- 18.12.2020, 11:08:46
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Schönborn-Appell an Regierung: Flüchtlingsfamilien aufnehmen!
Kardinal weist in seiner Freitagskolumne in Gratiszeitung "Heute" auf humanitäre Katastrophe in Flüchtlingslagern auf Lesbos hin - Erzbischof in Stellungnahme gegenüber Kathpress: "100 Familien mit kleinen Kindern Schutz und Herberge in Österreich geben"
Utl.: Kardinal weist in seiner Freitagskolumne in Gratiszeitung
"Heute" auf humanitäre Katastrophe in Flüchtlingslagern auf
Lesbos hin - Erzbischof in Stellungnahme gegenüber Kathpress:
"100 Familien mit kleinen Kindern Schutz und Herberge in
Österreich geben" =
Wien (KAP) - Kardinal Christoph Schönborn appelliert an die
österreichische Bundesregierung, besonders schutzbedürftige
Flüchtlingsfamilien von Lesbos aufzunehmen. In seiner Freitagskolumne
in der Gratiszeitung "Heute" wie auch in einer Stellungnahme
gegenüber Kathpress verweist Schönborn zum einen auf die
katastrophalen humanitären Zustände im Flüchtlingslager Kara Tepe II
auf Lesbos und zum anderen darauf, das in Österreich "Bürgermeister,
Gemeinden und Pfarren ihre Bereitschaft erklärt hätten, Familien
aufzunehmen.
Die Menschen in diesen Lagern hätten fast immer dramatische
Fluchtwege hinter sich, so der Kardinal in "Heute". Die Hoffnung auf
eine menschenwürdige Zukunft halte sie aufrecht. "Wir können nicht
alles Leid der Welt lösen. Aber das Klopfen der Herbergsuchenden
sollten wir nicht überhören", appellierte der Kardinal an die
politisch Verantwortlichen wie auch die Zivilgesellschaft in
Österreich. Nachsatz: Auch Jesus sei einst ein Herbergsuchender
gewesen.
Gegenüber Kathpress bekräftigte der Kardinal am Freitag seine
Forderung: Eine humanitäre Katastrophe wie jene auf den griechischen
Inseln müsse eine humanitäre Kraftanstrengung zur Folge haben.
"Wenige Tage vor Weihnachten erleben wir auf europäischem Boden eine
beispiellose Herbergssuche, bei der tausende Menschen - darunter sehr
viele Familien und Kinder - in überfluteten Zelten ausharren müssen.
Manche der Babys sind erst zwei Wochen alt. Hier geht es um
Neugeborene", so der Kardinal. Er verwies auch auf den jüngsten
Besuch des Innsbrucker Bischofs Hermann Glettler in Lesbos, der sich
persönlich ein Bild von der Katastrophe machen konnte.
Österreichs Bischöfe hätten es in der Vergangenheit stets begrüßt,
wenn die Bundesregierung oder jetzt die einzelnen Bundesländer
Schritte gesetzt haben, um geflüchteten Menschen im Norden Syriens
und auf den griechischen Inseln beizustehen. "Die Zusicherung
finanzieller Hilfen und die Lieferung von Hilfsgütern ist richtig und
hoffentlich Ermutigung für andere Staaten Europas, diesem Beispiel zu
folgen", so Schönborn. Doch trotz intensiver Anstrengungen vieler
EU-Staaten und zahlreicher Hilfsorganisationen und Initiativen vor
Ort sei es bis heute nicht gelungen, die Situation der Menschen
nachhaltig zu verbessern und einen menschenwürdigen Umgang mit Schutz
suchenden Menschen sicherzustellen. Im Gegenteil: "Die Lage spitzt
sich weiter zu."
Deshalb sein Appell an die österreichische Bundesregierung, neben der
Hilfe vor Ort jetzt auch all jene Orte in ganz Österreich zu
unterstützen, die sich bereit erklärt haben, Familien mit Kindern bei
sich aufzunehmen. Österreich habe in der Vergangenheit immer wieder
eindrucksvoll bewiesen, "dass es sich seiner humanitären
Verantwortung bewusst ist". Österreich habe sich immer wieder an
humanitären Aufnahmeprogrammen beteiligt, betonte der Kardinal und
weiter: "Wir können und sollen an diese positive Erfahrung aus der
Vergangenheit auch jetzt anschließen. Unsere gemeinsame Bitte lautet,
jetzt dem Beispiel Deutschlands, der Schweiz und anderer europäischer
Staaten zu folgen und den Schwächsten der Schwachen - etwa 100
Familien mit kleinen Kindern - Schutz und Herberge auch in Österreich
zu geben."
Das Corona-Virus habe allen in den vergangenen Monaten sichtbar vor
Augen geführt, "wie verletzlich auch unsere Gesellschaft und unser
aller Leben sein können". Ein Leben in Sicherheit sei nicht
selbstverständlich. "Diese Erfahrung sollte uns auch hellhörig
bleiben lassen, wenn Menschen gezwungen sind, vor Krieg und
Verfolgung aus ihrer Heimat zu fliehen", so Schönborn.
((forts. mgl.)) GPU/HKL
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