Sinn zu verstehen ist“, so die Jury bestehend aus Mag.a Bettina Balàka, Mag.a Dr.in Katja Gasser und Annette Knoch.

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Mag. Heike Warmuth
Pressesprecherin der Staatssekretärin für Kunst und Kultur
+43 6646104501
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