Grüne Wien/Berner: „Arbeitsstipendien für Kulturbereich sind langfristige Projektförderung und kein Sozialalmosen“

Wien (OTS) - Der Kulturbereich leidet weiterhin stark unter der Corona-Pandemie, eine Änderung der Situation ist so bald nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund wäre es sinnvoll und notwendig, die im Frühjahr 2020 von der Stadt Wien eingerichteten Arbeitsstipendien für den Kultur und Wissenschaftsbereich neuerlich auszuschreiben. „Der im Jahr 2020 festgestellte Bedarf von über 2300 Stipendien kann mit den derzeit beschlossenen 12 Stipendien pro Sparte nicht gedeckt werden“, so Gemeinderätin Ursula Berner von den Grünen Wien.

Auch wenn der Bund Maßnahmen für Einzelpersonen im Kulturbereich anbietet (etwa den Überbrückungsfinanzierungs-Fonds für selbständige Künstler*innen, den Härtefallfonds, den einmaligen Lockdown-Bonus für freischaffende Künstler*innen und den COVID-19-Fonds des Künstler-Sozialversicherungsfonds), können diese jedoch nicht alle prekären Situationen bei Künstler*innen verhindern. Auch Wissenschafter*innen haben lockdownbedingte Schwierigkeiten, beispielsweise fehlt es am Zugang zu forschungsrelevanten Ressourcen.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 hat die Gemeinde Wien Arbeitsstipendien eingerichtet, die schrittweise mit insgesamt 6,3 Mio. Euro dotiert waren. Der zweite, dritte und vierte Lockdown und die mehrmonatige Schließung von Kulturinstitutionen machen es nun notwendig, auch 2021 Arbeitsstipendien anzubieten. „Diese sollen den künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeits- und Schaffensprozess wieder anregen, um eine florierende Landschaft von Kultur und Wissenschaft in der Zeit nach der Corona-Krise zu ermöglichen“, so Berner.

„Ziel ist es auch, in die Kulturförderung mehr Nachhaltigkeit zu implementieren – und Wiederaufnahmen einen ähnlichen Stellenwert einzuräumen wie Neuproduktionen. Es ist eine Chance, scheinbar Bekanntes aus neuem Blickwinkel zusehen: Durch längeres Arbeiten an einem Thema mehr Aspekte herauszuarbeiten, mehr Ebenen anzusprechen - das kann Zeit brauchen“. Arbeitsstipendien sind also nicht als Sozialunterstützung anzusehen, sondern können helfen, eingeübte Praxen zu hinterfragen: „Wer gefördert werden will, muss was Neues zeigen. Innovation und damit Schnelllebigkeit steht vor Wiederaufnahme. Das „Immer mehr, immer öfter, immer schneller“ – der Zwang sich dauernd neu zu erfinden ist auch in den Kulturproduktionen angekommen und wird von der derzeitigen Förderstruktur unterstützt. In Deutschland wird das unter dem Titel „bulimische Kunstproduktion“ diskutiert. Mehrmonatige Arbeitsstipendien für Projektentwicklung könnten hier Abhilfe schaffen. Es wäre ein Weg, die Förderlandschaft an die realen Bedingungen der im Kulturbereich Arbeitenden anzupassen“, betont Berner.

Die Grünen Wien fordern die Bereitstellung der notwendigen Finanzmittel, um 3.000 Arbeitsstipendien für Wiener Kulturschaffende und Wissenschafter*innen im ersten Halbjahr 2021 zu ermöglichen, die in Umfang und Rahmenbedingungen den im Jahr 2020 angebotenen Arbeitsstipendien möglichst entsprechen.

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