Wir können die Lehrenden nicht zur Prüfung tragen

Die TU Wien schafft es immer noch nicht, sinnvolle Online-Prüfungsmodalitäten anzubieten.

Wien (OTS) - Nach zwei Semestern Pandemie ist noch immer kein vernünftiger Prüfungsbetrieb auf der TU Wien möglich. Von Seiten der Lehrenden herrscht Unwilligkeit, diese Situation für das anstehende dritte “Corona-Semester” zu verbessern.

Es wird schon wieder darüber diskutiert, ob nicht Prüfungen entgegen dem Gesetz bis zur “Post-Lockdown” Zeit abgesagt werden sollten - wann auch immer diese beginnen möge. Bis dahin behelfen sich Lehrende mit Online-Prüfungen, zumindest jene, die versuchen, ihren gesetzlichen Lehrauftrag zu erfüllen.

Vereinzelt werden Prüfungen in einem studierendenfreundlichen Modus in Form von “take-home-exams” oder als “open-book”-Prüfungen realisiert, die Verständnis und Anwendung des Stoffes abprüfen. Auf der anderen Seite wird auf veraltete Prüfungsmodi aus dem 19.Jahrhundert bestanden, bei denen Studierende unter Dauerbeobachtung gestellt werden. Dass gegenüber den Studierenden ein Generalverdacht auf Schummeln besteht, ist leider nichts Neues, mit den aktuellen Prüfungsmodalitäten hat die ganze Situation jedoch eine neue Dimension erreicht. Es stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar, wenn Online-Prüfungen unfreiwillig aufgezeichnet werden und diese Aufzeichnung gar als Prüfungsvoraussetzung gilt. Selbst die hausinterne Juristin deklariert diesen Umstand als rechtswidrig, doch wird dieser Fakt weiten Feldes ignoriert. Viele Lehrende kochen ungeachtet der Legalität ihr eigenes Süppchen und setzen sich über die Rechte der Studierenden auf Datenschutz und Privatsphäre einfach hinweg. Die Raumanforderungen an Studierende werden derart absurd gestellt und ausgelegt, dass eine Lehrkraft gar vorgeschlagen hat, man solle sich aufgrund eines zu kleinen Zimmers doch in ein Hotel einmieten. Die Krönung bringt hier die TU Wien selbst, indem diese Vorgehensweise der Auferlegung von studierendenfeindlichen Bedingungen als “Best Practice” deklariert wird - vermutlich weil man selbst keinen besseren Plan hat.

“Viele Studierende nehmen es wahrscheinlich in Kauf, ihre Privatsphäre derart zu opfern, um überhaupt Prüfungen machen zu dürfen, aber das darf in keinem Fall ein Normalzustand sein, geschweige denn ein Best Practice Beispiel an der TU Wien”, so Lisa Korner, Vorsitzende der HTU Wien.

Weiter geht es damit, dass Studierende in manchen Fällen bis zu drei internetfähige Endgeräte inklusive Kamera besitzen müssen, damit auch wirklich jeder Winkel des Raumes überwacht werden kann. Gerade jene, die einfach nicht die finanziellen Mittel haben, mehr als ein Endgerät zu besitzen, haben hier keine Chance auf einen erfolgreichen Studienfortschritt. Ein weiteres großes Problem ist in vielen Fällen die mangelnde Kommunikation seitens der Lehrenden. Vor allem betreffend der Planungssicherheit werden Studierende häufig alleine gelassen und erhalten erst im letzten Moment die benötigten Informationen. Die Ungewissheit, ob eine Prüfung nun aufgrund der gestellten technischen und räumlichen Anforderungen absolviert werden kann, nagt massiv an den ohnehin schon stark geforderten Studierenden.

All das stellt für Studierende eine enorme psychische Belastung dar. Denn niemand würde gerne einer fremden Person eine Führung durch die eigene Wohnung geben und sich dadurch virtuell gänzlich preisgeben.

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Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der TU Wien
Lisa Korner
Vorsitzende der HTU Wien
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