Verdeckte Werbung für Edelmetallhändler in „OE24“

Wien (OTS) - Nach Meinung des Senats 3 verstößt der Artikel „Alte Goldkette verkaufen und kassieren“, erschienen in der Tageszeitung „OE24“ vom 28.10.2020, gegen die Punkte 3 (Unterscheidbarkeit) und 4 (Einflussnahmen) des Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Artikel wird über den hohen Goldpreis für Altgold berichtet. Beim Edelmetallhändler „philoro“ könne man Goldschmuck & Co. bequem verkaufen, heißt es im Vorspann. Im Hauptteil des Artikels wird festgehalten, dass sich alte Goldketten & Co. bequem in den Filialen oder über den Onlineshop von „philoro“ verkaufen lassen. Nützliche Tipps und Tricks dafür gebe es auf der Website „philoro.at“ – dort finde sich auch ein Altgoldrechner, der den Wert des „Goldschatzes“ gleich anzeige. Abschließend werden die Leserinnen und Leser dazu aufgefordert, sich für den Verkauf zu entscheiden, das Altgold bei philoro abzuliefern und dafür das Geld zu erhalten.

Ein Leser kritisierte, dass der Beitrag eine versteckte Werbung sei. Für eine Beeinflussung der Redaktion spreche nach Meinung des Lesers zudem, dass neben dem Beitrag ein ganzseitiges Inserat von „philoro“ veröffentlicht wurde. Die Medieninhaberin nahm nicht am Verfahren teil.

Der Senat hält zunächst fest, dass der Beitrag in Bezug auf sein Layout und Schriftbild wie ein redaktioneller Artikel gestaltet wurde. Darüber hinaus verweist der Senat auf die bisherige Entscheidungspraxis des Presserats, wonach es den Leserinnen und Lesern möglich sein muss, zwischen Werbung und redaktionellen Beiträgen unterscheiden zu können. Auch wenn eine Werbung allein aus Gefälligkeit erbracht wird, ist sie als solche zu kennzeichnen.

Im Folgenden prüft der Senat, ob im Beitrag werbliche Formulierungen überwiegen. Die Goldhandelsfirma „philoro“ wird im Artikel mehrmals genannt; das Unternehmen wird durchwegs positiv und völlig unkritisch dargestellt. Sowohl im Vorspann wie auch am Ende des Artikels sollen die Leserinnen und Leser dazu motiviert werden, ihr Altgold bei „philoro“ zu verkaufen. Darüber hinaus wird die Webseite des Unternehmens angeführt, um weitere Informationen zu erhalten. Nach Ansicht des Senats könnte der vorliegende Beitrag auch aus einer Werbebroschüre stammen.

Ein weiteres Indiz dafür, dass es hier zu einer Einflussnahme von außen beim Verfassen des Beitrags gekommen betrifft den Umstand, dass daneben ein ganzseitiges Inserat der Firma „philoro“ geschaltet wurde. In dem Zusammenhang merkt der Senat an, dass sich derselbe Leser auch noch wegen eines weiteren Beitrags zum Goldpreis in einer anderen Ausgabe von „OE24“ an den Presserat gewandt hat. In diesem Beitrag kommt der Firmenchef von „philoro“ mit einer Sachaussage zu Wort – für sich alleine genommen wäre das nicht zu beanstanden. Der Senat merkt jedoch kritisch an, dass allerdings auch hier unmittelbar daneben ein ganzseitiges Inserat der Firma „philoro“ geschaltet wurde. Auch dieses Beispiel zeigt, dass die Redaktion nicht die erforderliche journalistische Distanz zur Firma „philoro“ einhält.

Der im vorliegenden Verfahren zu prüfende Beitrag wurde von der Redaktion nach Meinung des Senats nicht unabhängig aufbereitet. Da der Beitrag im Hinblick auf das Layout und das Schriftbild wie ein redaktioneller Artikel gestaltet ist, hätte eine Kennzeichnung als „Werbung“, „Anzeige“ oder dergleichen erfolgen müssen. Im Ergebnis wurde die aus medienethischer Sicht erforderliche Unterscheidbarkeit zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten im Sinne der Punkte 3 und 4 des Ehrenkodex hier missachtet. Die Medieninhaberin von „oe24.at“ wird aufgefordert, über den festgestellten Ethikverstoß freiwillig zu berichten.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

Im vorliegenden Fall führte der Senat 3 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht.
Die Medieninhaberin der Rubrik „BUSINESS € Live“ von „OE24“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.

Die Medieninhaberinnen der Tageszeitung „Österreich“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Wolfgang Unterhuber, Sprecher des Senats 3, Tel.: 05 9030-22760

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