Nehammer: Großer Erfolg im Kampf gegen Gewalt und Drohungen im Netz

Seit 2018 massiver Anstieg an Massenerpressungs-E-Mails; Cyber-Ermittler-Team soll verdoppelt werden – Sechs Täter ausgeforscht, einer in Deutschland in Haft

Wien (OTS) - „Kriminalität verlagert sich immer mehr von der Straße ins Internet – das ist ein Trend, den wir bereits seit Jahren beobachten. Die Zahl der Cyber-Ermittler des Bundeskriminalamts wird daher verdoppelt werden. Der Kampf gegen Gewalt und Drohungen im Netz muss mit besonderer Entschlossenheit geführt werden. Den Cyber-Ermittlerinnen und Ermittlern ist durch akribische und entschlossene Arbeit ein großartiger Erfolg gelungen – dafür mein aufrichtiger Dank“, sagte Innenminister Karl Nehammer anlässlich des Ermittlungserfolges des Bundeskriminalamtes (BK) im Bereich von Droh- und Erpressungs-E-Mails. Sechs Täter konnten ausgeforscht werden, die in den vergangenen zwei Jahren österreichische Unternehmen durch Bombendrohungen bzw. manipulierte Fotos zu erpressen versuchten.

Sechs internationale Täter ausgeforscht

Fünf Expertinnen und Experten des Bundeskriminalamts haben seit Beginn des Jahres 2019 insgesamt 5.326 Fälle übernommen und analysiert, um Zusammenhänge zwischen den einzelnen Vorkommnissen zu erkennen und neue Ermittlungsansätze zu erarbeiten. Fast zwei Jahre später kann erfolgreich Resümee gezogen werden: Die tausenden Einzelfälle konnten an Hand des festgestellten Tat- bzw. Serienzusammenhangs in große zusammengehörige Akte zusammengefasst und in 82 Anzeigen an die Staatsanwaltschaft übermittelt werden. Zusätzlich wurden sechs Tatverdächtige, unter anderem aus Deutschland, Italien, Portugal und St. Petersburg in Russland, ausgeforscht. Die Ermittlungen gestalteten sich als sehr schwierig und langwierig, da die Erpresser-E-Mails nicht von natürlichen Personen mittels E-Mail-Programmen, sondern von einer Schadsoftware automatisch erzeugt und durch ein Botnet versendet werden, wodurch der ursprüngliche Absender verschleiert wird.

Bombendrohungen in ganz Europa

Im Zuge der Analysen der einzelnen Erpressungs-E-Mails konnten bislang mehrere Spam-Kampagnen identifiziert werden. Für besonderes Aufsehen sorgte die europaweite Erpressungsserie, bei der in der Nacht von 24. auf den 25. September 2020 eine Droh-E-Mail an zahlreiche österreichische Firmen vom Absender „Lumba Attack Squad“ verschickt wurde. In dieser E-Mail wurde in englischer Sprache mit einer versteckten Bombe im Unternehmen gedroht, die explodieren würde, wenn der Betrag von 1,99 Bitcoin (damals rund 20.000 US-Dollar) nicht auf die angegebene Bitcoin-Adresse einbezahlt werde. Insgesamt wurden 408 derartige Droh-E-Mails in Österreich festgestellt, die große Auswirkungen auf das öffentliche Leben hatten. Nach Anzeigen bei der Polizei wurden in ganz Österreich zahlreiche Gebäude geräumt, Straßen gesperrt und mit Sprengstoffexperten sowie Suchhunden nach den Bomben gesucht. Die weiteren Untersuchungen der Ermittler im BK zeigten, dass die Droh-E-Mails über einen kanadischen Server verschickt wurden. Ein indonesischer Staatsangehöriger konnte als Verdächtiger ausgeforscht werden. Weitere Ermittlungen laufen noch.

Erpressung mit manipulierten Fotos

Im Zuge einer weiteren Spam-Welle kopierten die Kriminellen das Bild des Firmenchefs von der Firmen-Webseite auf eine einschlägige Webseite, die Online-Kindesmissbrauch beinhaltet. Anschließend wurden die Firmenchefs mit der Veröffentlichung der manipulierten Bilder erpresst. Von dieser Spam-Attacke waren insgesamt 376 österreichische Firmen betroffen. Der zwischenzeitlich ausgeforschte Verdächtige, ein 45-jähriger deutscher Staatsangehöriger, sitzt bereits in Deutschland in Haft.

Ermittlerteam zu Erpressungs-E-Mails

2018 registrierte die österreichische Polizei einen rasanten Anstieg an massenhaft ausgesendeten Erpressungs-E-Mails. Die Absender drohten den Opfern mit der Veröffentlichung von diskreditierenden Videos, wenn nicht ein bestimmter Betrag in Kryptowährung bezahlt werde. Daraufhin wurde im Februar 2019 im BK ein eigenes Ermittlerteam aus fünf Experten eingerichtet. Sie etablierten eine einheitliche Vorgehensweise bei der Analyse, Fallbearbeitung und den Ermittlungen und übernahmen österreichweit alle angezeigten Fälle. Dadurch konnten weitere Wellen rascher identifiziert und Einzeltaten entsprechend zusammengeführt werden.

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