• 24.01.2021, 22:00:01
  • /
  • OTS0044

TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Montag, 25. Januar 2021, von Nikolaus Paumgartten: "Egoismus als Brennstoff der Pandemie"

Innsbruck (OTS) - Wer bei Feiern, Demos oder im Alltag auf die
Lockdown-Regeln und Corona-Vorschriften pfeift, soll empfindlich
bestraft werden und nicht mit Milde rechnen dürfen. Denn Gnade zeigt
das Virus auch nicht bei denen, die es befällt.

Bar, Musikanlage und Stromgenerator. Perfekt ausgerüstet für die
Dutzenden feierwütigen Partyteilnehmer: Der Festwagen am Sportplatz
in Innsbruck-Igls präsentiert sich in der Nacht auf Sonntag so, als
könnte er sich jeden Moment in Bewegung setzen und am diesjährigen
Fasnachtsumzug teilnehmen. Nur dass es heuer weder in Igls noch sonst
wo eine Faschingsveranstaltung geben wird und dieses Jahr Masken
nicht bei Bällen, sondern in Öffis und Geschäften getragen werden.
Dass diese Realität bei vielen immer noch nicht angekommen ist oder
sogar bewusst ausgeblendet wird, freut niemanden mehr als das Virus –
und geht zu Lasten der Menschen, die sich an die Regeln halten und
damit ihren Beitrag in der schwersten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
leisten.
Denn es ist genau dieser Egoismus einzelner Unverbesserlicher, der
die Pandemie immer wieder neu befeuert. Ob nun Großhochzeiten,
Saufgelage in Faschingswägen, Versammlungen von Eisstockschützen,
Maskenverweigerer bei Demos und in Geschäften oder Corona-Leugner
allgemein – wer meint, er stehe über dem Gesetz, sollte genau dieses
mit voller Härte zu spüren bekommen. Und zwar nicht, weil sich mit
„Law & Order“ so gut Politik machen lässt, sondern weil Recht und
Ordnung sowie die Einhaltung von Regeln ein wesentlicher Baustein
sind, das Virus endlich zu besiegen.
Die Party im Lockdown – ein Schlag ins Gesicht jener
alleinerziehenden Mutter, die sich seit Monaten neben ihren
eineinhalb Jobs mit Home-Schooling herumschlägt. Eine Verhöhnung
jenes 55-Jährigen, der wegen Corona seine Arbeit verloren hat, seine
Rechnungen nicht mehr zahlen kann und vor der Delogierung steht. Zu
Recht gepflanzt fühlen dürfen sich auch Schülerinnen und Schüler, die
nicht wissen, wie sie heuer die Matura schaffen sollen und was die
Zukunft für sie bringt. Oder jene, die immer brav ihre Maske tragen
und die vorgeschriebenen Abstände einhalten. Kinder, die ihre
Großeltern und Freunde nicht sehen dürfen. Jeder, der den alten
Alltag vermisst und hart auf die Impfung wartet. Die Liste ist lang.
Keine fünf Kilometer Luftlinie vom Igler Faschingswagen entfernt
präsentieren sich Samstagnacht übrigens auch andere gut ausgerüstet:
In Schutzmontur, mit Beatmungsgeräten und EKG-Monitoren kämpften an
der Innsbrucker Klinik Ärzte und Pflegepersonal gerade um das Leben
von 15 Covid-Intensivpatienten. Doch während die Party in Igls
aufgelöst ist, geht der Kampf an der Klinik weiter.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel