- 14.12.2020, 10:25:24
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„Die Kirche bin ich“: Neue „kreuz und quer“-Doku auf den Spuren des Dogmas der Unfehlbarkeit des Papstes
Am 15. Dezember um 22.35 Uhr in ORF 2; danach: „Konklave – Das letzte Geheimnis“
Utl.: Am 15. Dezember um 22.35 Uhr in ORF 2; danach: „Konklave – Das
letzte Geheimnis“ =
Wien (OTS) - Warum eskalieren in der katholischen Kirche die
Flügelkämpfe zwischen „Konservativen“ und „Reformern“ heute oft so
heftig? Und woher kommt der Eindruck, Rom erhebe den Anspruch, die
„ewig gültige, unveränderliche“ katholische Lehre zu verteidigen?
Klaus T. Steindls „kreuz und quer“-Dokumentation „Die Kirche bin ich
– Wie der Papst unfehlbar wurde“ zeigt, dass darin das Erste
Vatikanische Konzil (1869–1970) und die von Papst Pius IX.
beanspruchte Unfehlbarkeit mit ungeheurer Macht nachwirken: In der
neuen ORF/BR-Koproduktion begibt sich der renommierte
Kirchenhistoriker Hubert Wolf am Dienstag, dem 15. Dezember 2020, um
22.35 Uhr in ORF 2 auf die Spuren des auf dem Ersten Vatikanischen
Konzil beschlossenen Dogmas der Unfehlbarkeit des Papstes. Um 23.20
Uhr folgt der Film „Konklave – Das letzte Geheimnis“ von Michael
Cencig und Fritz Kalteis.
„Die Kirche bin ich – Wie der Papst unfehlbar wurde“ – Ein Film von
Klaus T. Steindl
Vor 150 Jahren verkündete Papst Pius IX. das Dogma der Unfehlbarkeit
des Papstes in der Konzilsaula in Rom. Es besagt, dass der Papst
nicht irren kann, wenn es um Lehrentscheidungen in Glaubens- und
Sittenfragen geht, die er „ex cathedra“ als endgültig entschieden
verkündet. Das Trauma der Französischen Revolution, die
Säkularisierung und ihre Religionskritik hatten im 19. Jahrhundert
ein tiefes Misstrauen Roms gegenüber der Moderne begründet. Das neue
aufgeklärte Selbstbewusstsein verfolgten katholische Kreise in Europa
und in Übersee mit Sorge. Man befürchtete, die „Willkür freier
Gewissensentscheidungen“ müsse zur Auflösung alter Ordnungen führen.
Um diesen „Verfallserscheinungen“ entgegenzuwirken, meinte man, das
Papsttum stärken zu müssen.
Galt über Jahrhunderte „die Kirche von Rom“ – mit ihrem Bischof – als
Hort der treuen und authentischen Glaubensüberlieferung, spitzte sich
diese Überzeugung nun ganz auf das Amt des Papstes zu. Folgerichtig
sagte Pius IX. von sich selbst: „Die Kirche bin ich!“ So „erfand sich
der Katholizismus neu“, sagt Hubert Wolf, und umkleidete die neue
Strategie mit der Aura angeblich uralter Traditionen, die „immer
schon“ gegolten hätten. Seit ihrer Verkündung sorgt die Unfehlbarkeit
des Papstes für Kontroversen. Der Papst hat nun die ganze Vollmacht
über die römisch-katholische Kirche: Er kann jedem Bischof
vorschreiben, was er in seinem Bistum tun oder lassen soll. Er kann
Katholikinnen und Katholiken auf der ganzen Welt Vorschriften in
Glaubens-, Lebens- und Moralfragen machen. Die ursprünglich eng
gefasste Unfehlbarkeit wurde bis ins 20. Jahrhundert de facto Schritt
für Schritt ausgeweitet: Verschiedene Äußerungen des Papstes,
Enzykliken und Rundschreiben werden von den Gläubigen wie unfehlbare
Lehrentscheidungen aufgenommen.
Hubert Wolf hat Jahre in verschiedenen Archiven des Vatikans
geforscht und faszinierende Erkenntnisse ans Tageslicht gebracht.
Diese werfen ein neues Licht auf Papst Pius IX. und seine Berater auf
dem Weg zur Unfehlbarkeit. So konnte der Kirchenhistoriker
nachweisen, dass einer der namhaftesten theologischen Berater von
Pius IX., der das Unfehlbarkeitsdogma mitformulierte, Jahre zuvor von
der Inquisition als Häretiker verurteilt worden war. Der Film begibt
sich an die Originalschauplätze des Lebens von Papst Pius IX.
Aufgezeigt werden die massiven indirekten Auswirkungen der
Unfehlbarkeit bis heute, etwa die Irritationen durch die Enzyklika
„Humanae Vitae“ (1968), in der Papst Paul VI. künstliche Verhütung
ausnahmslos als sittlich verboten verurteilte, oder das Apostolische
Schreiben von Johannes Paul II. (1994), in dem er definitiv verfügte,
dass die Kirche Frauen niemals die Priesterweihe spenden könne. Diese
päpstlichen Schreiben wurden wie Dogmen mit dem Anspruch auf höchste
Verbindlichkeit aufgenommen. Unter Theologen wird über diesen
Anspruch kontrovers diskutiert.
In aufwendig gestalteten Spielszenen kommen historische
Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts in fiktiven Interviews zu Wort.
Befürworter und Gegner der Unfehlbarkeit standen einander schon vor
150 Jahren unversöhnlich gegenüber, die Aussagen der Interview-Szenen
beruhen auf Originalzitaten. Zu Wort kommen Theologen, Kardinäle und
eine Frau, die damals heftig das Wort ergriff, als es um das Dogma
ging: Cristina Trivulzio Belgiojoso – eine italienische
Intellektuelle und Vorreiterin für Frauenrechte.
„Konklave – Das letzte Geheimnis“ – Ein Film von Michael Cencig und
Fritz Kalteis
Die Papstwahl – streng geheim hinter verschlossenen Türen – ist
geheimnisumwittert und sorgt wie keine andere Postenbesetzung
weltweit für Aufsehen und Anteilnahme. Ab dem Zeitpunkt, an dem die
Kardinäle ins Konklave einziehen, bleiben die Zuseher/innen jedoch
ausgesperrt und müssen sich mit Rauchzeichen aus dem Schornstein der
Sixtinischen Kapelle begnügen. Erst wenn weißer Rauch aufsteigt, ist
ein neuer Papst gewählt. Der Film von Michael Cencig und Fritz
Kalteis zeigt, was hinter den verschlossenen Türen der Sixtinischen
Kapelle passiert: wie die Wahl im Detail abläuft und von welchem
Moment an der Gewählte Papst ist; warum das Konklave erfunden wurde,
wie die Regeln und Rituale entstanden sind und wie die Kardinäle zu
den einzigen Wählern wurden.
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