TIROLER TAGESZEITUNG, Kommentar: "Vermutung der Veräppelung", Ausgabe vom 5. März 2021 von Karin Leitner.

Innsbruck (OTS) - Er habe keinen Laptop gehabt. Das sagte Finanzminister Gernot Blümel den Mandataren im Vorjahr im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu seiner Funktion als ÖVP-Regierungskoordinator in der türkis-blauen Koalition; geschredderte Festplatten des Kanzleramts waren auf der Agenda.
Eine erstaunliche „Tatsache“ in digitaler Zeit – und für einen Mann in solcher Position. Dass er kein derartiges Gerät hat, sagt Blümel, mittlerweile Beschuldigter in der Causa Novomatic, nicht mehr. Er hat eines, das seine Frau und er benutzen.
Am 11. Februar, als es die Razzia bei Blümel gab, war der Laptop nicht in dessen Heim. Seine Partnerin, so ist aus dem Bericht der Ermittler, der dem Standard vorliegt, zu entnehmen, geht just während der Hausdurchsuchung spazieren. Sie hat nicht nur das Kind, sondern auch das Halbe-halbe-Apple-Macbook dabei. Blümel ruft sie an. Und so wird der Laptop nicht ganz zack, zack, zack „durch einen Mitarbeiter nach Abholung in einer Haltestelle zurück zur Wohnung gebracht“. Der Lieferant ist Blümels Kabinettschef.
Türkis-Fans versuchen das als normalen Vorgang zu erklären. Eine Aficionada schreibt auf Twitter: „Viele Eltern nehmen Laptop oder Tablet mit, wenn sie mit den Babys unterwegs sind – zum Musikhören.“ Für Herrn Blümel gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Beobachter der Szenerie vermuten aber auch anderes: dass sie veräppelt werden.

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