Mediziner*innen schlagen Alarm

Starke Verunsicherung bei Herzpatient*innen

Haben Sie keine Angst vor Ansteckung im Rettungs- und Spitalssystem. Angst sollten Sie vor den Folgen eines nicht erkannten und zu spät behandelten Herzinfarktes haben. Die betreuenden Ärzt*innen des Rettungssystems und der Notaufnahmen wissen, wie Sie im Falle eines akuten Herzinfarktes am besten behandelt werden müssen
Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Präsident des Österreichischen Herzfonds

Wien (OTS) - Die Krankenhäuser und Intensivstationen in Österreich sind überfüllt und die Kapazitätsgrenzen fast erreicht. Das medizinische Personal ist chronisch überlastet und teilweise selbst mit dem Coronavirus infiziert und fällt daher aus. Täglich werden in den Medien die aktuellen Coronazahlen bekanntgegeben und die Angst und Unsicherheit der Bevölkerung ist nach wie vor groß.

Gerade für herzkranke Menschen kann die Angst, sich beim Arzt/bei der Ärztin oder im Krankenhaus mit Corona anzustecken, lebensgefährlich sein. Der Österreichische Herzfonds hat bereits zu Beginn des 2. Lockdowns darauf aufmerksam gemacht, dass sich seit März

  • Patient*innen mit untypischen oder nur leichten oder mittelschweren Symptomen eines Herzinfarktes nicht gerne außer Haus begeben haben
  • Patient*innen wegen der befürchteten erhöhten Infektionsgefahr bei Spitalskontakten gar nicht oder nur nach langem Zuwarten um ärztliche Hilfe bemüht haben.

Dies wurde vor einigen Wochen in einer Studie der Medizinischen Universität Wien und der Berufsrettung der Stadt Wien bestätigt. Die Studie zeigt auf, dass im Laufe der 1. Pandemie-Welle in Wien um rd. 42 Prozent weniger Herzinfarktpatient*innen ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Diese Erkenntnis zeigte sich auch schon sehr bald nach dem 1. Lockdown Anfang des Jahres: In Österreich wurden rd. 40 Prozent weniger Hospitalisierungen von Herzinfarktpatient*innen verzeichnet. In einer rezenten Studie der Universität Graz konnte der Kollateralschaden dieses Rückganges der Herzinfarktzahlen in Spitälern aufgezeigt werden: eine erhöhte Sterblichkeit an Herzinfarkten. Diese Situation könnte nun auch im 2. Lockdown auftreten.

Daher ist es für den Österreichischen Herzfonds unumgänglich, Herzpatient*innen eindringlichst darauf hinzuweisen, Symptome eines Herzinfarktes nicht zu missachten oder auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Kontaktnahme mit dem Rettungs- und Notarztsystem (144) muss sofort passieren, wenn folgende Beschwerden vorliegen:

  • ein länger als 20 Minuten anhaltender Schmerz zwischen Nasenspitze und Bauchnabel
  • ein gürtelförmiges Einschnüren des Oberkörpers oder Druck vor dem Herzen, evtl. mit Ausstrahlung in die linke Schulter, den linken Arm und/oder die linke Kieferhälfte (charakteristisches Merkmal)
  • Ausstrahlungen in die rechte Körperseite, den Oberbauch und/oder den Rücken (weniger typisch)

Herzpatient*innen müssen solche Beschwerden besonders beachten, wenn Risikofaktoren vorhanden sind, wie Rauchen, erhöhte Blutfette, erhöhter Blutdruck, Diabetes mellitus, Übergewicht und/oder bereits eine bekannte Herzgefäßerkrankung vorliegt.

Der Patient/die Patientin muss unverzüglich ins nächste Spital gebracht werden. Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Leiter der 3. Med. Abteilung mit Kardiologie in der Klinik Ottakring appelliert an die österr. Bevölkerung:

Haben Sie keine Angst vor Ansteckung im Rettungs- und Spitalssystem. Angst sollten Sie vor den Folgen eines nicht erkannten und zu spät behandelten Herzinfarktes haben. Die betreuenden Ärzt*innen des Rettungssystems und der Notaufnahmen wissen, wie Sie im Falle eines akuten Herzinfarktes am besten behandelt werden müssen", Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Präsident des Österreichischen Herzfonds.

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Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Präsident
Univ.-Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer, Vizepräsidentin
Nordbergstraße 15/4/47, 1090 Wien
Tel: 01 / 405 91 55
e-mail: office@herzfonds.at
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