• 30.11.2020, 09:00:32
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1,3 Millionen für österreichisch-israelische Forschungsprojekte

Faßmann: „Partnerschaft eröffnet exzellente Möglichkeiten für österreichische Wissenschaftler“

Utl.: Faßmann: „Partnerschaft eröffnet exzellente Möglichkeiten für
österreichische Wissenschaftler“ =

Wien (OTS) - Österreich und Israel arbeiten in der Forschung eng
zusammen. Mit 1,3 Millionen Euro fördert Österreich nun in den
kommenden drei Jahren vier Kooperationsprojekte, die in Kürze starten
werden. Diese Summe wird durch entsprechende Förderungen durch das
MOST komplementiert. Die Forschungsgebiete reichen von
Felszeichnungen in alpinen Regionen und der israelischen Wüste Negev
über den Schutz von Kulturerbe und genetischen Defekten bis hin zu
Therapien für Schmetterlingskinder.

Der Kooperation liegt ein bilaterales Abkommen zugrunde, das
anlässlich der Israel-Reise von Bundeskanzler Sebastian Kurz im Jahr
2018, vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung
(BMBWF), dem Wissenschaftsfonds (FWF) sowie dem israelischen Ministry
of Science and Technology (MOST) unterzeichnet wurde. Heinz Faßmann,
Minister für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Klement Tockner,
Präsident des FWF, waren daran federführend beteiligt.

„Es freut mich, dass die gemeinsamen Anstrengungen meines Ressorts
und des FWF nun Früchte tragen, und die ersten
österreichisch-israelischen Forschungsprojekte in Kürze starten
können. Damit haben wir österreichischen Forschenden die Möglichkeit
eröffnet, mit exzellenten Partnern aus Israel, das zu den
erfolgreichsten Forschungsnationen weltweit zählt, zu kooperieren,“
so Heinz Faßmann und er fügt hinzu: „Den Wissenschaftlern, deren
Projekt wir in den kommenden drei Jahren fördern, wünsche ich alles
Gute für Ihre Arbeit.“

Das Bildungsministerium richtete gemeinsam mit dem FWF und dem
israelischen Ministry of Science and Technology zusätzlich ein Joint
Committee (Gemischte Kommission für wissenschaftliche Zusammenarbeit)
ein.
„Ziel der Kooperation mit Israel ist die Förderung von eng
integrierten, österreichisch-israelischen Forschungsprojekten und der
Nutzung und Zusammenführung der Wissenschaftssysteme beider Länder.
Israel wird im Rahmen von europäischen Forschungsprogrammen auch
zukünftig eine große Rolle spielen“, so FWF-Präsident Klement
Tockner. Er betont: „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider
Seiten profitieren von dieser Forschungskooperation. Es ist für mich
ein Beweis der guten und konstruktiven Zusammenarbeit, dass es trotz
der Regierungsneubildung in Israel sowie der Corona-Pandemie gelungen
ist, vier Projekte zu bewilligen und auf Schiene zu bringen.“

Erste Ausschreibung
Die erste Ausschreibung beider Länder fand von Ende April bis Ende
Juli 2019 statt und umfasste die Themengebiete „Genetics‘ and
Epigenetics‘ Contribution to Human Health“ sowie „Heritage Science –
Cultural and Natural Heritage“. Insgesamt langten 28 Anträge mit
einem Antragsvolumen von 8,3 Millionen Euro ein. Zwischen FWF und
MOST wurde ein paralleles Begutachtungsverfahren vereinbart. Bedingt
durch die Corona-Pandemie sowie die israelische Regierungsbildung
verzögerte sich der Entscheidungsprozess. Nach einer virtuellen
Akkordierung zwischen dem FWF und dem MOST konnten nun vier Projekte
mit einem Volumen von 1,3 Millionen Euro bewilligt werden. Je zwei
Projekte kommen aus einem der beiden Themengebiete.

Die israelisch-österreichischen Kooperationsprojekte im Detail

„Kulturgut aus Stein in Österreich und in Israel / Stone
Cultural Heritage in Austria and in Israel“
Akademie der Bildenden Künste Wien, Institut für Naturwissenschaften
und Technologie in der Kunst
Projektleiterin: Katja Sterflinger-Gleixner
Ben-Gurion University of the Negev, Department of Biotechnology
Engineering
Projektleiter: Ariel Kushmaro

Das Projekt von Katja Sterflinger und Ariel Kushmaro untersucht die
Hauptfaktoren für die Verwitterung von kulturhistorisch wertvollen
Felsenzeichnungen in den alpinen Regionen Österreichs
(Dachsteinregion) und – im klimatischen Vergleich – in der
israelischen Wüste Negev. Dabei werden insbesondere die biogenen
Verwitterungsfaktoren berücksichtigt und mit molekularbiologischen
Methoden untersucht. Die Ergebnisse der Studie sind eine wesentliche
Grundlage für den besseren Schutz oder die Schutzbehandlung der
Gesteinsoberflächen. Als Abschluss des Projekts ist die gemeinsame
Präsentation der Ergebnisse vor den für Denkmalpflege zuständigen
Landesbehörden geplant.

