- 01.04.2021, 15:38:47
- /
- OTS0139
ORF trauert um Hugo Portisch
Wrabetz: „Einer der bedeutendsten Journalisten der Zweiten Republik und eine der prägendsten Persönlichkeiten des ORF“; heute Hauptabend-Änderungen in ORF 2 und ORF III
Utl.: Wrabetz: „Einer der bedeutendsten Journalisten der Zweiten
Republik und eine der prägendsten Persönlichkeiten des ORF“;
heute Hauptabend-Änderungen in ORF 2 und ORF III =
Wien (OTS) - Hugo Portisch ist tot. Der „Geschichtslehrer der
Nation“, der mit seinen Analysen, Dokumentationen und seinen
bahnbrechenden Leistungen der Zeitgeschichte wie den ORF-Serien
„Österreich I & II“ maßgeblich zu einem differenzierteren
Selbstverständnis der Zweiten Republik beigetragen hat, ist im Alter
von 94 Jahren verstorben. Der ORF verliert einen seiner klügsten
Journalisten, Analytiker des Weltgeschehens und einen der
vehementesten Proponenten für einen reformierten Rundfunk, ohne den
die Institutionalisierung des unabhängigen Journalismus als wichtige
demokratiepolitische Kontrollinstanz jahrelang Chimäre geblieben
wäre.
ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz:„Hugo Portisch war einer
der bedeutendsten Journalisten in derGeschichte der Zweiten Republik
und eine der prägendsten undwichtigsten Persönlichkeiten in der
Geschichte des ORF. Für MillionenÖsterreicherinnen und Österreicher
war er über Jahrzehnte der besteVermittler von internationalen und
historischen Zusammenhängen. Mitden großen Dokumentationsreihen „
Österreich I & Österreich II“ setzteer Maßstäbe für die Aufarbeitung
der österreichischen Zeitgeschichte.In den letzten Jahren hat er „
Österreich I & II“ für ORF IIIüberarbeitet und im Lichte der neuesten
historischen Erkenntnisseaktualisiert. Bis zuletzt arbeitete er an
einer Dokumentation übersein aktuelles Buch „Russland und wir: Eine
Beziehung mit Geschichteund Zukunft“. Als Vater des ORF-
Volksbegehrens hat Hugo Portisch diebis heute gültigen Grundlagen
eines journalistisch unabhängigen ORFgeschaffen und war durch seine
Haltung und sein journalistischesWirken Vorbild für viele
Journalistengenerationen. Diese großenVerdienste machen Hugo Portisch
unvergessen.“
Der am 19. Februar 1927 in Bratislava geborene Dr. Hugo Portisch
studierte in Rekordzeit Geschichte, Germanistik, Anglistik und
Publizistik. Bereits 1948 begann er als Redaktionsaspirant der
„Wiener Tageszeitung“, zwei Jahre später wurde er Leiter der
Außenpolitik. Nach einer Zwischenstation als Leiter des
Österreichischen Informationsdienstes in New York begleitete Portisch
in einem kurzen, aber historisch bedeutsamen Zeitraum Bundeskanzler
Julius Raab als Pressesprecher bei Staatsbesuchen in den USA.
1955 holte ihn Hans Dichand, damals Chefredakteur, als Stellvertreter
in den neugegründeten „Kurier“. Nach Dichands Abgang aus der damals
größten Tageszeitung wurde Portisch 1958 Chefredakteur.
Portisch war maßgeblicher Unterstützer des erfolgreichen
Rundfunkvolksbegehrens 1964, das in die Rundfunkreform unter
Generalintendant Gerd Bacher mündete. 1967 wechselte Portisch als
Chefkommentator in den ORF. Er wurde eines der Aushängeschilder der
Bacher'schen Informationsoffensive. Meilensteine dieser Offensive
waren die beiden monumentalen historischen TV-Serien „Österreich I“
und „Österreich II“ von Hugo Portisch und Sepp Riff, die der
Aufarbeitung der jungen und jüngsten Geschichte Österreichs galten,
insgesamt 43 Folgen, die in vier Büchern gleichnamiger Titel ihren
Niederschlag fanden. 2013 brachte er für ORF III eine umfassende
Neuauflage beider Dokumentarreihen heraus. Fachkundig unterstützt von
Historiker Oliver Rathkolb wurde in monatelanger Arbeit nicht nur das
Bildmaterial qualitativ auf den neuesten Stand gebracht, sondern auch
Moderationen neu aufgenommen und inhaltliche Details ergänzt.
