Trotz Rekordwerten bei der Langzeitarbeitslosigkeit: Politik im Bund und auf Landesebene schaut nach wie vor tatenlos zu

Es ist verantwortungslos, dass die Politik auf Bundes- und Landesebene tatenlos zusieht. In den Gemeinden gibt es großen Bedarf in der Kinderbetreuung, der Pflege, der Kreislaufwirtschaft oder der Mobilität. Mit einer kommunalen Joboffensive, die vom Land OÖ und vom AMS finanziert wird, könnten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer

Linz (OTS) -

Seit Ausbruch von Corona ist die Langzeitarbeitslosigkeit Monat für Monat gestiegen. Die Konsequenzen sind weitreichend – für Betroffene, für die Gesellschaft und für die Volkswirtschaft. „Es ist verantwortungslos, dass die Politik auf Bundes- und Landesebene tatenlos zusieht. In den Gemeinden gibt es großen Bedarf in der Kinderbetreuung, der Pflege, der Kreislaufwirtschaft oder der Mobilität. Mit einer kommunalen Joboffensive, die vom Land OÖ und vom AMS finanziert wird, könnten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Im Dezember 2020 waren in Österreich rund 136.600 Menschen langzeitbeschäftigungslos (+37,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Das ist ein historisch hoher Wert und fast viermal so hoch wie 2008, dem Jahr vor der letzten großen Wirtschaftskrise. Aktuell ist fast ein Drittel (29,7 Prozent) der Arbeitslosen schon mehr als ein Jahr auf Arbeitssuche. Oberösterreich hat traditionell eine vergleichsweise geringe Langzeitarbeitslosigkeit. Aber auch hier waren im Dezember 2020 rund 12.800 Menschen langzeitbeschäftigungslos. Das ist ein Anstieg um mehr als die Hälfte (+52 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr!

Mehr als die Hälfte der Langzeitbeschäftigungslosen ist älter als 44 Jahre (53,4 Prozent in Österreich bzw. 57,9 Prozent in OÖ). Ein relativ neues Phänomen ist, dass auch junge Menschen dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt sind. In Österreich sind rund 6.500 Jugendliche und junge Erwachsene (+55,2 Prozent) betroffen, dabei vor allem 19- bis 24-Jährige. Alleine in Oberösterreich sind es 680 Jugendliche und junge Erwachsene (+64,6 Prozent).

Auf der Grundlage des „Sozialen Surveys Österreich“ 2016 zeigt sich auch, dass Erwerbstätige mit früherer, längerer Arbeitslosigkeit im Durchschnitt um 356 Euro netto/Monat weniger verdienen als Befragte, die nie arbeitslos waren. Selbst dann, wenn sie in derselben Branche und im selben Umfang beschäftigt sind, dieselbe Tätigkeit ausüben und sich auch nicht in Sachen Geschlecht, Alter, Bildung, Partnerschaft, Kinder und Wohnort unterscheiden.

AK-Forderungen auf Landesebene

Als Arbeiterkammer haben wir seit dem Frühsommer 2020 auf den absehbaren Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit hingewiesen und mehrfach – auch im Rahmen des „Arbeitsmarktdialogs“ – ein frühzeitiges Gegensteuern gefordert. Die nunmehrige Einberufung einer Taskforce und die Bereitschaft des Landes OÖ, nun endlich Maßnahmen zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit zu ergreifen, kommt leider spät. Angesichts der besorgniserregenden Zahlen gilt es, umso rascher diese angekündigte Offensive gegen Langzeitarbeitslosigkeit zu starten. Dazu braucht es folgende Eckpunkte:

Das Land OÖ sollte sich zum Ziel setzen, in den nächsten zwei Jahren wieder das Niveau an Langzeitarbeitslosigkeit vom Vor-Krisenjahr zu erreichen. Dafür müssten mindestens 4.000 Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt integriert werden.

  • Im „Pakt für Arbeit und Qualifizierung“ 2021 ist geplant, das Budget für sozialökonomische Betriebe von 21,9 Millionen Euro auf 25 Millionen Euro aufzustocken und somit rund 1.250 Plätze zu finanzieren. Die Anzahl der Plätze in sozialökonomischen Betrieben müsste schließlich schnell verdoppelt werden.

  • Im öffentlichen und gemeinnützigen Bereich müssten 1.000 Arbeitsplätzen für Langzeitarbeitslose geschaffen werden. Davon könnten die Gemeinden bei der Alten- und Kinderbetreuung, im Gesundheitsbereich oder im öffentlichen Verkehr profitieren.

AK-Forderungen auf Bundesebene

  • Der Einkommensverlust und das damit einhergehende Armutsrisiko müssen reduziert werden, indem das Arbeitslosengeld durch Anhebung der Nettoersatzrate auf mindestens 70 Prozent des vorigen Nettoeinkommens erhöht wird.

  • Auch auf Bundesebene sollte eine Jobgarantie eingeführt werden, die älteren Langzeitarbeitslosen (45+) einen Job im öffentlichen oder gemeinnützigen Sektor anbietet.

  • Das AMS hätte bereits vor Corona mehr Personal benötigt. Die beschlossenen 350 befristeten zusätzlichen Planstellen (davon 100 für die Abwicklung der Kurzarbeit) bis 2023 und der gestoppte Abbau von 150 Stellen sind zu begrüßen. Das ist aber zu wenig. Der Bedarf ist mit mehr als 650 zusätzlichen Planstellen deutlich größer.

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