• 07.12.2020, 10:00:31
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Klimaschutz-Index: GLOBAL 2000 sieht großen Aufholbedarf heimischer Klimapolitik

Trotz leichter Verbesserung gegenüber Vorjahr rangiert Österreich nach wie vor unter den „low-performern“

Wien (OTS) - 

Heute wurde der diesjährige Klimaschutzindex vorgestellt, der von Germanwatch gemeinsam mit dem New Climate Institute und dem Climate Action Network erarbeitet wurde. Der Index bewertet die Ergebnisse der Klimapolitik von 57 Staaten und der EU. Österreich ist heuer auf Rang 35, eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, in dem nur der 38 Platz erreicht wurde. Nach wie vor gehört Österreich damit international zu den „low performern“. GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher Johannes Wahlmüller dazu: „Österreich hat in der Klimapolitik nach wie vor großen Aufholbedarf. Zwar finden sich im aktuellen Regierungsprogramm so viele Klimaschutzvorhaben wie noch nie, aber der Großteil davon ist noch nicht umgesetzt. Ein klarer Umsetzungsfahrplan und eine Vorziehung der öko-sozialen Steuerreform sind absolut notwendig. Nur so kann Österreich rasch zu den internationalen Leistungsträgern beim Klimaschutz aufschließen.“

Die ersten drei Plätze bleiben frei, weil kein Land ausreichend Klimaschutz betreibt, danach kommen als bestplatzierte Schweden, Großbritannien und Dänemark als „high performer“. Insbesondere Schweden und Dänemark sind langjährig unter den Bestplatzierten. Sie haben eine Ökologisierung des Steuersystems durchgeführt, Investitionen in Klimaschutz vorangetrieben und veralteten fossilen Technologien wie der Ölheizung (Dänemark) einen Riegel vorgeschoben.* Der Ausbau der Atomenergie spielte hierbei aber keine Rolle.

Obwohl die Klimapolitik der Staaten insgesamt bei weitem nicht ausreicht, um die im Pariser Klimaabkommen klar definierten Grenzen des Temperaturanstiegs einzuhalten, werden auch positive Trends ersichtlich. „Damit die Klimakrise gelöst werden kann, gilt es in allen Staaten die Klimapläne effektiver zu gestalten. Auch die EU muss ihre Klimaziele nachbessern und bis 2030 eine Einsparung von mindestens 65 % erreichen. Bundeskanzler Sebastian Kurz soll beim kommenden EU-Rat am Donnerstag beim Klimaschutz klar Farbe bekennen“, so betont Wahlmüller.

Hohe Pro-Kopf-Treibhausgasemissionen und hoher Energieverbrauch in Österreich
Besonders schlecht schneidet Österreich in den Teilbereichen der Entwicklung der Treibhausgasemissionen und des Energieverbrauchs ab. Bei den Pro-Kopf-Treibhausgasen landet Österreich mit 9 t CO2/Kopf auf dem 45. Platz. Vergleicht man den Energieverbrauch mit dem für die Einhaltung der 2 °C-Grenze notwendigem Niveau, kommt Österreich nur auf den 50. Platz. „Die Umsetzung einer koordinierten Klimapolitik und ein Ende der Energieverschwendung sind jetzt besonders wichtig. Besonders bitter ist in diesem Zusammenhang, dass das im Regierungsprogramm für heuer vorgesehene Energieeffizienzgesetz noch nicht vorgelegt wurde. Hier gilt es, rasch zu handeln“, sagt Wahlmüller.

Hoher Anteil erneuerbarer Energien, aber wenig Ausbaudynamik
Relativ gut schneidet Österreich im Teilbereich erneuerbare Energien ab. Was den Anteil erneuerbarer Energien betrifft, liegt Österreich auf dem 11. Platz, auch die Ziele in diesem Bereich werden positiv bewertet. Kritisch wird allerdings gesehen, dass es vergleichsweise wenig Dynamik beim Ausbau gibt. Was den Trend zu mehr erneuerbarer Energie angeht, erreicht Österreich nur den 56. Rang. Innerhalb Europas schneiden dem Index zufolge beim Trend zu erneuerbaren Energien elf Länder besser ab als Österreich (UK, Bulgarien, Estland, Irland, Kroatien, Litauen, Finnland, Dänemark, Schweden, Norwegen und Lettland). „Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig ein gutes Gesetz für den Ausbau naturverträglicher erneuerbarer Energien in Österreich ist. Beim bereits in Begutachtung geschickten „Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz“ gilt es nun, Nägel mit Köpfen zu machen. Tausende Arbeitsplätze können im Bereich regionaler, naturverträglicher Energie geschaffen werden“, erklärt Wahlmüller.

Wind- und Sonnenenergie weltweit günstigste Energieform
Der Index verweist im Bereich erneuerbarer Energie auf international erfreuliche Trends. Im Jahr 2019 wurden erneuerbare Energie-Anlagen mit einer Leistung von 200 GW ans Netz angeschlossen – so viele wie noch nie. Wind- und Sonnenergie sind in den meisten Teilen der Welt mittlerweile die günstigsten Energieformen, wenn es um die Neuerrichtung von Anlagen geht. Es wird erwartet, dass Wind- und Sonnenenergie bis zum Jahr 2025 günstiger sein werden als bereits bestehende Kohle- oder Gaskraftwerke. Ein wichtiger energiepolitischer Wendepunkt steht damit kurz bevor. „Wir können auf ermutigende Entwicklungen aufbauen und Österreich zu einem Land machen, das beim Klimaschutz in der obersten Liga mitspielt. Mit klug eingesetzten Zukunftsinvestitionen können wir darüber hinaus tausende Arbeitsplätze schaffen und unsere Wirtschaft zukunftsfähig ausrichten“, so Wahlmüller abschließend.

*siehe auch Kurzstudie von GLOBAL 2000 „Klimapolitik ausgewählter Staaten

Hier geht’s zur CCPI2012 Scorecard Austria

Zur Methode: Im Index werden Emissionen von Treibhausgasemissionen mit 40 % gewichtet, der Anteil erneuerbarer Energien mit 20 %, der Energieverbrauch mit 20 % und die Klimapolitik des jeweiligen Landes mit 20 %. 80 % des Indexes basieren somit auf quantitativen Daten, die von international zugänglichen Statistiken ausgehen.

Rückfragen & Kontakt

Lydia Matzka-Saboi, Pressesprecherin GLOBAL 2000, +43 699 14 2000 26, [email protected]
Johannes Wahlmüller, Klimasprecher GLOBAL 2000, +43 699 14 2000 41, [email protected]

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