Zeichen der Anerkennung zum Internationalen Tag der Roma

IHRA-Arbeitsdefinition von Antiziganismus angenommen

Wien (OTS/Nationalfonds) - Der 8. April ist der Internationale Tag der Roma – ein bedeutender Tag, wenn es um die Sensibilisierung für die Wahrnehmung von Menschen geht, für die der oft negativ konnotierte Begriff „Zigeuner“ in der Alltagssprache noch immer allzu geläufig ist. Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, wurde in London der erste Welt-Roma-Kongress abgehalten, ein erster großer Schritt für die Rechte dieser Bevölkerungsgruppe.

Einen Tag vor dem internationalen Tag der Roma 2021 hat nun in Österreich der Ministerrat die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (International Holocaust Remembrance Alliance – IHRA) angenommen und damit ein wichtiges Signal gesetzt.

Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds, dessen zentrale Aufgabe seit 1995 die Anerkennung aller Opfergruppen ist, betont: „Die Diskriminierung von Menschen und Bevölkerungsgruppen ist ein Warnsignal im Hinblick auf den Zustand einer Gesellschaft. Die möglichen Folgen wurden im Nationalsozialismus nur allzu deutlich sichtbar. Darum ist es so dringlich, nicht nur gegen Antisemitismus, sondern gegen Ausgrenzung jeder Art entschieden vorzugehen.“

Bis heute ist Antiziganismus ein zu wenig beachtetes Phänomen auch in Österreich. Die durch die IHRA unter maßgeblicher Mitwirkung Österreichs erarbeitete Arbeitsdefinition ist ein Mittel, ihn zu erkennen und zu benennen. Die Definition, die den Begriff „Sinti und Roma“ als „Oberbegriff für verschiedene verwandte sesshafte oder nicht sesshafte Gruppen“ verwendet, besagt:

„Antiziganismus manifestiert sich in individuellen Äußerungen und Handlungen sowie institutionellen Politiken und Praktiken der Marginalisierung, Ausgrenzung, physischen Gewalt, Herabwürdigung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hassreden, die gegen Sinti und Roma sowie andere Einzelpersonen oder Gruppen gerichtet sind, die zur Zeit des Nationalsozialismus und noch heute als ‚Zigeuner‘ wahrgenommen, stigmatisiert oder verfolgt wurden bzw. werden. Dies führt dazu, dass Sinti und Roma als eine Gruppe vermeintlich Fremder behandelt werden, und ihnen eine Reihe negativer Stereotypen und verzerrter Darstellungen zugeordnet wird, die eine bestimmte Form des Rassismus darstellen.“

Im Ministerratsvortrag wurde die Annahme der Arbeitsdefinition von Antiziganismus als „ein wichtiger Schritt in der internationalen Anerkennung des Genozids an den Roma und Sinti“ bezeichnet, „ein starkes Bekenntnis der IHRA-Mitgliedsstaaten, Diskriminierung, Gewalt und Hetze gegen Roma und Sinti entschieden zu begegnen.“ Die Annahme der Arbeitsdefinition von Antiziganismus wird nun dem Nationalrat und Bundesrat zur Kenntnisnahme und allfälligen weiteren Behandlung zugeleitet.

Veranstaltung zum Internationalen Tag der Roma am 8. April in Wien

Der Verein „Voice of Diversity“ organisiert am 8. April eine international besetzte Podiumsdiskussion mit anschließendem Konzert des Harri Stojka Roma Musik Ensemble. Vor dem Hintergrund einer neuen EU-Rahmenstrategie zur Gleichstellung, Inklusion und Partizipation von Roma diskutieren die Podiumsgäste – über ihre persönliche Vision für ein gleichberechtigtes Leben in Europa 2030 und wie sie mir ihrer Arbeit und persönlichem Einsatz dazu beitragen, die Lebensrealität von Roma zu verbessern. Die gegenwärtigen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Roma und Sinti werden ebenfalls beleuchtet. Die vom Nationalfonds unterstützte Veranstaltung wird virtuell via Livestream auf www.voiceofdiversity.at übertragen.

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