Höhere Löhne für die Pflegeberufe – koste es, was es wolle?

Das Narrativ, Pflegeberufe seien in Österreich schlecht bezahlt, bedarf einer differenzierten Betrachtung.

Dornbirn/Wien (OTS) - Wir, die BWI Unternehmensberatung GmbH, haben in den letzten zehn Jahren in öffentlichen Kliniken von sechs Bundesländern das BWI-Entlohnungssystem für Gesundheitsberufe (Ärzte, Pflege und Medizinisch-Technischer Dienst) eingeführt, darunter auch ein Entlohnungssystem für kommunale Altersheime, Pflegeheime und Mobilen Dienst.

Die außergewöhnliche Belastung in der Coronakrise soll für die betroffene Pflegebranche fraglos in Form außergewöhnlicher, großzügiger Prämien honoriert werden oder auch in Form von Zusatzurlauben oder anderer Benefits.

Bleibt die Frage, ob die in Pflegeberufen Beschäftigten für ihre „normale/alltägliche“ Arbeits-/Belastungssituation angemessen bezahlt werden:

Im Durchschnitt der öffentlichen Krankenhäuser Österreichs zeigt sich folgendes Bild:

Auf der untersten Qualifikationsstufe der Pflegeberufe, der Pflegeassistenz, liegt das monatliche Bruttoeinkommen beim Berufseinstieg nach einjähriger Ausbildung bei EUR 2.350. Demgegenüber, im Vergleich, verdienen AbsolventInnen einer Handelsschule oder einer kaufmännischen Lehre nach einer dreijährigen Ausbildung beim Berufseinstieg EUR 1.700, das sind um EUR 650 weniger oder hochgerechnet auf ein Jahreseinkommen um EUR 9.100 brutto weniger als PflegeassistentInnen in einem öffentlichen Krankenhaus.

In der Pflege gibt es durchaus auch attraktive Karrierepfade. Nicht wenige MitarbeiterInnen der diplomierten Pflege entscheiden sich für eine Ausbildung zur Intensivpflege:

Auf der Intensivstation lassen sich dann mit etwa 25 Jahren EUR 3.400 und im Maximum EUR 3.820 brutto monatlich verdienen. Da können selbst die am Arbeitsmarkt so begehrten UniversitätsabsolventInnen der MINT-Fächer nicht mithalten:

Nach acht Jahren Studium an einer Universität zahlt der österreichische Arbeitsmarkt hier im Durchschnitt EUR 3.300 brutto monatlich.

Betrachtet man das mittlere und obere Einkommen, dann lassen sich bei den Pflegeberufen attraktive Einkommen in Relation zum Arbeitsmarkt erzielen. In diesem Segment sind die Einkommen vor allem auch für die BerufseinsteigerInnen attraktiv und konkurrenzfähig.

Aber: Beim Vergleich des Einkommensniveaus der verschiedenen Trägerschaften zeigen sich deutliche Unterschiede in der Bezahlung. Im klinischen Bereich lässt sich nach wie vor besser verdienen als in Pflege-/Altersheimen oder im Mobilen Dienst.

Will man mehr junge Menschen in den Pflegeberuf bringen, dann gilt es primär, das Image zu ändern:

Pflege hat nicht nur Herz, sondern vor allem auch Verstand. Die digitale Medizin ist auf eine kompetente Pflege mit Eigenverantwortung und Umsetzungsstärke angewiesen. Vor allem ist der bisher „weibliche“ Pflegeberuf auch „männlich“ zu machen.

Höhere Löhne für die Pflegeberufe – koste es, was es wolle?

Datum: 19.01.2021, 11:00 - 11:00 Uhr

Ort: APA-Pressezentrum
Laimgrubengasse 10, 1060 Wien, Österreich

Url: http://events.streaming.at/bwi-20210119

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