• 23.11.2020, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 24. November 2020, von Alois Vahrner: "Aufsperren, aber wann und wie?"

Innsbruck (OTS) - Es ist ein Trapezakt, mit dem Österreich die viel
zu hohen Corona-Infektionszahlen nach unten drücken will und muss,
ohne die Wirtschaft vollends abzuwürgen. Vor allem die
Tourismus-Öffnung hängt am seidenen Faden.

Drei Wochen Lockdown hat Österreich wieder hinter sich, davon seit
einer Woche im noch verschärften Modus mit Ausgangsbeschränkungen
rund um die Uhr und Schließungen von Schulen sowie weiten Teilen des
Handels. Die Gefahr, dass die Intensivbetten in den Spitälern nicht
reichen und Ärzte vorab über Leben oder Tod entscheiden müssen, ist
noch nicht gebannt – auch wenn sich die noch immer viel zu hohen
Neuinfektions-Zahlen zuletzt etwas eingebremst haben und sich dieser
Trend nach unten jetzt hoffentlich deutlich verstärken wird.
Und das muss er, wenn die Politik dem Handel ab 7. Dezember wieder
grünes Licht für Öffnungen geben soll. Klar ist, dass es da um das
Retten eines möglichst großen Teils des für viele
überlebensnotwendigen Weihnachtsgeschäftes geht.
Noch weit mehr Fragezeichen gibt es für den gerade auch in Tirol
von Hoteliers, Gastronomen und Seilbahnern herbeigesehnten Start in
die Wintersaison. An dieser hängen nicht nur Milliarden-Einnahmen,
sondern neben Zehntausenden Arbeitsplätzen in der Branche auch viele
weitere in anderen Sparten. „Wir sperren auf“, kündigte Tirols LH
Günther Platter gestern wohl mit einer sehr großen Portion Optimismus
an – und verwies auf sinkende Infektionszahlen, einen großzügigen
neuen Fixkosten-Ersatz und die Hoffnung auf einen baldigen
Impf-Start.
Aufsperren ja, aber das Wann und das Wie stehen noch völlig in den
Sternen. Die Bundesregierung, das steht fest, wird hier kein Risiko
eingehen wollen und noch eine Weile zuwarten. Eine Öffnung etwa der
Skigebiete bereits mit 7. Dezember scheint äußerst unwahrscheinlich.
Und selbst wenn Österreich ein Aufsperren von Hotels,
Gastrobetrieben und Seilbahnen erlaubt, gibt es noch immer das
Problem der Reisewarnungen, vor allem auch jener aus Deutschland.
Hier ist Österreich Passagier und darf gerade auch nach jüngsten
Äußerungen aus der deutschen Politik keinesfalls mit Milde rechnen,
solange unsere Infektionszahlen jenseits von Gut und Böse sind. Noch
immer liegen wir bei den Neuinfektionen etwa beim Zehn­fachen (!) des
deutschen Alarmwertes. Kanzlerin Angela Merkel rät klar von
Weihnachts-Urlauben ab, Bayerns Minis­terpräsident Markus Söder warnt
unablässig vor Reisen nach Österreich und Tirol. Und Italien will
ernsthaft ein europaweites Skiurlaubs-Verbot vorerst bis Jänner
durchsetzen. Eine andere Chance, Corona besser in den Griff zu
bekommen als zuletzt, gibt es nicht. Die nächsten Wochen werden
entscheidend.

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