„Konflikte und Herausforderungen zum Schutz des Welterbes /
Conflicts and Challenges of World Heritage Protection”
TU Wien, Institut für Raumplanung, Forschungsbereich
Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik
Projektleiterin: Karin Hiltgartner
Technion – Israel Institute of Technology, Faculty of Architecture
and Town Planning, Planning Policy Lab
Projektleiter: Nir Mualam

Um einen nachhaltigen Schutz des baukulturellen Erbes zu
gewährleisten, muss in vielen Bereichen gehandelt werden. Zahlreiche
Normen, Richtlinien, Empfehlungen und Gesetze auf lokaler, nationaler
und internationaler Ebene wurden seit der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts erlassen. Allerdings sind diese oft überschneidend und
widersprüchlich, wodurch die Umsetzung erschwert wird. Die
Forschungsteams rund um Karin Hiltgartner und Nir Mualam beschäftigen
sich mit dem Management und dem Schutz von Kulturerbe in
vergleichender und interdisziplinärer Perspektive. Anhand
österreichischer und israelischer Fallbeispiele sollen neue
Erkenntnisse für die Entwicklung von Maßnahmen und Konzepten auf
supranationaler, nationaler und lokaler Ebene gewonnen werden.

„Zurücksetzen des epigenetischen Status des DM1-Locus /
Resetting the Epigenetic Status of the DM1 Locus”
CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Projektleiter: Stefan Kubicek
The Hebrew University of Jerusalem, Shaare Zedek Medical Center
Projektleiter: Rachel Eiges

Das Projekt beschäftigt sich mit einer autosomal dominanten Form der
Muskeldystrophie (Myotonische Dystrophie Typ1; DM1), die weite
Bereiche der Körperfunktion durch Muskelschwäche und Muskelschwund
beeinträchtigt. Der Krankheit liegt ein Gendefekt im DMPK-Gen
zugrunde, der in Zellen von DM1-Patientinnen und -Patienten zu
epigenetischen Veränderungen in Form einer Hypermethylierung der DNA
führt. Dieses Projekt möchte nun die Enzyme und Signalketten
identifizieren, die für die Hypermethylierung verantwortlich sind.
Ziel ist es, den normalen epigenetischen Status in den betroffenen
Myoblasten wieder herzustellen und so die Grundlagen für zukünftige
therapeutische Ansätze zu schaffen.

„Auswirkung epigenetischer Modulationen auf den EB-Phänotyp /
Epigenetic modifiers of disease phenotypes: epidermolysis bullosa as
a paradigm”
Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH,
Universitätsklinik für Dermatologie
Projektleiterin: Verena Wally
Tel Aviv Sourasky Medical Center, Internal Medicine Division
Projektleiterin: Eli Sprecher

Epidermolysis bullosa (EB) ist eine seltene vererbbare Hautkrankheit,
bei der die strukturelle Stabilität der Haut stark beeinträchtigt
ist. Dadurch wird diese hochempfindlich („Schmetterlingskinder“) und
es kommt bereits bei geringen mechanischen Belastungen zu
Blasenbildungen und Wunden. Ziel des vorliegenden Projekts ist es,
nicht nur die genetischen Ursachen von EB, sondern vor allem die
epigenetischen Faktoren und Prozesse zu bestimmen, die zu den
unterschiedlichen Manifestationen von EB beitragen. Dies wird nicht
nur wichtige Erkenntnisse im Bereich der Grundlagenforschung liefern,
sondern auch wesentliche klinische Implikationen aufweisen. Da diese
Prozesse als therapeutische Ziele dienen können, ist das klare
Potenzial gegeben, klinische Verläufe positiv zu beeinflussen.

MOST Ministry of Science and Technology
Das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MOST) ist
verantwortlich für Investitionen des Staates Israel in die
wissenschaftliche Forschung in Bereichen von nationaler Priorität und
spielt somit eine zentrale Rolle bei der Förderung von
wissenschaftlichem Fortschritt und Entwicklung in Israel.

FWF Der Wissenschaftsfonds
Der FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der
Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen
Forschung. Er unterstützt – nach internationalen Qualitätsmaßstäben –
herausragende Forschungsprojekte sowie exzellente
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich der Gewinnung,
Erweiterung und Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse widmen.

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