Herausgebracht als DVD-Editionen wurden die Filme mit Platin bzw.
Gold ausgezeichnet.
Ende der achtziger Jahre blickte Portisch – zusammen mit Henry
Kissinger – in einer großen, in 32 Ländern ausgestrahlten
Dokumentation auf den „Zweiten Weltkrieg“ zurück. Anfang der
Neunziger beschäftigte sich Portisch in einem Vierteiler („Hört die
Signale“) mit Aufstieg und Fall des Sowjetkommunismus. Auch dieser
Mehrteiler wurde 2014 für ORF III anlässlich des 25-jährigen
Jubiläums des Falls des Eisernen Vorhangs inhaltlich und technisch
neu überarbeitet und um aktuelle politische Entwicklungen in Russland
einschließlich der Ukrainekrise ergänzt.
Hugo Portisch widmete sich aber nicht nur der Geschichtsaufarbeitung,
wie etwa in der fünfteiligen Reihe „Schauplätze der Zukunft“, in der
er sich mit der Zukunft der Arbeit beschäftigte, seine
Hochglanz-Porträts über die Supermächte USA, Russland und China
setzten sich ebenso mit Zukünftigem auseinander – meist vor einem
Millionenpublikum.
Im „Gedankenjahr 2005“ lieferte er mit der vierteiligen Reihe „Die
Zweite Republik – Eine unglaubliche Geschichte“ einen großen
Reichweitenerfolg.
Im Zuge des Senderstarts von ORF III nahm Hugo Portisch seine
Tätigkeit für den öffentlichen Rundfunk neu auf und gestaltete im
Rahmen der „zeit.geschichte“ neben seinen Aufarbeitungen der bereits
erwähnten Reihen „Österreich I“, „Österreich II“ und „Hört die
Signale“ zahlreiche (mehrteilige) Dokumentationen, die das
Geschichtsbewusstsein Österreichs maßgeblich prägten. Darunter die
dreiteilige Verfilmung seiner Biografie „Aufregend war es immer“ im
Jahr 2017 anlässlich Portischs 90. Geburtstags sowie 2018 die
vierteilige ORF-III-Dokumentarreihe „Hugo Portisch – Die Welt und
wir“, in der sich der langjährige Chefkommentator des ORF den
Großmächten der Weltpolitik – USA, Russland, China und Europa –
widmete und deren politische Entwicklungen in den vergangenen
Jahrzehnten rekapitulierte. 2019 ergründete Portisch für ORF III
anlässlich der EU-Wahl in einer vierteiligen Dokureihe „Die Geburt
Europas“. Bis zuletzt arbeitete Portisch für ORF III an einer
weiteren, zweiteiligen Dokumentation, die sich, basierend auf seinem
im September 2020 veröffentlichten Buch „Russland und wir“ mit den
Verbindungen zwischen Russland und Österreich beschäftigt und die
bewegte Geschichte des Landes mit reichem Wissen und aus persönlichem
Erleben darstellt. Die Dokumentation soll unter der Regie von Kurt
Mayer posthum fertiggestellt werden und 2021 dem ORF-III-Publikum
präsentiert werden.
Für seine journalistischen Leistungen erhielt Portisch als einer von
wenigen Journalisten zweimal die Goldene Kamera, zweimal den
Fernsehpreis der Österreichischen Volksbildung, dreimal den
Fernsehpreis Romy, den Axel-Corti-Volksbildungspreis, den
Toleranzpreis des österreichischen Buchhandels, den Österreichischen
Staatspreis, den Dr.-Karl-Renner-Preis für Publizistik, den
Theodor-Innitzer-Preis für den wissenschaftlichen Film und den
Dr.-Karl-Renner-Preis der Stadt Wien in Anerkennung seines Beitrags
zur politischen Bildung und kritisch und mediendidaktisch
aufbereiteten Zeitgeschichte. 2011 wurde er zudem mit dem
Concordia-Publizistikpreis für sein Lebenswerk geehrt.
ORF 2 und ORF III ändern heute im Hauptabend großflächig das
Programm. Details zu den Programmänderungen „in memoriam Hugo
Portisch“ folgen in Kürze.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRF






