• 30.12.2020, 11:37:45
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  • OTS0049

Vorläufige Bilanz der Luftqualität 2020

Maßnahmen gegen COVID sorgen für niedrige Belastung

Utl.: Maßnahmen gegen COVID sorgen für niedrige Belastung =

Wien (OTS) - Die vorläufige Bilanz der Luftqualität des
Umweltbundesamtes für das Jahr 2020 zeigt bei Feinstaub (PM10) die
zweitniedrigste Belastung seit Beginn der Messungen im Jahr 2000, bei
Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon (O3) die niedrigste Belastung seit
1990.

In der Belastung mit den Luftschadstoffen Stickstoffdioxid und
Feinstaub zeigt sich im Jahr 2020 der Einfluss der Maßnahmen zur
Bekämpfung der Ausbreitung des Corona-Virus. Insbesondere
Reisebeschränkungen und Home-Office waren für einen Rückgang des
Verkehrsaufkommens maßgeblich. Ein weiterer wesentlicher Faktor für
die niedrige NO2- und PM10-Belastung des Jahres 2020 war die sehr
warme Witterung bis Mitte März. Die überdurchschnittlichen
Wintertemperaturen hatten einerseits einen geringeren
Heizenergiebedarf zur Folge und damit niedrigere Emissionen aus
Raumheizung, andererseits waren auch die Bedingungen für die
Ausbreitung der Schadstoffe günstiger.

Vorläufige Stickstoffdioxid-Bilanz 2020

Stickstoffdioxid (NO2) stammt vor allem aus dem Verkehr, hier
wiederum von Dieselfahrzeugen. Im ersten „Lockdown“ von Mitte März
bis Anfang Mai 2020 lag der Kfz-Verkehr deutlich unter dem Niveau der
Vorjahre, an einzelnen Straßenabschnitten betrug der Rückgang
annähernd 55 %. Im Sommer 2020 erreichte das Verkehrsaufkommen wieder
annähernd das Niveau der Vorjahre, im Oktober und November wurde
erneut ein deutlicher Rückgang beobachtet. Der Rückgang des
Verkehrsaufkommens spiegelt sich in den gemessenen
NO2-Konzentrationen wieder. In der zweiten Märzhälfte 2020 lagen die
NO2-Konzentrationen an den höchstbelasteten Messstellen in den
Landeshauptstädten um 35 % bis 56 % unter den Werten der Jahre 2018
und 2019, im November 2020 zwischen 2 % und 24 % unter den
Vorjahreswerten. Generell zeigt sich in den letzten Jahren – bedingt
durch die Erneuerung der Fahrzeugflotte – ein abnehmender Trend in
der Stickoxidbelastung.
Die NO2-Jahresmittelwerte lagen 2020 insgesamt auf dem niedrigsten
Niveau seit 1990: Erstmalig traten keine Überschreitungen des
EU-Grenzwertes von 40 µg/m³ auf; die Summe aus Grenzwert und
Toleranzmarge gemäß Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) von 35 µg/m³
wurde nur an der Messstelle Vomp A12 überschritten, der Grenzwert
gemäß IG-L von 30 µg/m³ an drei weiteren Messstellen in Graz, Linz
und Wien.
Europaweit waren die Rückgänge bei NO2 in manchen Ländern bzw.
Städten noch deutlich höher, wie Auswertungen der Europäischen
Umweltagentur zeigen.

Vorläufige Feinstaubbilanz 2020

Die Covid-bedingten Maßnahmen haben auch die Feinstaubbelastung
(PM10) beeinflusst. Im Unterschied zu NO2 sind aber die Zusammenhänge
komplexer. Feinstaub hat viele unterschiedliche Quellen, wie
Hausbrand, Verkehr, Industrie aber auch Landwirtschaft, und wird
zudem weiträumig verfrachtet (z. B. Wüstensand). Dazu kommt, dass
sich Feinstaub auch aus anderen Schadstoffen, sogenannten
Vorläufersubstanzen, bilden kann. Europaweit zeigen die Auswertungen
der Europäischen Umweltagentur einen Rückgang bis zu 20 % im April
2020.

Tagesmittelwerte über 50 µg/m³ zeigt die vorläufige Feinstaubbilanz
bis 30. Dezember 2020 an maximal 17 Tagen (Messstelle Graz Don
Bosco). Damit wurde 2020 wie auch 2019 weder das Grenzwertkriterium
nach IG-L (Immissionsschutzgesetz-Luft; mehr als 25 Tagesmittelwerte
über 50 µg/m³ pro Kalenderjahr) noch das Grenzwertkriterium der
EU-Luftqualitätsrichtlinie (mehr als 35 Tagesmittelwerte über 50
µg/m³ pro Kalenderjahr) für PM10 überschritten.

Auch die Jahresmittelwerte für Feinstaub (PM10 und PM2,5) lagen in
den meisten Bundesländern unter dem Niveau der Jahre davor. An den
meisten Messstellen wurde der niedrigste Jahresmittelwert seit Beginn
der Messreihe registriert. Der Indikator für die durchschnittliche
Exposition (Mittelwert über PM2,5-Jahresmittelwerte) ergibt vorläufig
einen Wert von 11,6 µg/m³ und liegt damit deutlich unter dem
Reduktionsziel für die Jahre 2018 – 2020 von 15,1 µg/m³.

Vorläufige Ozonbilanz 2020

Auch bei Ozon lagen die Werte unter denen der Vorjahre. Bei den
Überschreitungen der Informationsschwelle (180 µg/m³ als
Einstundenmittelwert) sowie der Anzahl der täglichen maximalen
Achtstundenmittelwerte (Zielwert zum Schutz der menschlichen
Gesundheit: maximal 25 Tage mit Achtstundenmittelwerten über 120
µg/m³, gemittelt über drei Jahre) wies das Jahr 2020 die niedrigste
Belastung der letzten 30 Jahre auf. Die Informationsschwelle wurde
nur an einem Tag an einer Messstelle in Wien überschritten. 2019 an
fünf Tagen und 15 Messstellen, 2018 an zwei Tagen und fünf
Messstellen,). Lediglich an drei Messstellen wurden
Achtstundenmittelwerte über 120 µg/m³ an mehr als 25 Tagen
registriert (in den Vorjahren zwischen 48 und 77 Messstellen) .
Europaweite Modellrechnungen deuten darauf hin, dass die niedrigen
Ozonwerte auch mit dem Rückgang der NOx-Emissionen durch die
Covid-Maßnahmen zusammenhängen.

Vorläufige Daten

Die vorläufige Bilanz der Luftqualität 2020 beruht auf vorläufigen
Daten aus den Luftgütemessungen der Ämter der Landesregierungen und
des Umweltbundesamtes im Auftrag des Bundesministeriums für
Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
(BMK). Die Qualitätssicherung der Daten wird im zweiten Quartal 2020
abgeschlossen. Grenzwerte für Feinstaub und NO2 sowie Zielwerte für
Ozon ebenso Vorgaben für die Messung und Berichterstattung sind im
Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) festgelegt. Im Fall von
Grenzwertüberschreitungen sind entsprechende Maßnahmen zur Minderung
der Belastung durch die Landeshauptleute umzusetzen.

Weitere Informationen:
www.umweltbundesamt.at/news201230

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