- 15.12.2020, 10:53:31
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KAÖ-Appell an Kurz und Nehammer: Menschlichkeit für Flüchtlinge
Katholische Aktion schrieb Brief an Kanzler und Innenminister: "Setzen Sie ein vorweihnachtliches Zeichen und eröffnen Sie Flüchtlingen aus Moria die Chance auf ein menschenwürdiges Leben"
Utl.: Katholische Aktion schrieb Brief an Kanzler und Innenminister:
"Setzen Sie ein vorweihnachtliches Zeichen und eröffnen Sie
Flüchtlingen aus Moria die Chance auf ein menschenwürdiges
Leben" =
Wien (KAP) - "Setzen Sie ein vorweihnachtliches Zeichen und eröffnen
Sie Flüchtlingen aus Moria die Chance auf ein menschenwürdiges
Leben": Diesen Appell hat die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) in
einem Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz und Innenminister Karl
Nehammer gerichtet. In dem Kathpress am Dienstag übermittelten
Schreiben verweist die KAÖ auf jüngste Augenzeugenberichte - etwa des
Innsbrucker Bischofs Hermann Glettler - über die immer noch
"katastrophale Lage" auf der griechischen Insel Lesbos. Gerade viele
Kinder und Jugendliche litten besonders. "Wir appellieren daher
eindringlich an Sie, mindestens 150 Menschen, besonders unbegleitete
Minderjährige, aus dem Flüchtlingslager schnell und unbürokratisch in
Österreich aufzunehmen."
Die KAÖ erinnert daran, dass aus den Kirchen und aus der
Zivilgesellschaft in den vergangenen Monaten zahlreiche Angebote
gekommen sind, Flüchtlingen Unterkunft zu geben, sie entsprechend zu
betreuen und auch längerfristig zu unterstützen. "Auch als
Katholische Aktion sind wir bereit, konkret zu helfen", versicherte
die offizielle katholische Laienorganisation, der Mitglieder wie die
Katholische Frauen- und Männerbewegung, die Katholische Jungschar und
Jugend, katholische Akademiker und Arbeitnehmer angehören. "Die
Voraussetzungen, dass die Regierung im Blick auf die
Weihnachtsbotschaft und aus christlich-sozialer Verantwortung heraus
eine entsprechende Geste der Menschlichkeit setzt, wären mehr als
gegeben."
Auch Unterstützung vor Ort ist wichtig
Der KAÖ sei zugleich bewusst, dass Österreich und auch Europa "das
weltweite Flüchtlingsproblem nicht allein schultern können" und "die
Not in manchen Teilen der Welt kein rasches Ende" finden werde. Alle
Bemühungen der Hilfe vor Ort seien unterstützenswert. Österreich habe
sich bereits vor einem halben Jahrhundert dazu verpflichtet, 0,7
Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungshilfe zu
verwenden. Davon sei das Land nach wie vor deutlich entfernt, "und
wir bitten Sie, diese Hilfsgelder aufzustocken - so wie Sie zuletzt
dankenswerterweise die Mittel des Auslandshilfefonds aufgestockt
haben", heißt es in dem Schreiben weiter.
Freilich: Bei allem Bemühen um Hilfe vor Ort werden sich laut KAÖ in
nächsten Jahren weiterhin viele auf den Weg nach Europa machen, sei
es auf der Flucht vor Verfolgung oder auf der Suche nach einem
besseren Leben. Umso wichtiger sei ein europäischer Migrationspakt,
für den die EU-Kommission einen ersten Entwurf vorgelegt hat. Der Weg
zu einer tatsächlich gemeinsamen, solidarischen europäischen
Flüchtlingspolitik sei jedoch noch weit, verwies die KAÖ auf
Widerstand aus einzelnen Mitgliedsstaaten. "Umso mehr appellieren wir
an Sie, einer gemeinsamen Migrationspolitik nicht Steine in den Weg
zu legen, sondern sie nach Kräften zu fördern."
Erfahrung eigener Not mobilisiert Hilfe
Das in der Flüchtlingsdebatte vorgebrachte Argument, die
Corona-Pandemie verlange vorrangig Hilfsmaßnahmen für die eigene
Bevölkerung im sozial und wirtschaftlich hoch belasteten Österreich,
lässt die Katholische Aktion nicht gelten: Gerade die Pandemie habe
vor Augen geführt, dass schwerwiegende Probleme nur gemeinsam zu
lösen sind. Und: "Gerade die Erfahrung eigener Not weckt oft das
Verständnis, dass auch andere Hilfe brauchen und niemand
zurückgelassen werden soll."
Dies gelte besonders im Hinblick auf das nahe Weihnachtsfest. Auch
für Josef und Maria war laut dem Evangelium in der Herberge kein
Platz - eine Szene, die in den Advent- und Krippenspielen vielfältig
aufgegriffen und ausgeschmückt worden sei, wie die KAÖ hinweist. Aus
dieser in der Volkskultur verankerten Erfahrung heraus, "wie
schmerzlich es ist, keine Herberge, kein Zuhause zu haben", ersucht
die Katholische Aktion die beiden christlich-sozialen
Spitzenpolitiker um ein "vorweihnachtliches Zeichen" der
Barmherzigkeit für Flüchtlinge.
((forts. mgl.)) RME/HKL
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