• 19.03.2021, 16:21:18
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  • OTS0177

Lackner: "Als Kirche homosexuelle Paare nicht alleine lassen"

Vorsitzender der Bischofskonferenz äußert sich zur jüngsten Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation: "Wenn in gleichgeschlechtlichen Beziehungen Werte wie Liebe, Freundschaft, Fürsorge oder Verantwortung gelebt werden, verdient dies Respekt und ein positives Echo der Kirche" - Aufruf zu innerkirchlichem Diskurs in Respekt und Besonnenheit

Utl.: Vorsitzender der Bischofskonferenz äußert sich zur jüngsten
Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation: "Wenn in
gleichgeschlechtlichen Beziehungen Werte wie Liebe,
Freundschaft, Fürsorge oder Verantwortung gelebt werden,
verdient dies Respekt und ein positives Echo der Kirche" -
Aufruf zu innerkirchlichem Diskurs in Respekt und Besonnenheit =

Salzburg (KAP) - "Als Kirche dürfen wir homosexuelle Paare jetzt
nicht alleine lassen." - Mit diesem Appell hat sich der Vorsitzende
der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, am
Freitagnachmittag zur jüngsten Erklärung der vatikanischen
Glaubenskongregation (15. März) zu Wort gemeldet. Wenn in
gleichgeschlechtlichen Beziehungen Werte wie Liebe, Freundschaft,
Fürsorge oder Verantwortung gelebt werden, verdiene dies Respekt und
ein positives Echo der Kirche, betonte der Vorsitzende der
Bischofskonferenz.

Die deutliche Stellungnahme der Glaubenskongregation, wonach die
Kirche keine Vollmacht habe, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen,
"war für mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar", hielt der
Erzbischof wörtlich fest. Und er fügte hinzu: "Dass hier durch die
Kirche gar keine rituelle Begleitung möglich ist, fällt schwer zu
glauben."

Gleichzeitig müsse man einer Glaubensgemeinschaft auch zugestehen,
eine Form des Zusammenlebens von zwei Menschen als Idealgestalt
anzusehen. Für die katholische Kirche sei das die Ehe zwischen Mann
und Frau - der Ort, wo die Weitergabe des Lebens geschieht. In
gleichgeschlechtlichen Partnerschaften könnten zwar einige, aber
nicht alle Dimensionen der Ehe gelebt werden. Ihm sei immer wichtig
gewesen, diese Differenz klar zu benennen, so Lackner.

Das Grundanliegen der Glaubenskongregation, das Besondere der
sakramentalen Ehe zwischen Mann und Frau zu schützen, "teile ich und
trage ich mit", so Lackner. Er bitte zudem zugleich alle in der
Seelsorge tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, "mit betroffenen
Paaren über die Enttäuschung, die dieser Entscheidung bei ihnen
ausgelöst hat, ins Gespräch zu kommen. Als Kirche dürfen wir
homosexuelle Paare jetzt nicht alleine lassen."

Im Blick auf den innerkirchlichen Diskurs rief der Vorsitzende der
Bischofskonferenz zur "Besonnenheit in der Kommunikation" auf. "Wir
werden weiterhin über diese Entscheidung und ihre Folgen reden
müssen, aber wir sollten dies in respektvoller Art und Weise tun", so
Lackner.

Kirchlicherseits finde seit Jahren eine rege Diskussion statt, ob und
in welcher Weise die katholische Kirche einen Segen über
gleichgeschlechtliche Partnerschaften sprechen könne, so Lackner
weiter. Auch in der Theologischen Kommission der österreichischen
Bischofskonferenz werde darüber "intensiv und kontrovers" beraten. Er
selbst habe bei seinem letzten Rombesuch Sehnsüchte und Nöte
homosexueller Paare angesprochen, berichtete der Vorsitzende der
Bischofskonferenz. Und er fügte wörtlich hinzu: "Grundprinzip meines
theologischen Ringens war und ist: Kirche muss den Menschen von heute
so weit als möglich entgegengehen."

Kathpress dokumentiert die Erklärung von Erzbischof Lackner im
Wortlaut:

"In den letzten Jahren verdichtete sich die Diskussion um
gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Durch ein Urteil des
Verfassungsgerichtshofs wurde die zivile 'Ehe' für alle geöffnet.
Kirchlicherseits findet seit Jahren eine rege Diskussion statt, ob
und in welcher Weise die katholische Kirche einen Segen über
gleichgeschlechtliche Partnerschaften sprechen kann. Auch in der
Theologischen Kommission der österreichischen Bischofskonferenz wird
darüber intensiv und kontrovers beraten. Ich selbst habe bei meinem
letzten Rombesuch Sehnsüchte und Nöte homosexueller Paare
angesprochen. Grundprinzip meines theologischen Ringens war und ist:
Kirche muss den Menschen von heute so weit als möglich entgegengehen.

Wenn in gleichgeschlechtlichen Beziehungen Werte wie Liebe,
Freundschaft, Fürsorge oder Verantwortung gelebt werden, verdient das
Respekt und ein positives Echo der Kirche. Dass hier durch die Kirche
gar keine rituelle Begleitung möglich ist, fällt schwer zu glauben.

Gleichzeitig muss man einer Glaubensgemeinschaft auch zugestehen,
eine Form des Zusammenlebens von zwei Menschen als Idealgestalt
anzusehen. Für die katholische Kirche ist das die Ehe zwischen Mann
und Frau - der Ort, wo die Weitergabe des Lebens geschieht. In
gleichgeschlechtlichen Partnerschaften können zwar einige, aber nicht
alle Dimensionen der Ehe gelebt werden. Mir war immer wichtig, diese
Differenz klar zu benennen.

Nun hat die Glaubenskongregation erklärt, die Kirche habe keine
Vollmacht, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Diese deutliche
Stellungnahme war für mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar.
Das Grundanliegen der Kongregation, das Besondere der sakramentalen
Ehe zwischen Mann und Frau zu schützen, teile ich und trage ich mit.

Ich bitte alle in der Seelsorge tätigen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, mit betroffenen Paaren über die Enttäuschung, die dieser
Entscheidung bei ihnen ausgelöst hat, ins Gespräch zu kommen. Als
Kirche dürfen wir homosexuelle Paare jetzt nicht alleine lassen.

Was den weiteren innerkirchlichen Diskurs angeht, so möchte ich zur
Besonnenheit in der Kommunikation aufrufen. Wir werden weiterhin über
diese Entscheidung und ihre Folgen reden müssen, aber wir sollten
dies in respektvoller Art und Weise tun.

Bei allen Unterschieden: Wir haben einen gemeinsamen Auftrag. "

((ende)) GPU
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