• 26.11.2020, 11:00:32
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  • OTS0118

COVID-19-Prävalenz in Österreich liegt bei 3,1%

Faßmann: „Massentests nötig, um unentdeckte Fälle aufzuspüren und Infektionskette zu durchbrechen“

Utl.: Faßmann: „Massentests nötig, um unentdeckte Fälle aufzuspüren
und Infektionskette zu durchbrechen“ =

Wien (OTS) - Die Prävalenz von SARS-CoV-2-Infektionen liegt bei 3,1%.
Das zeigen erste Zwischenergebnisse der aktuellen landesweiten
COVID-19 Prävalenzstudie, die die Statistik Austria im Auftrag des
Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und in
Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz sowie der
Medizinischen Universität Wien durchführt.

Die Brutto-Stichprobe der Prävalenzstudie umfasste insgesamt 7.823 in
Privathaushalten lebende Personen ab 16 Jahren. Davon haben bis Ende
Oktober 2.504 Personen zugesagt, sich an einem vereinbarten Termin
auf SARS-CoV-2 testen zu lassen. Von 12. bis 14. November wurde bei
2.263 Personen ein Nasen-Rachen-Abstrich abgenommen. Bei 48 Personen
ergab die PCR-Analyse des Abstrichs ein positives Testergebnis. Eine
Nachbefragung bei Personen, die zum Testzeitpunkt nicht erschienen
waren, ergab, dass sich zu diesem Zeitpunkt zumindest 24 Personen in
behördlich angeordneter Quarantäne aufgrund eines positiven
Testergebnis befanden. In Summe waren somit mindestens 72
Stichprobenpersonen im Zeitraum von 12. bis 14. November 2020 mit dem
Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert.

Die hochgerechnete Gesamtzahl der Infektionen von 12. bis 14.
November 2020 beträgt 228.000. Das entspricht einem Anteil von 3,1%
der in Privathaushalten lebenden Bevölkerung ab 16 Jahren. Unter
Berücksichtigung der statistischen Schwankungsbreite liegt dieser
Wert zwischen 166.000 und 295.000 infizierten Menschen bzw. einer
Prävalenz von 2,2% bis 4,0%. Dabei ist die Prävalenz in
Westösterreich (Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich)
signifikant höher als in Ostösterreich (Wien, Niederösterreich,
Burgenland).

Heinz Faßmann, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung
sagt: „Die vergleichsweise hohe Dunkelziffer zeigt uns, dass
Instrumente wie die bevorstehenden Massentestungen dringend notwendig
sind, um die Infektionsketten zu durchbrechen und die Verbreitung der
Pandemie einzudämmen. Auch asymptomatische Personen sind infektiös
und können das Virus weitertragen. Mit der Massentestung wollen wir
möglichst viele dieser Personen orten, damit sie nicht andere
Personen anstecken können.“

Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas ergänzt: „Mitte
November lag der Anteil SARS-CoV-2-Infizierter an der
österreichischen Wohnbevölkerung ab 16 Jahren im Schnitt bei 3,1%.
Dabei waren die Anteile in Westösterreich signifikant höher als in
Ostösterreich. Im Vergleich zu den letzten Prävalenzstudien im April
und Mai zeigt sich damit ein erheblicher Anstieg des
Infektionsgeschehens kurz vor dem zweiten Lockdown.“

Bei der Anfang April von SORA durchgeführten Studie waren auf Basis
der Hochrechnung noch maximal 0,8% der ab 16-jährigen Personen in
Österreichs Privathaushalten infiziert. Ende April und Ende Mai sank
der Anteil auf unter 0,2%.

