VKI-Test Handhygiene-Produkte: wenig alltagstauglich gegen Viren

Wirkstoffgehalt, Anwendung und Einwirkzeit – 19 von 22 Produkten nicht ausreichend deklariert

Wien (OTS/VKI) - Im Zuge der COVID-19-Pandemie ist die Nachfrage bei Handhygiene-Produkten stark gestiegen. Zu Beginn der Krise wurde die gesamte Produktgruppe aufgrund von Hamsterkäufen zeitweise zur Mangelware. Dabei werden in diesem Bereich sowohl Produkte zur Reinigung, als auch Produkte zur Desinfektion angeboten. Reinigungs- und Pflegeprodukte sind Kosmetika, die mit einer Wirkung gegen Krankheitserreger weder werben, noch Anwendungshinweise zum Gebrauch gegen solche geben dürfen. Desinfektionsmittel hingegen müssen entsprechend ausgelobt sein und ermöglichen so überhaupt erst eine wirksame Anwendung gegen Bakterien oder Viren. Konsumentinnen und Konsumenten ist dieser kleine aber feine Unterschied oft nicht bekannt und aufgrund der unzulänglichen Deklaration der Produkte ist er auch nur sehr schwer zu erkennen. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat nun 22 im Handel angebotene Handhygiene-Produkte auf ihre Alltagstauglichkeit im Kampf gegen Viren überprüft. Die vollständigen Testergebnisse gibt es ab 17. Dezember im Monatsmagazin KONSUMENT und ab sofort auf www.konsument.at.

Um gegen behüllte Viren wie SARS-CoV-2 wirksam zu sein, muss ein Biozid zumindest eine „begrenzt viruzide Wirkung“ haben. Welche Wirkung ein konkretes Handhygiene-Produkt entfaltet, hängt von drei Faktoren ab, die auf einem korrekt gekennzeichneten Biozid auch immer angegeben werden müssen: Wirkstoffgehalt, Anwendungsmenge und Einwirkzeit. Die Anwendungsmenge ist prinzipiell nicht schwer zu bestimmen: Die Menge muss ausreichend sein um die Hände (Anwendungsfläche) während der gesamten Einwirkzeit vollständig bedeckt zu halten. In der praktischen Handhabung wird das jedoch spätestens dann zu einem Problem, wenn die Einwirkzeit mehrere Minuten beträgt. Daher empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das deutsche Robert Koch Institut (RKI) Präparate mit 80 Vol.-% Ethanol oder 70 Vol.-%, Isopropanol (2-Propanol), da diese bereits nach einer Mindesteinwirkzeit von 30 Sekunden eine begrenzt viruzide Wirkung haben können. Produkte mit weniger Alkoholanteil können zwar auch gegen Viren wirken, benötigen dafür aber eine entsprechend längere Einwirkzeit. Dies und die dafür notwendige Produktmenge machen solche Produkte im Alltagsgebrauch, besonders aber für die Anwendung unterwegs, wenig praktikabel.

Für den Test wurden die 22 Produkte auf einer dreistufigen Skala bewertet. Nur bei 4 Testkandidaten könnten die Prüfer bestätigen, dass bei richtiger Anwendung eine begrenzt viruzide Wirkung zu erwarten ist. Bei weiteren 14 Produkten lautete das Urteil, dass nur bei einer längerer Einwirkzeit eine solche Wirkung zu erwarten ist und bei 4 Fabrikaten war der Befund, dass eine begrenzt viruzide Wirkung unter alltagsumständen nicht erwartet werden kann.

„Es ist sicherlich gut, sich genau zu überlegen, wann die Verwendung eines Handdesinfektionsmittels sinnvoll und notwendig ist. Sorgfältiges Händewaschen mit warmen Wasser und Seife inaktiviert Viren und Bakterien ebenfalls zuverlässig und die Möglichkeit dazu ist im Normalfall in jedem Haushalt oder Büro vorhanden“, sagt Birgit Schiller, Projektleiterin im VKI. „Konsumentinnen und Konsumenten, die ein Mittel suchen, um sich unterwegs kurzfristig vor SARS‑CoV-2-Viren zu schützen, sollten sehr genau auf die Kennzeichnung und die Anwendungshinweise achten“, so Birgit Schiller weiter. „In unserem Test waren 19 von 22 Produkten nicht ausreichend deklariert. Dabei ist gerade hier die umfassende Information der Kunden äußerst wichtig. Nur eine ausreichende Menge Wirkstoff samt korrekter Einwirkzeit kann gegen Viren wirksam sein. Ein Spritzer Gel, der schnell verrieben wird, bevor die Hände zum Trocknen geschüttelt werden, wird kaum einen Effekt gegen Viren haben.“

SERVICE:
Die vollständigen Testergebnisse gibt es ab 17. Dezember in der Jänner-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und ab sofort auf www.konsument.at.

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