- 22.02.2021, 07:00:01
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Greenpeace: Illegal nach Malaysia exportierter Plastikmüll zurück in Österreich
Umweltschutzorganisation fordert rasche Untersuchung des Mülls durch Behörden und ein weitreichendes Verbot für Müllexporte
Utl.: Umweltschutzorganisation fordert rasche Untersuchung des Mülls
durch Behörden und ein weitreichendes Verbot für Müllexporte =
Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßt, dass
rund 100 Tonnen jenes Plastikmülls wieder in Österreich eingetroffen
sind, der voriges Jahr illegal nach Malaysia gelangte. Im Oktober
2020 hatte Greenpeace gemeinsam mit einem Team von ORF ZIB 2 und
orf.at aufgedeckt, dass über 700 Tonnen nicht-recycelbarer und mit
Chemikalien belasteter Plastikmüll aus Österreich illegal nach
Malaysia exportiert und dort teilweise deponiert wurden. Die
österreichischen Behörden ließen die wenigen noch im Zoll
verbliebenen Müll-Container für eine Laboruntersuchung durch das
Umweltbundesamt zurückführen. Heute haben Beamte des
Umweltministeriums Proben aus den Containern entnommen, die in den
kommenden Wochen auf ihren Chemikalien-Gehalt untersucht werden. Das
Ergebnis der Analyse wird auch über ein etwaiges Strafmaß für die am
Export beteiligten österreichischen Unternehmen entscheiden.
Greenpeace fordert eine rasche und transparente Aufklärung des Falls
durch die Behörden. Der Export von Abfällen in Staaten mit
niedrigeren Umweltstandards als Österreich müsse verboten werden, so
die Umweltschutzorganisation.
“Es ist ein ökologischer Skandal und Irrsinn, Abfälle über
zehntausende Kilometer aus Österreich in ein ärmeres Land mit
niedrigeren Umweltstandards zu verschiffen. Gerade aus Malaysia
kennen wir viele Beispiele, wo die Verarbeitung oder Deponierung von
importiertem Müll Menschen krank macht und Meere, Flüsse und die
Natur verschmutzt. Wir brauchen dringend strenge Kontrollen, die
sicherstellen, dass Unternehmen Verantwortung für ihren Müll
übernehmen und ihre Abfälle umweltverträglich in Österreich
verarbeiten”, fordert Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in
Österreich.
Insgesamt wurden allein im Vorjahr 28 Container mit Plastikmüll
illegal aus Österreich nach Malaysia exportiert. Da der kontaminierte
Müll dort nicht recycelt werden konnte, landeten Teile davon
schließlich auf einer Deponie. Vier Container mit rund 100 Tonnen
Plastikmüll blieben im Zoll stecken und wurden von den
österreichischen Behörden zurückgeholt. ExpertInnen des
Umweltbundesamts werden in den nächsten Wochen die Abfälle
untersuchen, um festzustellen, mit welchen Chemikalien sie belastet
sind und in welcher heimischen Anlage sie umweltgerecht entsorgt
werden sollen.
Interpol warnt, dass immer mehr Plastikmüll weltweit illegal
gehandelt und in Ländern des Globalen Südens nicht fachgerecht
entsorgt wird. Seit China 2018 die Einfuhr von Kunststoffmüll
gestoppt hat, verlagert sich der globale Plastikmüll-Strom in
südostasiatische Länder wie Malaysia. Mit der
EU-Kreislaufwirtschaft-Strategie versucht die Europäische Kommission
nun, die Müllmengen in der EU zu reduzieren. Um die neuen
Recycling-Vorgaben der EU ohne hohe Kosten zu erreichen, exportieren
jedoch viele Unternehmen ihren Müll. Offiziell wurden 2019 aus der EU
1,7 Millionen Tonnen Plastikmüll exportiert - die inoffizielle Zahl
wird noch viel höher geschätzt. Unternehmen in Asien oder Afrika
stellen dafür mitunter falsche Zertifikate aus, die vermeintlich
bestätigen, dass der Müll dort recycelt wird. Ein Teil landet jedoch
auf illegalen Deponien. In Boden- und Wasserproben in der Nähe von
illegalen Deponien in Malaysia hat Greenpeace 2019 giftige Substanzen
wie Blei, Cadmium, Phthalate, bromierte und chlorierte
Flammschutzmittel gefunden.
“Die Bundesregierung muss dem dreckigen Geschäft mit dem Müllhandel
insgesamt einen Riegel vorschieben und sich auf EU-Ebene für
restriktive, einheitliche Müllexport-Verbote einsetzen. Der Export
von Abfällen in Staaten mit niedrigeren Umweltstandards als
Österreich muss gestoppt werden und das Verbot muss streng
kontrolliert werden. Um die Müllberge wirksam zu reduzieren, müssen
Abfälle vermieden und die Lebensdauer von Produkten drastisch
verlängert werden. Produkte müssen so designt werden, dass sie keine
Materialien enthalten, die nicht wiederverwendet oder wiederverwertet
werden können. Das bedeutet zum Beispiel, dass weniger Chemikalien in
Kunststoffen zugelassen werden sollen, dass wir Verpackungen
wiederverwenden und Elektrogeräte reparieren können”, so Panhuber.
SERVICE
Bildmaterial (Symbolbilder) finden Sie unter: https://bit.ly/3dM3Po7
Das Fotomaterial steht unter Angabe der Credits (im Bildtitel
vermerkt) für die redaktionelle Nutzung kostenlos zur Verfügung.
Greenpeace-Recherche zu illegalem Müllhandel: http://bit.ly/2MJCwBG
Greenpeace-Bericht “Der Recycling Mythos 2.0 - Toxische Nachwirkungen
von importiertem Plastikmüll in Malaysia”: https://bit.ly/35mPP0j
Interpol-Bericht zu illegalem Plastikhandel: https://bit.ly/37pACy2
Information zur neuen Regelung von Kunststoffabfall-Exporten in der
Basel Konvention:
http://www.basel.int/Implementation/Plasticwaste/PlasticWasteAmendmen
ts/Overview/tabid/8426/Default.aspx
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