• 30.11.2020, 10:48:38
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„Das Land, der Bischof und das Böse“: Neues „kreuz und quer“-Porträt über Bischof Memelauer und seinen Widerstand gegen das NS-Regime

Am 1. Dezember ab 22.35 Uhr in ORF 2; danach: „Der Rockerpriester“

Utl.: Am 1. Dezember ab 22.35 Uhr in ORF 2; danach: „Der
Rockerpriester“ =

Wien (OTS) - „Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben.“ Mit
diesen deutlichen Worten nimmt Bischof Michael Memelauer bei seiner
Silvesterpredigt 1941 im St. Pöltner Dom gegen das
„Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten, gegen die Tötung von
Menschen mit physischer oder psychischer Behinderung, Stellung. Die
Kirche protestiere scharf und werde „niemals schweigen zur
Beseitigung unwerten und unproduktiven Lebens und werde es immer als
das bezeichnen, als was es bei allen Kulturvölkern angesehen wird“.
Warum der Bischof nach dieser Predigt nicht von der Gestapo verhaftet
wird, ist bis heute ein Rätsel. Über viele Jahrzehnte war diese
einzige Predigt, die in der damaligen „Ostmark“ die Euthanasie
anprangerte, vergessen. Anita Lackenberger zeigt in ihrem „kreuz und
quer“-Film „Das Land, der Bischof und das Böse“ am Dienstag, dem 1.
Dezember 2020, um 22.35 Uhr in ORF 2, wie Memelauer in der dunklen
Zeit des Nationalsozialismus bemerkenswert deutlich gegen das Regime
agierte. Um 23.15 Uhr folgt mit „Der Rockerpriester“ ein Film von
Mijou Kovacs und Marcus Marschalek über einen katholischen Priester,
der sich als eine Art „Altrocker“ in Frankreich um Jugendliche
kümmert.

„Das Land, der Bischof und das Böse“ – Ein Film von Anita
Lackenberger

Bischof Memelauer stammt aus dem niederösterreichischen Mostviertel.
Von 1927 bis 1961 leitete er die Diözese St. Pölten und stand der
NS-Diktatur von Anfang an misstrauisch gegenüber. Bereits 1938 vor
der Volksabstimmung, mit der nachträglich der „Anschluss“ Österreichs
an Hitlerdeutschland legitimiert werden sollte, verfügte Memelauer,
beim Abdruck der „Ja“-Empfehlung der Bischofskonferenz im St. Pöltner
Diözesanblatt die Einleitungsworte „aus innerster Überzeugung und mit
freiem Willen“ wegzulassen. Auf Druck der Nationalsozialisten musste
der Text später noch einmal abgedruckt werden. Angestoßen war der
Bischofsprotest gegen die NS-Euthanasie auch durch ein Dekret der
Päpstlichen Kongregation für die Glaubenslehre vom Dezember 1940: Es
verpflichtete die Bischöfe, die Katholiken über das Verbot zu
informieren, an der „Euthanasie“ mitzuwirken. Als Reaktion darauf
nahmen auch einige deutsche Bischöfe öffentlich Stellung, u. a. der
Bischof von Münster, August von Galen, im August 1941, nach dessen
Predigten das NS-Regime ihre zentral gelenkte Massenmordaktion
abbrach, auf dezentraler Ebene jedoch fortsetzte.

Gedreht wurde die Dokumentation an vielen Schauplätzen der Diözese
St. Pölten, u. a. in Pfarrhöfen, Klöstern und im Dombezirk. Im Dom
selbst konnte im Frühjahr – noch kurz vor dem ersten COVID-Lockdown –
die Silvesterpredigt 1941 mit 250 Statistinnen und Statisten
nachgestellt werden. Für die Hauptrolle, Bischof Memelauer, konnte
Schauspieler Johannes Seilern gewonnen werden. Die Ausstattung stammt
aus dem reichen Domschatz St. Pöltens. Dazu gibt es noch zahlreiche
Erinnerungsstücke, wie das von Michael Memelauer vererbte
Bischofszimmer, das seine Verwandtschaft noch immer in Ehren hält.
Fotos und Briefe, Erinnerungen an Bischof Memelauer und sein Leben
als Seelsorger ermöglichen zugleich einen detailreichen Blick auf das
Leben der Menschen über fast 90 Jahre in Österreich – mit all ihren
Sorgen und Nöten.

„Der Rockerpriester“ – Ein Film von Mijou Kovacs und Marcus
Marschalek

Dicke Silberringe, selbst gedrehte Zigaretten und Lederjacke: Die
Überraschung ist immer wieder groß, wenn sich der „Altrocker“ Guy
Gilbert als katholischer Priester zu erkennen gibt. Ein Moment, den
er sichtlich genießt und dem er meist auch ein paar derbe Ausdrücke
nachschiebt. Dabei spielt Guy Gilbert, der in seiner Heimat
Frankreich weithin bekannt ist, mit seinem Image als wilder Rocker.
Das nämlich hilft ihm bei seiner selbstgewählten Lebensaufgabe: Seit
fünf Jahrzehnten versucht er mit Erfolg, Jugendliche und junge
Erwachsene von der „schiefen Bahn“ zu holen und zurück in ein Leben
mit Zukunft zu führen. Heuer wurde Guy Gilbert 85.

Zu einem der Silberringe an seiner Hand sagt GuyGilbert selbst: „Ich
fand einen Jungen um zwei Uhr früh auf der Straße. Ich habe ihm
geholfen, seine Mutter wiederzufinden, die Prostituierte war – er hat
mir später diesen Ring gegeben, in Notre-Dame in Paris, vor genau 50
Jahren. Der Bub sagte mir: ,Trage ihn bis an dein Lebensende!‘.
Dieser Ring symbolisiert für mich heute alle Jugendlichen, denen ich
bisher geholfen habe.“ Eines seiner Projekte: ein Bauernhof in der
Haute Provence, wo er mit einem Team aus Sozialarbeitern und
Pädagogen junge Menschen aus Paris betreut. Mit Hilfe der Zootherapie
sollen die straffälligen Jugendlichen dort wieder in ein „normales“
Leben zurückfinden. Der Bauernhof Faucon ist in den Sommermonaten
auch zu einem spirituellen Zentrum geworden. Aus ganz Frankreich
kommen Menschen, um den katholischen Priester Guy Gilbert hier zu
sehen. Für viele von ihnen ist er zum wichtigen Ratgeber und Helfer
in schwierigen Lebenssituationen geworden. Täglich wird Gottesdienst
gefeiert. Als Altar wählt Guy Gilbert einen simplen Stein und auch
sonst ist in seiner Liturgie einiges anders als in einem „normalen“
katholischen Gottesdienst. Für „kreuz und quer“ haben Mijou Kovacs
und Marcus Marschalek den „etwas anderen“ katholischen Priester in
den Alpes-de-Haute-Provence und in Paris mehrere Tage lang mit der
Kamera begleitet.

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