55% der Infektionen kurz vor dem zweiten Lockdown behördlich nicht
erfasst und diese sind größtenteils symptomarm

Zwischen 12. und 14. November 2020 waren in Österreich zwischen
166.000 bis 295.000 Personen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2
infiziert. Weniger als die Hälfte der in der Studie nachgewiesenen
SARS-CoV-2-Infektionen (rund 103.000) waren laut Auskunft der in der
Studie befragten bzw. getesteten Personen bereits behördlich bekannt
(Personen in behördlicher Quarantäne mit positivem Testergebnis sowie
Personen, die bereits zurückliegend ein positives Testergebnis hatten
und in dieser Studie wiederholt positiv getestet wurden). Daraus
lässt sich ableiten, dass rund 55% der akuten Infektionen behördlich
unerkannt bleiben.

Von den 72 infizierten Personen führten 20 (28%) zum Testzeitpunkt
keinerlei Symptome (aus einer Liste von insgesamt 13 möglichen
Symptomen) an. Insgesamt 29 Personen (40%) gaben höchstens ein
Symptom an. Bei den behördlich unerkannten Fällen war der Anteil von
Personen mit höchstens einem Symptom besonders hoch (26 von 37
Personen, bzw. 70%). Nur ein geringer Anteil dieser Gruppe (5 von 37
bzw. 14%) hatte erwartet zum Testzeitpunkt infiziert zu sein. In
Summe verläuft die Infektion demnach vor allem bei den behördlich
nicht erfassten Personen überwiegend symptomfrei und bleibt ohne
Testung unbemerkt. Die Studie kann jedoch nicht klären, ob diese
Personen noch vorsymptomatisch sind und erst in Folge Symptome
entwickeln.

Bis Mitte/Ende Oktober sind 20% schon einmal positiv getestet, 81%
finden Maßnahmen vor dem zweiten Lockdown angemessen

Laut den in der Studie bis Mitte/Ende Oktober erhobenen
Fragebogendaten von 2.711 Personen wurden seit Beginn der Pandemie
20% der Bevölkerung ab 16 Jahren zumindest einmal auf eine aktuelle
SARS-CoV-2-Infektion getestet. Darunter wurden 6% der Bevölkerung
bereits mehrmals getestet. Die Testdichte ist bei Erwerbstätigen
(23%) im Vergleich zu pensionierten Personen (16%) signifikant höher.
Gleichzeitig ist auch die Prävalenz der aktuellen Infektionen bei
Erwerbstätigen tendenziell höher, was auf eine geringere Dunkelziffer
in dieser Gruppe hindeutet. Die Fallzahlen reichen jedoch nicht für
eine gesicherte Aussage.

Erste Ergebnisse aus den Fragebogendaten zu den von der Regierung
gesetzten Maßnahmen zeigen darüber hinaus, dass Mitte/Ende Oktober
und somit noch vor dem aktuellen Lockdown 81% der österreichischen
Wohnbevölkerung die Maßnahmen als angemessen empfunden haben oder
sich sogar stärkere Maßnahmen wünschten. Unterschiede zeigen sich
bezogen auf das Alter: So empfanden mehr als ein Viertel (26%) der
16- bis 24-Jährigen die Mitte/Ende Oktober geltenden Maßnahmen als
(eher) übertrieben. Aufgrund der seit der Befragung stark veränderten
Lebensbedingungen (zweiter Lockdown etc.) kann die damaligen
Maßnahmenakzeptanz nicht auf die derzeitige Situation umgelegt
werden.

Bei den vorliegenden Auswertungen handelt es sich um vorläufige
Daten, die zeitnah zur Erhebung veröffentlicht werden, um die
Bevölkerung rasch über das aktuelle Infektionsgeschehen (aktive
SARS-CoV-2-Infektionen) zu informieren. Nach der Validierung dieser
ersten Ergebnisse mit den für Ende November erwarteten
Registerinformationen des Elektronischen Meldesystems (EMS) werden
Mitte Dezember endgültige Daten vorliegen. Ebenso werden erstmalig
für ganz Österreich die Ergebnisse zur Seroprävalenz Mitte Dezember
veröffentlicht. Diese gibt Auskunft über bereits durchgemachte
SARS-CoV-2-Infektionen auf Basis gebildeter Antikörper.

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