- 08.12.2020, 21:49:27
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- OTS0077
Gebetsfeier im Parlament will Zeichen der Hoffnung in der Krise setzen
Religionsvertreter sowie Politikerinnen und Politiker bei gemeinsamer Gebetsfeier im Parlament - Spirituelle Impulse von früherer steirischer Landeshauptfrau Klasnic und Salzburger Theologen Mayr-Melnhof
Utl.: Religionsvertreter sowie Politikerinnen und Politiker bei
gemeinsamer Gebetsfeier im Parlament - Spirituelle Impulse von
früherer steirischer Landeshauptfrau Klasnic und Salzburger
Theologen Mayr-Melnhof =
Wien (KAP) - Mit einer gemeinsamen Gebetsfeier am Dienstagabend
wollten Religionsvertreter sowie Politikerinnen und Politikerinnen
ein "Zeichen der Hoffnung in der Krise" setzen. Die Gebetsfeier, zu
der Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Bundesratspräsidentin
Andrea Eder-Gitschthaler und das Komitee des Nationalen
Parlamentarischen Gebetsfrühstücks geladen hatten, fand heuer nicht
wie in den letzten Jahren mit über 200 Teilnehmern im Parlament
statt, sondern Corona-bedingt im kleinen Kreis und via Livestream aus
dem Kleinen Redoutensaal in der Wiener Hofburg.
"Wir sind nicht im Namen von Parteien, dem Parlament oder
Institutionen zusammengekommen, sondern als Abgeordnete mit unserem
je eigenen Glauben", erläuterte die ÖVP-Abgeordnete und Organisatorin
Gudrun Kugler zu Beginn. Wichtig sei bei diesem Gebetstreffen, das
heuer zum vierten Mal in Österreich stattfand und das in einer
Tradition von inzwischen über 130 solcher bzw. ähnlicher
Veranstaltungen in aller Welt stehe, die Überfraktionalität,
Überkonfessionalität und das religionsverbindende Moment, so Kugler.
Nach Begrüßungsworten durch Nationalratspräsident Sobotka und
Bundesratspräsidentin Eder-Gritschthaler würdigte Kultusministerin
Susanne Raab den Einsatz der Kirchen und Religionsgesellschaften
gerade in Krisenzeiten als "unersetzbar". Das österreichische Modell
habe sich "wieder als tragfähig erwiesen", dankte Raab den 16
anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften für ihre Kooperation
und die freiwillige Aussetzung öffentlicher Gottesdienste während des
zweiten Lockdowns. In Pandemiezeiten würde die Religion den Menschen
"Kraft, Halt und Zuversicht" geben. Mit ihrem umfangreichen
Engagement auf spiritueller, sozialer und karitativer Ebene seien die
Kirchen und Religionsgesellschaften daher "für Menschen gerade auch
in Krisenzeiten unersetzbar" und spielten eine "wesentliche Rolle für
den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Österreich".
Nach kurzen Lesungen von Abgeordneten folgten eingespielte Videos von
Religionsvertretern, die Gebete sprachen oder Gebetsanliegen
formulierten. Darunter waren Kardinal Christoph Schönborn, der
evangelische Bischof Michael Chalupka, der orthodoxe Metropolit
Arsenios (Kardamakis), der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej
(Cilerdzic), der koptische Bischof Anba Gabriel, der
griechisch-katholische Generalvikar Yuriy Kolasa, Reinhard Kummer,
Vorsitzender des Rates der "Freikirchen in Österreich", und
Oberrabiner Jaron Engelmayer. Fürbitten und Gebete sprachen auch die
Abgeordneten Martin Engelbert (ÖVP), Philipp Schrangl (FPÖ) und
Rebecca Kirchbaumer (ÖVP).
Spirituelle Impulse kamen von der früheren steirischen
Landeshauptfrau und jetzigen Obfrau der Unabhängigen
Opferschutzkommission, Waltraud Klasnic, sowie dem Jugendleiter der
Erzdiözese Salzburg und Gründer der Loretto-Gemeinschaft, Georg
Mayr-Melnhof.
In einem sehr persönlichen Statement blickte Klasnic auf ihre Zeit
als Politikerin sowie als Opferschutzanwältin und Präsidentin des
Dachverbandes Hospiz Österreich zurück. Seit 1945 lebe sie in der
Nähe des steirischen Wallfahrtsortes Mariatrost - sie sei dankbar für
ihren ganz persönlichen "Lebensbogen", der politische Höhepunkte wie
die Schaffung eines Gesetzes zur anonymen Geburt im Jahr 2001 ebenso
umfasse wie ihre Tätigkeit als Leiterin der Unabhängigen
Opferschutzanwaltschaft, das näher rückende Ziel einer
Regelfinanzierung des Hospizwesens bis hin zu familiären und
freundschaftlichen bleibenden Verbindungen: "Es ist und war eine
Gnade", so Klasnic.
Dankbar zeigte sich Klasnic auch im Blick auf ihre inzwischen rund
zehnjährige Tätigkeit als Unabhängige Opferschutzanwältin auf
Einladung von Kardinal Schönborn und im Auftrag der
Bischofskonferenz: "Die Kirchen und Orden sind mutig gewesen". Es
dürfe auch in Zukunft "keinen Schlussstrich geben" - Betroffene
sollten auch zukünftig eine Anlaufstelle haben. Nicht umsonst werde
das österreichische Modell auch von ausländischen Experten wie den
deutschen Missbrauchsexperten P. Klaus Mertes oder P. Hans Zollner
als Vorbild und "eine Blaupause wert" bezeichnet. Abschließend
erinnerte Klasnic daran, dass der Anteil der Fälle von Missbrauch und
Gewalt im kirchlichen Kontext nur rund zwei Prozent ausmache: "Wir
haben eine politische und gesellschaftliche Gesamtaufgabe: die Gewalt
in allen Generationen und im Alltag. Dessen müssen wir uns bewusst
sein."
Der Salzburger Theologe Georg Mayr-Melnhof stellte die "adventliche
Sehnsucht" in das Zentrum seiner ebenfalls sehr persönlichen
Ausführungen. Ausgehend von einer Glaubenskrise und Wüstenerfahrung
als Jugendlicher zeichnete er den Weg seiner Gottsuche nach, die
letztlich zur Gründung eines Gebetskreises 1987 in Wien führte, aus
der in der Folge die Loretto-Gemeinschaft entstand.
"Es gibt nur für den keinen Gott, der ihn nicht sucht." Diese Worte
des russischen Literaten Leo N. Tolstoi hätten ihn als Jugendlichen
tief berührt und letztlich zur "Freundschaft mit Jesus" geführt. Sie
sei der "Schlüssel zum Himmel und zum ewigen Leben", so der Gründer
der katholischen Bewegung, die mittlerweile an 70 Orten in mehreren
Ländern präsent ist, regelmäßig ein Pfingst-Treffen in Salzburg mit
rund 10.000 Jugendlichen veranstaltet und 2017 von der
Österreichischen Bischofskonferenz anerkannt wurde. Die gegenwärtige
Corona-Pandemie sei für viele Menschen "eine Wüstenerfahrung und
existenzielle Krise", in der die "großen Fragen des Lebens aufbrechen
können", so Mayr-Melnhof, der dazu riet: "Geben wir Gott in unserem
Leben eine Chance."
((ende)) HKL/PWU
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